Gebung von Aspirin bei Verdacht auf Herzinfarkt?

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9 Antworten

Acetylsalicylsäure (ASS) ist der Wirkstoff der sich in gut 40 in D zugelassenen Medikamenten findet. ob das Ding als Aspirin geschluckt oder im Notfall als Aspisol gespritz wird macht also nur Unterschiede in der Wirkzeit.

Nebst seinen bekannten Wirkungen ist ASS ein potenter Thrombozyten-Aggregations-Hemmer. Die für die Gerinnung zustänigen Blutplättchen (Thrombozyten) werden ihrer Fähigkeit zum "aneinanderpappen" beraubt. Das bedeutet vereinfacht Gerinnungshemmung oder noch Laienhafter ausgedrückt "Blutverdünnung".

Bei einem "verpappten" Herzkranzgefäß fließt Blut schlecht bis gar nicht mehr durch diese Engstelle und noch mehr Thrombozyten machen noch mehr Verschluß.

Dieser zusätzlichen "Verstopfung" kann ASS Einhalt gebieten.

Tatsächlich wird von vielen anerkannten Fachgesellschaften daher bei Symptomen eines Herzinfarktes die Verabreichung "einer Tablette Aspirin" auch durch den Laienhelfer empfohlen.

Die gewünschte Wirkung tritt allerdings erst nach gut 20 min. ein.
Bei der "Tablette" kommt hierzu noch die Zeit, die der Wirkstoff braucht um seinen Weg durch das Verdauungssystem in den Kreislauf zu finden.

Unter normalen Umständen (in der Zivilisation) würde also eine orale Aufname erst dann wirken, wenn der Pat. schon lange im Krankenhaus behandelt wäre.

Eine "Aspirin beim Infarktverdacht" im Rahmen der Ersten Hilfe macht also nur da Sinn, wo mit dem Eintreffen des Rettungsdienstes nicht so schnell zu rechnen ist (Beim Bergsteigen, im unterversorgten Ausland oder sontstwo "in der Pampa"

Viel wichtiger:
Bei plötzlichem Schmerz / Druck / Engegefühl im Brustbereich, Atemnot, Blässe und Schweißausbruch sofort den Rettungsdienst alarmieren (Notruf 112) und den Pat. bis zum Eintreffen beruhigen und richtig lagern (Oberkörper hoch - Beine runter).

Nein, das solltest du keinesfalls tun.

Aspirin gehört zwar zu den Notfallmedikamenten, die der Notarzt bei einem Herzinfarkt verabreicht, aber du solltest nicht zu selbstständiger Einnahme raten.

Der Notarzt wird ASS intravenös verabreichen, somit ist es 15 Minuten nach deinem Anruf im Kreislauf verteilt. Das, was du vorher oral geben willst, schwimmt zu dem Zeitpunkt immer noch im Magen rum. Das ist abhängig von der letzten Mahlzeit.

Du rufst einfach den Rettungsdienst, bleibst bei dem kranken Menschen und bereitest dich in Gedanken auf eine Reanimation vor. Geh nochmal den Reanimationsrhythmus durch (30:2), hol eventuell noch eine zweite Person in Standby. Damit bist du dann in den verbleibenden 10 Minuten vollständig ausgelastet.

Also endlich eine konkrete Antwort auf deine Frage:

  • Ja, rein rechtlich DARFST du natürlich als Laie EMPFEHLUNGEN geben -- und genau das war ja die Frage. Es gibt kein Gesetz dagegen, als Laie irgendwelche Ratschläge zu geben.
  • Sinnvoll ist es aber nicht! Sollte wirklich der konkrete Verdacht auf einen Herzinfarkt bestehen, dann sollte man sofort den Notarzt rufen und dem nicht mit irgendwelchen selbstverordneten Medikamenten in sein Handwerk pfuschen.

Als Laie solltest du einem gefährdeten Menschen ÜBERHAUPT nichts geben.

Wie willst du Nebenwirkungen erkennen und was dagegen tun?

