Geldpolitik der Fed

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3 Antworten

Ich finde, dass man sich dazu etwas mehr auseinandersetzen muss. Z.B. mit einem Buch von Prof. Hans Werner Sinn: Kasino-Kapitalismus

http://www.perlentaucher.de/buch/hans-werner-sinn/kasino-kapitalismus.html

Dass es zu dieser Fehlentwicklung kam, hat ja Gründe. Obwohl das hemmungslose Schuldenmachen sowohl in USA, in Japan und in Europa die Basis-Ursache sind, sind die Wirtschaftszusammenhänge in den drei Wirtschaftsräumen sehr verschieden und daher die Maßnahmen der Zentralbanken in der Wirkung sehr verschieden. Sowohl die Politiken wie die Zentralbankmaßnahmen hebeln den Markt aus, sodass nicht mehr die freie Entscheidung der Marktteilnehmer über die Größen Sparen und Investieren entscheiden, sondern der Staat. Die Zinsen werden so niedrig gehalten, dass sich für Private Sparen nicht mehr lohnt. Die so fehlenden Mittel werden über Geldschöpfung kreiert, deren Haftung nicht mehr in der Entscheidung der Einzelnen liegt, sondern eine Gesamthaftung wird vom Staat "verteilt". Gemanaged wird die Schuldenwirtschaft durch eine zentralbanknahe Finanzbranche, die sich - weil an der Quelle - dieses Mangagen gut bezahlen lässt. Einzelne Gruppen wie kleine Sparer, Vermögensverwaltung zur Zukunftssicherung auf Zinsbasis werden schleichend enteignet. Risikoreiche Anlagen sind favorisiert und Großspieler wie der amerikanische Finanzmagnat George Soros mischen sich immer stärker in die Politik ein, um politische Entscheidungen zugunsten ihrer riskanten Wetten zu beeinflussen.

Die Frage ist, wie weit Zentralbanken längst keine freien, rein an der Geldwertstabilität ausgerichtete Politiken betreiben, sondern längst in diese Spirale von Schuldenerhöhung und Deckung durch Geldschöpfung eingebunden sind. Dabei haben auch die Zentralbanken genügend Statistiken, die ihnen z.B. bei der EZB zeigen, dass in Frankreich, Italien, Griechenland oder Portugal trotz massiver Geldschöpfung die Wertschöpfung aus dem Industriellen Sektor sinkt, d.h. dass sich eine gefährliche strukturelle Schieflage abzeichnet. Kurzatmigkeit wird gegenüber Nachhaltigkeit bevorzugt prämiert. Dass Zentralbanken in die Rolle von Umverteilungszentren schlüpfen, ist das wirklich Neue an der Gesamtheit ihrer Philosophie, die alle einzelnen Maßnahmen prägt.

FrageSchlumpf 07.02.2015, 21:03

Also bei einigem was da geschrieben wird, würde ich, wenn ich das als Prof. in einer Bachelor - unnachgewiesen - lesen würde, die Immatrikulation beantragen.

So viel haltlose Polemik hat in einer wissenschaftlichen Arbeit nichts zu suchen.

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Dankeschön für die ganzen antworten!! Aber ich soll mich laut meiner Betreuerin wirklich nur auf die unkonventionellen Maßnahmen beschränken und in einem weiteren Kapitel dann die Wirksamkeit und kritische Würdigung usw.. Hätte jetzt mal gefunden, dass zu den unkonventionellen Maßnahmen der fed das kaufen von asset-backed und mortage-backed Securities gehört und die übernehme von Staatsnahen Unternehmen.. Stimmt das soweit oder fehlt noch was? Vielen dank!!

FrageSchlumpf 07.02.2015, 21:02

Wäre mir neu, dass die FED direkt Unternehmen übernommen hätte.

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Nun, ich denke, das, was man als "unkonventionell" bezeichnet , würde besser "neuartig, noch nie dagewesen" heißen.

Und da sind in erster Linie die Bondkäufe ( outright ) gemeint. Aber auch ein negativer Einlagenzins war bisher unbekannt. Und unter der Definition sind auch langfrsitige Tender eigentlich "neu" und damit unkonventionell, wenn man es mit dem jahrelangen Standard von 2-Wochen-Tendern ( bei der EZB ) vergleicht.....

Insgesamt finde ich das aber keinen großen Akt. Stelle mir das schwer vor, daraus soviel "Munition" zu ziehen, dass es für eine Bachelor-Arbeit reicht.

RastaNina 07.02.2015, 13:42

Vielen Dank für deine Antwort!!

Also dadurch dass wir 2 Bachelorarbeiten schreiben, muss sie natürlich auch nicht ganz so lang werden.. Also laut meiner Betreuerin passt das vom Thema her.. Ich schreib ja auch über die Krise und die Wirksamkeit usw.. Der Negativzins fällt meiner Recherche nach nicht unter die unkonventionellen sondern ist Teil des Offenmarktgeschäftes.. Aber was sagst du zu Käufen von asset-backed und mortage-backed Securities? Und der Einführung von Stress-Tests? Sollte ich das zu den unkonventionellen Maßnahmen zählen?

Dankeschön!!

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FrageSchlumpf 07.02.2015, 21:00
@RastaNina

Nun, es ist immer eine Frage der Definition.

Sicher, Offenmakrtgeschäfte sind "konventionell". Und dann eben auch, wenn sie mit negativem Zins sind, selbst wenn das vor Jahren noch undenkbar war.

Stress-Tests sind meiner Meinung nach überhaupt kein Mittel der Geldpolitik sondern fallen in die Rubrik Aufsicht/Finanzmarktstabilität.

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