Gehören Tupperwarenparties rechtlich zu den Haustürgeschäften?

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6 Antworten

Hallo,

ja ! - Tupper, Pierre Lang, Party Lite, Dessous usw. gehören zu der Rubrik Direktvertrieb. Ich bin im Direktvertrieb tätig. Man muss ein Kleingewerbe anmelden, und dann geht´s los. Die Ware wird an den Abenden / Party ja nur vorgeführt, ein sofortiger Kauf ist nicht möglich. Die Ware wird dann extra für den Kunden/Käufer (passend in Größe, Länge und Farbe usw) bestellt. Erst dann erfolgt die Zahlung bei Übergabe der Ware. Ich gehe aber nur zu den Menschen, die mich auch eingeladen/bestellt haben. Von den Türverkäufern möchte ich mich daher schon distanzieren. Ich dränge mich nicht auf, und blockiere auch nicht mit meinem Fuss die Haustür, wenn jemand gar nicht an meiner Ware interessiert ist ...

Wollen diese Frage mal etwas juristischer sehen: Es kommt darauf an, ob der Kauf auf der Tupperparty gemäß § 312 BGB „anlässlich einer vom Unternehmer oder einem Dritten zumindest auch im Interesse des Unternehmers durchgeführten Freizeitveranstaltung“ stattgefunden hat. Wenn dem so ist hast du ein Haustürwiderrufsrecht sonst nicht. Die Veranstaltung (egal von wem sie durchgeführt wurde) war jedenfalls im Interesse des Unternehmers (Tupperverkäufers). Fraglich ist allein, ob es sich um eine Freizeitveranstaltung (= Widerrufsrecht) oder um eine Verkaufsveranstaltung (= kein Widerrufsrecht) handelt. Dabei kommt es auf die Sicht des typischen Besuchers der Veranstaltung an. Wurde die Veranstaltung von allen besucht, weil sie kaufen wollen (dann Verkaufsveranstaltung) oder weil sie die Freizeit in angenehmer Runde verbringen wollen (dann Freizeitveranstaltung). Die Rechtsprechung stellt auf unterschiedliche Kriterien ab. So spricht eine Bezeichnung als Verkaufsveranstaltung in einem Flyer eher für eine Verkaufsveranstaltung, dies ist aber nicht zwingend. Andererseits sind Veranstaltungen, bei welchen eine Bewirtung kostenlos gewährt wird, in der Regel als Freizeitveranstaltungen anzusehen.

Es kommt also auf die näheren Umstände an wobei ich eher zu einer Freizeitveranstaltung und einem Widerrufsrecht tendiere.

Soweit ich das verstehe, ist der Fall eine Tupperparty im Bezug zu Haustürgeschäft zumindest im Graubereich. Denn zur Definition eines Haustürgeschäftes gehört u.a. dass der Besuch unangemeldet erfolgt ist;

http://de.wikipedia.org/wiki/Haust%C3%BCrgesch%C3%A4ft

Bei einer Tupperparty kann man folglich nicht von unangemeldetem Besuch sprechen und damit auch nicht von einer Überrumpelung.

Eventuell ist ja noch ein Jurist unter uns und kann das genau aufklären - würde mich selber sehr interessieren - Gute Frage;-) Jedefalls scheint Indy72 da nicht ganz richtig zu liegen mit seiner Antwort.

warrenbuffet

Ich war kurzzeitig selbst Tupperberaterin im letzten Jahr und muß jetzt mal kurz nachdenken! Du gehst zu einer Party und bestellst Dir etwas! Du wirst vorort beraten, Du kannst Fragen stellen....Du bist nicht verpflichtet zu kaufen! Natürlich freut sich die "Tupper-Tante" und die Gastgeberin! ;-) Die von Dir bestellte Ware wird nach ca. 1 Woche eher knapp 2 Wochen, an Deine Gastgeberin geliefert!! Du hattest jetzt schon reichlich Zeit, Dir Gedanken zu machen, ob Du die Ware noch haben möchtest! Sei es, Du hast zuviel bestellt = zu teuer ;-) oder Du hast gemerkt, Du brauchst den/die Artikel gar nicht!! Dann kannst Du das der Gastgeberin sagen und brauchst nicht zu bezahlen!! Die Ware geht zurück an Tupper!! - Anderer Fall: Du nimmst die Ware nun an, gibst der Gastgeberin das Geld (welches sie dann an die Beraterin weiterleitet) ......in diesem Augenblick sehe ich keinen Grund, die Ware nicht zu behalten?! Allerdings gibt es ja auch das Umtauschrecht bei Tupper, 30 Jahre Garantie usw.!!

§ 312 Abs. 1 S. 1 BGB: "Bei einem Vertrag zwischen einem Unternehmer und einem Verbraucher, ... zu dessen Abschluss der Verbraucher durch mündliche Verhandlungen ... im Bereich einer Privatwohnung bestimmt worden ist (Haustürgeschäft), steht dem Verbraucher ein Widerrufsrecht ... zu."

Wer zu einer Verkaufsparty in eine fremde Privatwohnung geht und dort zum Kauf überredet wird, hat ein Widerrufsrecht. So hat es der Bundesgerichtshof 2004 entschieden. Wer sich den Tupperware-Vertreter in sein Haus bzw. in die Wohnung bestellt, kann je nach den Umständen des Einzelfalles mglw. kein Widerrufsrecht haben. Wie lang die Widerrufsfrist ist, hängt ab, ob und wann die Widerrufsbelehrung erfolgt ist.

Interessante Frage!

Ich tendiere hier eher zu nein. Ein Haustürgeschäft hat ja nicht stattgefunden.

Bei diesen Tupperparties handelt es sich um Verkaufsveranstaltungen ausser Haus, zu denen man freiwillig hingeht.

Der Begriff Haustürgeschäftr ist ein juristischer Sammelbegriff, welcher weit mehr als Geschäfte an der Haustür erfasst. Typischerweise werden z.B. auch Kaffeefahrten, Verträge auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln erfasst.

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Nicht ganz, @Bedburdyck. Verkaufspartys in Privatwohnungen können auch "Haustürsituationen" sein und ein Widerrufsrecht begründen.

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