Wer Symptome eines Herzinfarktes hat, sollte UNVERZÜGLICH ins Krankenhaus.

Aspirin und ASS haben zwar den selben Wirkstoff. Die Dosis ist aber so unterschiedlich, dass man die "blutverdünnende" Wirkung von Aspirin eigentlich ignorieren kann.

Es würde also gar nichts bringen und das ganze nur verzögern.

Und selbstverständlich musst du trotz Notfallmaßnahmen den RTW rufen. Ohne entsprechende Diagnose weiß man ja auch nicht, ob der Herzinfarkt ischämisch oder hämorhagisch ist. Entsprechend hilft Blutverdünnung oder es schadet auch nicht mehr, hilft aber auch nicht.

Notärzte geben bei den meisten Fällen bei Verdacht auf einen Herzinfarkt Aspirin

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@LimoZitrone4K

Nein, wie schon gesagt, geben sie ASS.

Beides hat den Wirkstoff Acetylsalinsäure. Trotzdem ist Apsirin (schmerzmedikament) und ASS ("Blutverdünner") etwas völlig anderes.

ASS hilft erstmal, wenn es ein ischämischer Infarkt ist. Man kann quasi Zeit gewinnen bis zur eigentlichen Therapie.

Bei einem hämorrhagischen Infarkt, wenn eh alles blutet, macht es keinen weiteren Schaden. Kann aber natürlich auch nicht helfen.

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@Rendric: Das ist alles Mumpitz, sorry das so deutlich zu sagen.

Acetylsalicylsäure wird unter zahlreichen Markennamen vertrieben, unter anderem eben dem Klassiker Aspirin und zahlreichen Generika-Marken mit dem Bestandteil "ASS" im Namen.

Über die Dosis sagen diese Namen rein gar nichts aus und fast alle ASS-Generika sind inhaltlich mit Aspirin so ähnlich, dass keine Unterscheidung sinnvoll ist. 

Die Rote Liste führt derzeit 43 Präparate mit Acetylsalicylsäure, als Mono-Wirkstoff ebenso wie etliche Kombiwirkstoffe.

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Aspirin verfügt über eine Blut verdünnende Wirkung.

Allerdings kann diese Person auch einfach einen Arzt fragen. Denn letztendlich muss ja eine Diagnose her.

LG 

Thus 

Bei einem Herzinfarkt sollte man keine Zeit verschwenden, außerdem herscht ein Notärztemangel, also fürs Fragen bleibt wenig Zeit.

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@LimoZitrone4K

Laien sollten vor allem keinen Unsinn machen. Der Rettungsdienst ist gut organisiert. Bevor du dir über Medikamente Gedanken machst, übe lieber nochmal den Einsatz eines automatischen externen Defibrillators (AED). Der ist im Notfall tatsächlich extrem zeitkritisch einzusetzen. Ob das ASS 5 Minuten früher oder später kommt, ist wurscht.

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Ich würde gerne wissen, wie man den AED üben soll und warum man den überhaupt üben sollte

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@LimoZitrone4K

Dazu gibts im Netz genügend Informationen.

Die Hilfsorganisationen und bieten Schulungskurse für AEDs an.

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Du solltest der Person raten umgehend einen Arzt zu konsultieren.

Empfehlen kann man alles...nur ob es Sinn macht das steht woanders geschrieben.

Aber bei typischen Herzinfarktsymptomen sollte man sofort den Notarzt rufen.

Auch bei Angina pectoris ( welche kein Herzinfarkt ist- aber dazu führen kann),

gibt es einiges zu beachten:

-Oberbekleidung lockern

- aufrechte Sitzhaltung

- Fenster öffnen für Frischluftzufuhr

- Betroffenenen beruhigen und nicht alleine lassen

- falls vorhanden Nitrospray verabreichen

und dann noch den Notarzt rufen, um abzuklären ob nicht doch ein Herzinfarkt vorliegt. 

Mit ASS ist in solchen Situationen nicht geholfen.

