Gelbwangenschildkröte: Wieso werden soviele gerade jetzt abgegeben?

2 Antworten

Das Problem ist nicht unbekannt unter Schildkrötenhaltern und deswegen verfluchen wir auch diese mega schlechte "Beratung" in der Tierahdnlung und die viel zu günstigen Preise sowie das fehlende vorausschauende denken von Käufern. wasserschildkröten werden süß und klein verkauft. Für wenige Euro kann man das "pflegeleichte" Tier abgeben. Es bräuchte nicht viel Platz, habe keine großen Ansprüche und die Winterstarre sei nicht wichtig. So und so ähnlich wird der Kauf schmackhaft gemacht. Bei dem geringen Preis kann man das ja mal ausprobieren und der Käufer denkt nicht über die eigentlichen Haltungsansprüche nach. Schnell wird die Schildkröte groß. Die wenigen cm Wasserstand reichen lange nicht mehr aus, ebenso die Pumpenleistung. Wasserwechsel sind viel Arbeit, die Schildkröten stinken schnell (sind ja nun mal Fleischfresser und sie koten in ihr eigenes Wasser) und man kann nicht einmal mit ihnen spielen. Es ist zu viel Arbeit für zu wenig "Gegenleistung". Als reines Beobachtungstier so viel arbeit zu investieren, .... da haben viele einfach keine Lust drauf. Ebenso auf die Winterstarre. Warum sich die Mühe machen mit Temperaturabsenkung, gesundheitskontrolle usw., wenn man doch ganz bequem alles so belassen kann, wie es ist. Zum Tod führt es nicht, die Schildkröten leiden lange. Gerade zum Zeitpunkt der Ferien ist es nicht selten, dass die lästigen Tiere wieder abgegeben werden. Aber da man sie so süß für wenig Geld "neu" kaufen kann, wird man sie nicht für viel Geld als erwachsenes Tier los. Es ist also noch schlimmer als Katzen. Sie werden auch in massen vermehrt, für wenige Euros abgegeben und später wieder abgegeben. Tierheime sind voll mit Katzen. Tierheime sind hingegen kaum für Schildkröten ausgestattet. Die Folge, die Schildkröten finden keinen neuen Halter und werden dann (obwohl es verboten ist und sowohl der Schildkröte als auch der heimischen Flora und Fauna schadet), einfach ausgesetzt. 

Kaum einer ist bereit, den nötigen Platz (Teich) zu bieten. Kaum einer möchte sie nur als Beobachtungstier akzeptieren. Daher gibt es nur wenige Halter, die wie du echtes Interesse haben, Schildkröten ein artgerechtes Zuhause zu bieten. 

Mein Wunsch wäre es, wenn die Tierhandlung aufhört, zu beraten oder entsprechend so ausgebildet wird, dass sie fachkundig beraten. Zum Interesse der Tiere, nicht zum eigenen wirtschaftlichen Interesse. Besser wäre, wenn die Tierhandlung ganz auf den Verkauf von Wasserschildkröten verzichtet. Wenn dann auch noch die Preise ansteigen würden, würden sich die Halter mehr überlegen, ob sie dem Tier gerecht werden können.

Ich züchte Landschildkröten, die preislich im Mittelmaß liegen. Die meisten Halter haben echtes Interesse oder lassen sich erst einmal beraten, um einschätzen zu können, ob es was für sie ist. Einmal habe ich ausprobiert, die Schildkröten für weniger Geld anzubieten, also so günstig wie Wasdserschildkröten. Schwupps hatte ich ganz viele Anfragen. Wusste gar nicht, wem ich zuerst antworten sollte. Nur ein einziger hatte schon Schildkröten. Alle anderen hatten keine Ahnung von der Haltung und hätten sie sofort falsch gehalten. Einfach nur weil man bei dem Preis ja mal ausprobieren kann. Der Kaufpreis kann vieles bewirken. wenn auch nicht alles, aber würden Wasserschildkröten teurer sein, würde es weniger Abgaben geben, weil man den Kauf besser überdenken würde.

Es liegt nicht an Winterruhe, Alter oder sonst was. Es liegt an einem (verdammt blödem) Gesetz, dass seit dem dritten August gilt:

Für ganze 37 Arten, darunter Streifenhörnchen, Schmuckschildkröten, Nasenbären und Halsbandsittiche gilt jetzt ein Haltungsverbot in der ganzen EU. Zoos müssen ihre Tiere kastrieren (was sich für Zoos nicht gehört) und Privathalter müssen ihre Tiere innerhalb von 2 Jahren an nicht-EU Länder abgeben.

Jetzt bekommen viele Schildkrötenhalter Angst und geben ihre Tiere ab. Dumm nur, dass die Tierheime die Schildkröten nicht mehr weitergeben dürfen. Dieses Gesetzt ist also kontraproduktiv.

Das heisst für dich dass du gar keine Gelbwangenschmuckschildkröte halten darfst. Am besten du unterschreibst eine Petition dagegen oder so...

Solltest du in der Schweiz leben: Gratulation! Geh ins Tierheim und kauf dir eine Schildkröte!

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