Geldverleihung von Banken: Wirtschaftsfrage

4 Antworten

Stimmt. Hab das gleiche gehört vom Lehrer. Die Erklärung war irgendwie, dass ein Zehntel des Betrages als Sicherheit genügt, und davon ausgegangen werden darf dass das eingelegte Geld länger dort bleibt bzw. nicht wieder sofort zur Gänze ausbezahlt werden muss sondern eher mehr eingelegt wird.

Nein, nicht ganz so einfach. Banken dürfen kein Geld "erfinden". Jeden Cent, den sie an andere verleihen, müssen sie sich selbst irgendwo leihen oder aus ihrem eigenen Kapital aufbringen. Wenn Du also 10.000 Euro Sparguthaben bei der Bank hast, dann dürfen sie davon eine gewisse Menge weiter verleihen. Nun wird das ganze quasi dadurch verfielffältigt, dass eine sogenante Giralgeldschöpfung einsetzt.

Wenn die Bank von den 10.000 € nun 8.000 als Darlehen vergibt, damit sich davon jemand ein Auto kauft, dann zahlt sie das Geld an den Käufer, der zahlt damit das Auto an den verkäufer, der bringt diese 8.000 wieder zur Bank. Die kann dann die Bank wiederum als Einlage für weitere Kredite benutzen. Von diesen 8.000 vergibt sie dann wieder 6.000 als Darlehen, die fliessen auch wieder in irgendeiner Form zurück und so weiter.

Dennoch ist es hier nicht so, dass die Banek einfach Geld aus der Luft erschafft. Hinter jedem kredit den die Bank vergibt, steckt auch ein Kredit, den die Bank quasi von Ihren Kunden erhalten hat. Daher stellt dann auch jeder Kredit, den die Bank nicht zurückgezahlt bekommt, einen Verlust für die Bank dar, da sie ja trotzdem ihrerseits das Tagesgeld/Sparguthaben etc mit dem sie den Kredit finanziert hat, ja dem Kunden wieder zurückzahlen muss.

Wenn die Bank von den 10.000 € nun 8.000 als Darlehen vergibt

Bei 10.000 € müsste die Bank 100 € an Reserve halten und die restlichen 9.900 € darf sie verleihen glaube ich? Ich habe irgendwo gelesen, dass sie mit dem restlichen Geld von 9.900 € das 100 Fache (also 100 %) von der Zentralbank sich leihen kann/darf... Stimmt das, oder habe ich was missverstanden?

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@teomanrock

Das mit dem verleihen ist richtig. Und wenn die 9.900 wieder zurück zu Bank kommen, kann sie die davon wiederum 9.801 Euro verleihen, so wären aus den ursprünglich eingezahlten 10.000 Euro schon 19.701 € Kredit geworden.

Mit der Zentralbank ist das jetzt etwas umfangreicher. Die Zentralbank entscheidet ja selbst, wieviel Geld sie insgesamt verleiht. Das ist ja der Kern ihrer Geldpolitik. In wieweit jetzt der Betrag pro Bank begrenzt ist, weiss ich nicht. Irgendwann greifen aber auch die regularien nach Basel II, die vorschreiben wieviel eigenes und wieviel geliehenes Geld die Banken bei der Vergabe von Zinsen einsetzen müssen. Es ist für die Bank also nicht unbedingt lohnend, soviel Geld wie Möglich von der EZB zu leihen, wenn sie nicht auf der anderen Seite auch die entsprechenden kredite vergebn dard.

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@Traveller24
In wieweit jetzt der Betrag pro Bank begrenzt ist

Ich dachte, dass man automatisch sich Geld leihen kann/darf, wenn man die Mindesteinlage von 1 % hat. Also für ein 10.000 € Girogeld-Kredit 100 € auf dem Zentralbankkonto.

Frage. Wie ist es mit dem Eigenkapital? Binder meinte, dass eine Bank das 20 Fache seines Eigenkapitals aufnehmen kann... ? Für sich selber oder für normale Kundenkredite? Ich glaube, dass für normale Kundenkredite diese 1 % Regelung gilt und für Investitionen die 20-Fach-Regelung?

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@teomanrock

Das mit den 1% hast du glaib ich falsch verstaden. Die Bank muss 1% des Geldes, dass die Kunden ihr geliehen haben, bei der EZB einlegen. Wenn Du z.B. 10.000 Euro bei der Bank einzahlst, dann muss die Bank davon 100 € bei der EZB deponieren, ganz grob gesagt. Das hat dann nichts damit zu tun, was die Bank sich bei der EZB leiht.

