Gefühle vs. Verstand - Gewissenskonflikt und falsche L(i)ebensweise?

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2 Antworten

Also ich kann Dir sagen, warum er das macht, ob nun bewusst oder unbewusst:

Es gibt heutzutage einen kleinen »Trend«, die doch sehr von der Kirche geprägte partnerschaftliche Zweierbeziehung, »Mann/ Frau für's Leben« etc. entgegen zu wirken. Ich zähle mich da auch darunter und ticke da ähnlich Deines Freundes Tim.

Es geht vor allen Dingen darum, sich von der klassischen Bindung zu lösen, aber trotzdem sowohl emotionale als auch sexuelle Nähe auszuleben. Außerdem wird häufig nicht mehr zwischen Beziehung und Freundschaft unterschieden, denn letztendlich ist doch eine Freundschaft auch eine Form der zwischenmenschlichen Beziehung. Dabei ist es eigentlich unwichtig, ob es mit einer oder mehreren Personen läuft.

Bei einer klassischen Partnerschaft geht es häufig irgendwann nur noch um Besitzdenken. Vielleicht bekommt das der Eine oder Andere auch gar nicht mit. Aber wenn Du mit jemanden zusammen bist, sendest Du unbewusst und bewusst Signale nach außen: »Er ist meiner!« Eifersucht entsteht daraus, dass man die Möglichkeit sieht, diesen »Besitz« zu verlieren.

Warum also nicht einfach eine lockere Freundschaft haben, in der man sowohl seine emotionalen als auch seine physischen Bedürfnisse stillen kann? In dem man einfach so sein kann, wie man ist und auch das machen kann, was man gerne möchte - natürlich nur sofern der Andere ebenfalls Lust darauf hat.

Das ist nicht wirklich »Freundschaft Plus«, denn dabei geht es ja eher darum, dass man unabhängig von irgendwelchen Emotionen auch den körperlichen Akt ausleben kann. Und es ist auch nicht wirklich »Polyamorie«, bei dem man ja quasi mehrere enge Partnerschaften eingeht. Es liegt irgendwo dazwischen.

Dabei ist das Verlieben und auch die Liebe überhaupt kein Problem. Du kannst in ihn verliebt sein, Schmetterlinge im Bauch haben oder ihn sogar über alles lieben. Deine beste Freundin liebst Du ja auch ;) Das »No-Go« ist aber, sich an ihn zu klammern und ihn als Besitz zu sehen, ihn für Dich ganz für Dich allein haben zu wollen und die vielen Zwänge auszuüben, die eine klassische Partnerschaft mit sich bringt.

Üblicherweise passt das natürlich am besten zwischen zwei, drei, vier... Menschen, die ähnlich darüber denken, denn früher oder später - wie man ja bei Dir schon sieht - setzt sonst eben dieses Besitzdenken ein. Wenn Du einen »Mann für's Leben« suchst, ist er definitiv nichts für Dich.

Aber da alles kann, aber nichts muss, musst Du auch gar nicht einen Schnitt machen und den Kontakt abbrechen. Du musst ja nicht mit ihm schlafen. Also wenn Du ihn als »Kumpel« nicht verlieren möchtest, begrenzt Du Eure Beziehung eben genau auf dieses »Kumpel sein«.

Wenn die Dinge gut abgesprochen sind, kannst Du eigentlich gar nicht verletzt werden. Denn Du weißt ja, worauf Du Dich eingelassen hast. Und wenn Du ihn jetzt als Kumpel »behältst« und Dich doch Hals über Kopf verliebst, dann sei Dir bewusst, dass er für Dich da sein wird und Du seine Nähe durchaus genießen kannst. Du kannst ihn nur nicht für Dich allein haben.

Sofakissen4 02.02.2015, 12:56

Ich mag es selber nicht, wenn jemand meint "Du gehörst mir. Andere Jungen darfst du nicht ansehen, könntest dich ja verlieben." Das habe ich schon hinter mir. Ich weiß auch, dass sowas schlecht ist, da ich ja keinen solchen Anspruch auf jemanden habe.

Vielen Dank für deine Antwort (: Da waren sehr viele Parallelen, auch das mit der Kirche. Das ist mir garnicht aufgefallen, dass das so sein könnte.

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Tja, du wirst dich entscheiden müssen, da du mit der jetzigen Situation nicht glücklich bist. Lass Tim laufen und trauere nicht um ihn, sein Lebensstil zeugt von (zu) viel Egoismus und passt nicht zu deinem. Alles Gute für dich.

Sofakissen4 02.02.2015, 12:17

Aber als "reiner" Kumpel ist er einfach perfekt...

Danke!

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