Gender: Ist diese Analoge passend?

5 Antworten

Der Ausgangspunkt ist doch schon falsch: Lann und andere Menschen fordern nicht, sondern regen dazu an. Forderungen würden sich in Vorschriften/Regeln/Gesetzen äußern, welche es (bis auf wenige Ausnahmen) nicht gibt. Zumal es bei gendersensibler Sprache auch viel weniger um das "aktive Sich-Angesprochenfühlen" geht als viel mehr um un(ter)bewusste Assoziationen, die Sprecher und Sprecherinnen mit bestimmten Wortformen haben.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – aktuell: PhD English Linguistics

Zitat von Barry C. Smith (Direktor des Institute of Philosophy, University of London): Zitronen sind schnell.

Was nützt es uns, wenn wir Zitronen auf einer Skala von langsam bis schnell einordnen sollen, dass fast alle Menschen "schnell" sagen?

Zitat von Simone Schnall (Direktorin und Universitätsdozentin, Cambridge):

Der Geist denkt in verkörperten Metaphern.

Es gibt nichtwillkürliche Assoziationen zwischen Geschmack und Form, zwischen Hören und Sehen usw.. Beispiele: Ein hoher Ton, ein warmes Braun, eine klare Argumentation usw.. Dabei gibt es Zusammenhänge, die (fast) allen Menschen gemeinsam sind - im Gegensatz zur Synästhesie, die zwar individuell einheitlich aber von Person zu Person verschieden ist. Dass wir derartige Mehrfachverbindungen im Hirn herstellen, erhöht unsere Fähigkeit schwer fassbare Aspekte unseres Erlebens zu strukturieren und den anderen mitzuteilen. Die syästhetischen Verbindungen helfen da nicht, da diese weder für alle Menschen gleich noch für alle Menschen gegeben sind. Das Gendern schafft eine zusätzliche Information, die für alle verständlich ist. Eine Sprache, die der Synästhesie einer Person angepasst wäre, würde keine solche zusätzliche Information bereitstellen.

Dass wir Zitronen auf einer Skala von langsam bis schnell als schnell einordnen können, ist möglicherweise teilweise der Grund dafür, dass wir so schlau sind.

P.S.: Der Inhalt dieser Antwort stammt im Wesentlichen aus zwei kleinen Aufsätzen von B.C. Smith und Simone Schnall.

ist das nicht so, als würde ich eine Liste mit farbigen Formen für bestimmte Geräusche ausgeben und fordern, dass jeder, der mit mir redet, ab jetzt diese Begriffe benutzt?

Ja, das ist genau so. Du kannst genau das tun, du hast das Recht dazu. Ebenso hat jeder das Recht dazu, deine Bitte zu ignorieren. Genauso wie jeder das Recht hat, den Wunsch nach einer bestimmten Anrede zu äußern oder zu ignorieren. In jedem Fall muss man halt mit den Konsequenzen leben.

Wenn alle mit Synesthesie aufstehen würden und ihre Benachteiligung beschreiben würden, würde das sicher was ändern.
Insbesondere wenn sich zeigen würde, dass ihr 52% der Bevolkerung ausmacht.

Mir ging es jetzt nur um die Analogie. Es wird ja immer so dargestellt, als ob Menschen leiden, wenn man nicht gendert oder seine Sprache mit „Professx“ nivcht anpasst. Aber gehört das nicht zur allg. unzulänglichkeit und Ungenauigkeit der Sprache, mit der jeder aufwächst? Also wenn ich priblemos damit leben kann, dass Töne als „grell“ beschrieben werden, müsste dann nicht ein queerer Mensch problemlos damit leben können, entsprechend der Sprachkonvention als Frau/ Herr oder Verkäufer statt als Verkäufer*in angesprochen zu werden, ohne zu leiden?

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@Tasha

Es geht doch nicht nur um Transmenschen oder Intersexuelle. Beim Gendern sind Frauen diejenigen, die nicht gemeint sind in der Ansprache.

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Ich lese in deiner Antwort Abwehr, Verteidigung, und zwar recht schroffe. Lies bitte die Frage mal ganz neutral als Wunsch nach Auseinandersetzung und Verständnis, als Interesse und nicht als Affront gegen das Gendern.

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Sprache kann sich nicht nach den Befindlichkeiten sämtlicher kleinen Minderheiten richten.

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