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Das mit dem neuen Kredit aus der Einzahlung des Autoverkäufers ist nicht ganz richtig. Die Bank kann jeden Kredit in beliebiger Höhe gewähren, ohne dass vorher irgendwer irgendwas einzahlen oder überweisen muss.

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@FrageSchlumpf

Und woher soll sie das Geld dafür nehmen? Auch eine Bank kann auf der einen Seite nur das Geld verleihen, dass sie auf der anderen Seite eingenommen hat.

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Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube der daraus resultiert, dass mit der bekannten "Geldschöpfungsformel" die theoretische Möglichkeit einer Bank zur Geldschöpfung bestimmt wird, der aus einer - in welcher Form auch immer auftauchenden Überschussreserve ( = überschüssiges Zentralbankgeld ) möglich wäre.

Da aber die Zentralbanken schon eh und je immer soviel Zentralbankgeld bereitgestellt haben wie jeweils von den Banken benötigt wurde, ist diese Formel wirklich mehr als theoretisch. Für die Praxis hat diese Art der Beschränkung keine Relevanz.

Auch für Bankbilanzen gilt : Aktiva und Passiva sind immer ausgeglichen. Und die Einlage muss nicht dem Kredit vorausgenen sein. Kredit kann einfach so gewährt werden ( Prinzip der Giralgeldschöpfung ).

Vielen Dank für deine Antwort. Du hast unten die Frage gestellt, warum die Bank soviel Zentralbankgeld brauchen sollte - einfach: um damit Staatsanleihen zu kaufen oder Aktien...

Wenn ich eine Bank gründe, die ein EK von 10 Millionen € hat, kann ich dann von der EZB das 10 Fache ausleihen? Manche sagen, manche nein... Ich verstehe das auch mit den Mindestreserven nicht wirklich. Und wie ist es mit dem 100-Fachen? http://le-bohemien.net/2011/09/09/wie-banken-geld-machen/ Mindestreserve wurde von 2 % auf 1 % runtergesetzt...

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@teomanrock

Irgendwo hier, oder bei deiner anderen Frage, schrieb ich über den Verwendungszweck von Zentralbankgeld.

Um Aktien kaufen zu können, braucht eine Bank zunächst keinen Kredit von der EZB !!!

Wie gesagt, die Bank wird dadurch nicht reicher . Genauso aus der Geldschöpfung niemand reicher wird, oder eben "Geld entsteht" wie des dein Link vermuten lässt. Alles Märchen.

Das Beste wäre, Du würdest als erstes erst mal versuchen, die Grundsätze von doppelter Buchführung zu verstehen. Wenn Du das verstanden hast, kannst Du richtige und falsche ( wie dein Link oben vermutlich ) Informationen sofort erkennen. Wenn Du nach einiger Zeit die Buchführung immer noch nicht verstanden hast ( keine Schande !! ) dann beschäftige dich bitte nicht mehr mit dem Thema, sonst machst Du dich mit all den widersprüchlichen Infos, die Du eh nicht greifen kannst , noch irgendwann verrückt .

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@FrageSchlumpf
Um Aktien kaufen zu können, braucht eine Bank zunächst keinen Kredit von der EZB !!!

Ja das ist mir klar, aber es macht einen Unterschied: ich mach mit 100 Millionen € mehr Geld als mit 10 Millionen €. Wenn ich (nur als Beispiel) mit den 100 Millionen € 10 % verdiene und davon 1 % der Zentralbank abgeben würde, dann hätte ich immer noch 9 Millionen € Gewinn. Mir geht es hier vor allem um die Hebelwirkung.

Genauso aus der Geldschöpfung niemand reicher wird, oder eben "Geld entsteht" wie des dein Link vermuten lässt. Alles Märchen.

Die Bundesbank hat in einer Broschüre geschrieben "Zentralbankgeld kann aber nur die Zentralbank – das Eurosystem – schaffen. Dieses Monopol versetzt das Eurosystem in die Lage, auf die Geschäftstätigkeit und die Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken systematischen Einfluss zu nehmen". http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Buch_Broschuere_Flyer/geld_und_geldpolitik.pdf?__blob=publicationFile Ich denke, die Bundesbank ist seriös. Es gibt auch mehr Buchgeld als Bargeld... Also entsteht Geld bzw. Buchgeld.

