Geht die Politik von einem freien Willen aus?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Auch Politiker sind Menschen, und Menschen gehen dort, wo etwas noch total ungewiß ist, fast immer von dem aus, was gerade am besten in den Kram paßt.

Der Denkansatz, daß der Wille determiniert ist, ist meiner Ansicht nach absolut richtig. Doch die Sache hat in der Praxis auch eine Kehrseite.

Wenn Straftäter bei ganz genauer Betrachtung nur nach dem handeln, was ihnen aufgrund zwangsweiser Entscheidungsstrukturen vorgegeben ist, dann gilt das unvermeidbar ebenso für Polizisten, Staatsanwälte und Richter, die sich dann deshalb so verhalten, weil sie es aufgrund ihrer vorgegebenen Denkstrukturen nicht anders können.

Das aufgeworfene Problem sehe ich deshalb nicht im vermeintlichen freien Willen, sondern im Grundprinzip der staatlichen Strukturen beim Umgang mit unerwünschten Verhaltensweisen. Denn würde man generell von dem Gedanken ausgehen "die Dinge sind unabänderbar so, wie sie sind, und Schuld gibt es nicht", dann wäre das Ergebnis ein absolutes Chaos und am Ende der Schritt "zurück auf die Bäume".

"Strafe" betrachte ich als primitive Rachereaktion, die von meinem ehtischen Blickwinkel her noch verwerflicher sind als die Straftaten selbst, weil die Möglichkeit eines besseren Umgangs mit der Sache offenkundig, aber dennoch nicht gewollt ist.

Sinnvoll ist meiner Ansicht nach nur, mit Straftätern so umzugehen, daß der entstehende Gesamtschaden so gering wie möglich bleibt, daß veränderte Denk- und Charakterstrukturen geheilt werden, damit es zukünftig nicht mehr zu unerwünschtem Verhalten kommt, oder in Fällen, wo "Heilung" nicht möglich ist, eine möglichst normale menschenwürdige Isolation.

Gegenwärtige Rechtssysteme arbeiten gegenteilig. Sie fügen dem schon entstandenen Schaden des Opfers noch einen Schaden für den Täter hinzu, sie mitbestrafen Angehörige über die weiteren Folgen der Verurteilung, sie bestrafen die Opfer erneut dadurch, daß deren Entschädigungsansprüche gegenüber den Geld- und Freiheitsstrafen nachrangig behandelt werden, und sie bestrafen das gesamte Volk dadurch, daß zusätzliche erhebliche Kosten aufgrund der Vollstreckung entstehen.

Den "freien Willen" selbst halte ich für etwas, das nicht mehr als ein nachgeschobenes Argument ist. Der Geist trifft in jeder Sekunde Entscheidungen aufgrund seiner Gesamtstruktur, und er entscheidet stets so, daß mit einem anstehenden Problem unter voller Berücksichtigung aller dem Unterbewußtsein nebenher bekannter Probleme stets eine möglichst "gute" Entscheidung getroffen wird.

Im Anschluß an eine getroffene Entscheidung wird erneut bewußt, daß auch Alternativen möglich waren, die aber aus irgendwelchen Gründen verworfen wurden. Dieser Effekt wird dann als "freie" Willensentscheidung verkannt. In der Folge wird die getroffene Entscheidung so lange für richtig gehalten (als "gut" befunden), bis sie irgendwann im Konflikt zu anderen Problemen steht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich denke schon, dass die Politik von einen freien Willen ausgeht, aber selbst wenn nicht und wie du sagst, das Hirn solcher Leute schon Strukturen aufweist die für eine Straftat sprechen, entgegen des freien Willen, ist ein wegsperren trotzdem sinnvoll, da die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Straftat höher ist, wenn das Hirn ja dann bekannterweise dafür "ausgelegt" ist. (Darf man Sätze überhaupt so lang machen ?) 

Der Sinn der Abschreckung fällt zwar weg, aber der potentielle Schutz der Bevölkerung bleibt bestehen. 

Ich bin der Meinung, dass wir zum Teil einen freien Willen haben. Ich stelle mir unseren Willen als eine Art Meere vor, das in tausende Flüsse mündet, diese in einen Bach und diese in Rinnsale. Die Gesellschaft und unsere Umgebung zwingen unseren Willen am Anfang des Lebens dazu sich für einen Fluss zu entscheiden (Kein freier Wille), und weiter entscheiden sie in welchen Bach dieser mündet (Kein freier Wille), aber ich glaube daran, dass wir ab und zu unser Rinnsal aussuchen können. (Freier Wille)

Falls Gewässer denn so aufgebaut sind, aber ich denke du verstehst was ich meine. Nur die kleinen Entscheidungen bleiben uns vorbehalten, die großen werden schon lange davor von unserer Umgebung geprägt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Niemand geht von einem freien Willen aus, dennoch werden die Entscheidungen von Straftätern durch Strafen beeinflusst. Man kann also sagen, dass sowohl die Handlungen der Täter, als auch die Reaktionen der Gesellschaft bereits determiniert sind.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

das Gehirn entscheidet schon vorher, wie wir uns entscheiden. und wenn du für etwas bestraft wirst, wird zwangsläufig auch dein gesundes Hirn bestraft. Also spielt der freie oder der unfreie Wille keine Rolle mehr. Wer unzurechnungsfähig ist, dessen hirn ist auch nicht ok. Somit erfolgt keine Bestrafung

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von 969696
30.09.2016, 01:16

Hahaha Ich glaube du hast meine Frage nicht verstandenXD

0
Kommentar von Golem999
30.09.2016, 10:33

Hast du zu dieser Behauptung auch eine Seriöse Quelle?

0

Also kurz gesagt: Das Deutsche Recht geht schon davon aus, dass der Mensch einen freien Willen hat.

Ob freier Wille überhaupt existiert oder nicht ist dann schon eine sehr harte philosophische Frage. Gibt auch Hirnforscher, die den freien Willen auf Grund von Genetik und Umweltbedingungen in Frage stellen, allerdings auf keinem für uns praktikablen Niveau.

Vielleicht gibt es wirklich keinen freien Willen, aber wenn wir zumindest die Illusion von freiem Willen haben, ist die Frage, ob dies nicht die maximale Freiheit ist, die man in einem möglicherweise deterministischem Universum hat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Qochata
30.09.2016, 01:23

es ist keine philosophische frage mehr, sondern nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bewiesen, dass wir keinen freien willen haben. nur bringt uns das in Teufels küche, wenn wir das berücksichtigen

1

Nein, davon geht die Politik nicht aus.

Das Strafrecht geht von einer Normverletzung aus.
So gibt es die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag. Schon die Unterscheidung belegt, dass der Täter nicht vorgeprägt ein Mörder ist, sondern ein Totschläger sein könnte.
Die Normverletzung ist die gleiche, denn das Opfer ist in beiden Fällen tot.

Außer Mord oder Totschlag, gäbe es noch Körperverletzung mit Todesfolge. Auch in dieser Unterscheidung ist das Opfer tot.

Die Politik erläßt Gesetze, deren Funktion ist es das Zusammenleben in der Gesellschaft zu regeln.
Mit der Konsequenz, dass sich der Bürger gesetzeskonform oder gesetzwidrig verhält, nicht aber gemäß seinem freien Willen.

Was uns wieder zu Mord und Totschlag führt, denn im Fall von Notwehr ist das Opfer hernach ebenso tot, aber es fehlt die Straftat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?