Gegenspieler des Gewissens?

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6 Antworten

Der "Gehorsam gegenüber Autoritäten". Ein angeblicher Wissenschaftler verlangt etwas von mir, ich brauche mein Gewissen nicht zu befragen, denn augenscheinlich hat der "Statushöhere" die Verantwortung. Viele haben sich nach den NS-Verbrechen auf "Befehlsnotstand" berufen, also, dass sie gegen ihre innere Überzeugung Befehlen gehorcdhen mussten.

Schoklimaster 17.10.2012, 16:27

Also ist bei dem Milgram-Experiment der Versuchsleiter der Gegenspieler des Gewissens ?

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Schuhu 17.10.2012, 16:41
@Schoklimaster

"Gegenspieler" würde ich es nicht nennen, denn kaum einer der Probanden hat überhaupt sein Gewissen befragt. Sie haben von einer scheinbaren Autorität Anweisungen bekommen und haben diese, unter Umgehung eigener Überlegungen, befolgt. Da, wo die Probanden nachgefragt haben, und explizit aufgefordert wurden, weiterzumachen, kann man vielleicht von "Gegenspieler" sprechen.

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Claud18 17.10.2012, 18:39
@Schuhu

Hier noch ein Zusatz: Das Milgram-Experiment wurde durchgeführt, weil man wissen wollte, wieso ganz normale Männer und freundliche Familienväter in der NS-Zeit zu Massenmördern mutieren konnten. Man hat festgestellt, dass die Autorität bei ihnen letztendlich über das Gewissen siegte.

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Der Gegenspieler ist die Autorität (hier in der Person des Übungsleiters), an die man die Verantwortung delegiert.

Aber du solltest auch nicht davon ausgehen, dass dir das Gewissen das Töten verbietet. Das tut es bei dir, weil du so erzogen bist. Bist du dagegen so erzogen, dass du unbedingten Gehorsam gegenüber Autoritäten leisten musst, wirst du ohne zu zögern auch die schlimmsten Schandtaten begehen, wenn sie dir befohlen werden.

Fazit: Das Gewissen ist dressierbar. Wichtiger wäre es, das Augenmerk auf das menschliche Mitgefühl zu legen und sich zu fragen, warum es bei so vielen Probanden nicht zum Zuge kam. Darauf habe ich auch keine Antwort.

Naja, ich denke die "Gegenspieler" sind ganz einfach die Fragen, die sich ein Mensch ständig (auch eben unbewusst) stellt... Was wäre, wenn ich einen Menschen töten würde? Was wäre, wenn ich einfach eine Bank ausraube und mit dem Geld das Leben zu genießen (wenn das überhaupt geht...)? Ein paar Dinge werden manche nicht tun, (wie z.B. töten) weil sie ganz genau wissen, dass sie so nicht leben wollen bzw. sie im Unterbewusstsein wissen, dass es einfach nicht korrekt ist... Ich denke, dass sich die Fragen alle um den Sinn des Lebens dreht...

Etwas tiefgründiger: Auf der Erde dreht sich alles ums Leben (Tiere, Pflanzen, Menschen...). Ohne Leben wären wir nicht hier... Deshalb ist es einfach logisch, dass das Töten nicht korrekt ist... Menschen die ihr "Gewissen" unterdrücken, wären durchaus in der Lage zu töten. Doch das wird sie später, wenn sie nach dem Sinn des Lebens weitersuchen, auffressen...

LG Nice0ne

Ein Gewissen setzt denken voraus. Wenn ich etwas mache,weil es mir befohlen wird,muss ich nicht über die Konsequenzen nachdenken. Warum auch. Ich habe ja nichts gemacht,sondern nur den Befehl ausgeführt. Obrigkeitshörig nennt man das. Ich glaube nicht,dass es einen Gegenspieler des Gewissens gibt. Höchstens die Abwesenheit des Gewissens.

Das Milgram Experiment belegt ja gerade, dass es sich bei solchen Situationen NICHT um ein Korrelat von Peresönlichkeitsfaktoren (also auch nicht "Gewissen") handelt, was diese Verhaltensweisen erklärt, sondern über die Situation als solche.

Die Aussage ist, dass jeder Mensch unter bestimmten Situationsbedingungen sich gleich verhält, egal wie moralisch er ist. Diese Faktoren spielen dann erst NACH der Situation (bei Milgram dem Zufügen von Elektroschocks) eine Rolle, z.B. dahin gehend, wie sehr Schuldgefühle vorherrschen oder wie stark dann Möglichkeiten zur Abwehr, insbes. Rationalisierung, Projektion usw. bestehen.

Das gleiche Ergebnis liefert das Stanford Prison Experiement von Zimbardo. Ausschlaggebend für das gezeigte Verhalten der Probanden war die Zuteilung zur jeweiligen Experiementalgruppe, nicht Faktoren wie z.B. Persönlichkeitsmekrmale.

Ich nehme es so wahr:

Ich gebe meine Verantwortung an den angeblichen Wissenschaftler ab. Das ist der erste Punkt. Der zweite ist, dass ich dann, wenn ich selbst den Weg der Selbsterkenntnis nicht gegangen bin, damit mein Unbewusstes noch nicht erkannt und verstanden habe, auch keine wahre Liebe in mir trage. Wenn ich nicht aus dem Herzen lebe, sind die unbewussten Gedankenkonstrukte stärker als Liebe und Mitgefühl.

Somit würde ich sagen, dass der "Gegenspieler" meine eigenen Schatten sind.

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