Das Beste wäre, Du würdest als erstes erst mal versuchen, die Grundsätze von doppelter Buchführung zu verstehen. Wenn Du das verstanden hast, kannst Du richtige und falsche ( wie dein Link oben vermutlich ) Informationen sofort erkennen. Wenn Du nach einiger Zeit die Buchführung immer noch nicht verstanden hast ( keine Schande !! )

Ja, ich kenne mich mit Bilanzen bisschen aus. Rechnungswesen und Aktive und Passiva. Beide Seiten müssen eine Wage bilden. Aber die Banken können Geld "erschaffen" - ob das jetzt gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage, aber sie können es und das gibt die Bundesbank auch zu.

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@teomanrock

Ich habe jetzt bemerkt, Du schreibst oben (erster Beitrag): "Kredit kann einfach so gewährt werden ( Prinzip der Giralgeldschöpfung )." Kannst Du das erläutern? Das ist eigentlich das, was ich wissen möchte... Kann ich als Bank einfach so Geld verleihen, dass ich nicht habe?

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@teomanrock

Ja, ganz einfacher Buchungssatz :

Per Forderungen an Kunden an Verbindlichkeiten an Kunden.

Die Bilanz der Bank wird um den Kreditbetrag ( ist ja gleichzeitig der Einlagebetrag ) größer.

Nun gibt es eben viele, die sagen, damit enstünde Geld. Nur frage ich mich immer "ja wo isses denn?". Einfach nur die Bilanzsumme ist kein Geld, da jeder Forderung eine Verbindlichkeit gegenübersteht. Sogesehen existiert Geld nicht.

Was den Leverage angeht. Da ich als Bank Aktien auch ohne Hilfe der EZB kaufen kann, kann ich auch viele Aktien kaufen. Ich brauche dafür nicht zwingend die EZB bzw. Zentralbankgeld. Eben nur in den genenannten Fällen ( Bargeld, Mindetreserve, Innersystemverkehr ).

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@FrageSchlumpf
Nun gibt es eben viele, die sagen, damit enstünde Geld. Nur frage ich mich immer "ja wo isses denn?"

Wenn Du mir 100 € gibst und dieses Geld schreibe ich dir gut auf deinem Konto. Dieses Geld verleihe ich, mit dem 10 Fach-Eigenkapital-Effekt, also 1000 € an jemand anderen (hat 1000 € auf sein Konto), dann hat man insgesamt 1100 € an Geld und das obwohl ich nur 100 € von dir habe. Die Bank hat also Geld erschöpft und das die Bank das Geld nicht hat, das finde ich beängstigend.

Unabhängig davon, kriegt die Bank die hohe Zinsen für den hohen Betrag, ABER auch den Betrag an und für sich. Die Bank macht nur Gewinne und erschöpft Geld. Selbst die Bundesbank gibt in einer Info-Broschüre zu "Wie durch Zauberei wird Geld, Giralgeld, erschöpft".

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@teomanrock

Ich glaube immer mehr, dass Du es einfach nicht verstehst.

Nochmal.Die Bilanz ist immer ausgeglichen.

Löse dich von den 100 Euro die Du von mir bekommst ( brauchst sie nicht ).

Die Bank gewährt einen Kredit von 1000 Euro - einfach so. Belastet das Kreditkonto des Kunden und schreibt den Betrag auf seinem Girokonto gut.

Hat der Kunde danach "mehr Geld " ? Hat die Bank mehr Geld ? Nein. Beide nicht.

Es wird Bilanzsumme erzeugt, ja. Aber nicht Geld in dem Sinne, das irgendjemand einen Vermögenszuwachs hat.

Dass die Bank Zinsen bekommt ist klar. Sie zahlt aber auch für die Passivseite. Sie kann sich damit aber auch nicht reichrechnen, da die "Geldschöpfung" ( Bilanzschöpfung ) immer voraussezt, dass irgendjemand auch den Kredit haben möchte.

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@FrageSchlumpf
Nochmal.Die Bilanz ist immer ausgeglichen.

Eine Bilanz kann man immer "täuschen". Wenn ich ein Auto auf 6 Jahre abschreibe, dann ist das Auto nach 6 Jahren auch nur mit 1 € Buchwert erfasst, aber in der Realität ist das Auto mehr Wert. Dennoch vielen Dank :-)

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