Alles andere, bei nicht akuten Situationen, verschreibt der Arzt, als Prophylaxe sozusagen. Aber darum geht es bei solchen Symptomen nicht. Da muß die "Normalperson" zum Telefon greifen..

1. Angina Pectoris führt nicht zu einem Herzinfarkt sondern resultiert daraus 2. Warum soll Nitrospray helfen, aber Aspirin nicht? Nitroglycerin erweitert die Blutgefäße, Aspirin verdünnt das Blut

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@LimoZitrone4K

Bei Angina Pectoris kommt es zu einer Mangeldurchblutung des Herzens und der damit verundenenen schlechteren Sauerstoffversorgng. und beim Herzinfarkt ist es der Verschluß des Herzkranzgefäßes und ein Teil des Herzmuskels wird gar nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.

Natürlich kann Angina Pectoris ein Vorbote sein und es sind einige Maßnahmen gefragt, um dem Herzinfarkt vorzubeugen. Aber Angina Pectoris resultiert nicht aus dem Herzinfarkt.

Nitrospray ist ein Notfallmedikament welches SOFORT hilft.

Im akuten Fall hilft es ncht eine Tablette ASS zu schlucken, da es viel zu lange dauert bis es wirkt.

Was der Notarzt intravenös verabreicht ist eine andere Sache, denn auch das wirkt sofort.

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@LimoZitrone4K

Die Wirkmechanismen von Nitraten und Thrombozytenaggregationshemmern wie ASS sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können.

Aspirin "verdünnt" das Blut nicht im eigentlichen Sinne. Es hemmt die "zellbasierte Pfropfbildung". Auf die plasmatische Gerinnung hat ASS primär keinen Einfluss.

Wenn du das alles verstehen willst, musst du dich intensiv mit der
Blutphysiologie und dem Einfluss von Medikamenten darauf
auseinandersetzen. Das ist nicht in drei Sätzen erklärt.

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Und was sollte das bissel Asperin bringen Dr. House?

Ersetzt Asperin jetzt schon Alupent+Paspertin+Heparin und im Zweifel ne Lyse?

Im Zweifel 112 wählen. 

Bei deiner Akutmedikation ist aber einiges durcheinandergeraten. :-)))

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Aspirin hat eine blutverdünnende Wirkung und wird in den meisten Fällen bei Verdacht auf Herzinfarkt von einem Notarzt gegeben

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@LimoZitrone4K

Nein, ist eine gängige Standardmedikamention. 

Heparin zum Blutverdünnen

Alupent ist immer noch eins der zuverlässigsten Mittel gegen eine Bradykardie

Paspertin wird provisorisch gegen Übelkeit gegeben

Die Lyse erfolgt im Krankenhaus, es sei denn der NA traut sich das vor Ort zu, ...

Ist ne Weile her, dass ich im Rettungsdienst bzw. der Notfallmedizin gearbeitet habe. Würde mich aber wundern, wenn sich das seit meinem Studium komplett geändert hat, wobei hier wohl jeder ein bisschen anders vorgeht. 

War auch eher als BSP gedacht, dass hier mehr als nur ASS von nöten ist ;)

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@chongzi

Eine Lyse wird laut Leitlinie nur noch bei Nichterreichbarkeit eines HKL durchgeführt.

Mir fehlten auch eher die Standardmedikamente:

Opiat, Benzodiazepin und ggf. Nitrat. Plus preload mit ASS und Heparin.

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@LouPing

Benzos? Bei dem Risiko dass der Blutdruck in den Keller geht? Nitrat okay, weitet die Gefäße, wirkt ähnlich wie Alupent. 

Hab aus Neugier mal gegeuckt. 

Orciprenalin nicht mehr als Antiarrhythmikum zugelassen

... seit 2013 anscheinend, ... wie gesagt ist bei mir einiges her, glaub das letzte Mal Notfallmedizin und RTW/NEF Einsätze 2007/8.

Ob nun ASS oder Heparin, oder beides ist auch relativ wumpe. Auf jeden Fall sinniger als Asperin 😂😂

Aber wie gesagt, sollte eher aufzeigen, dass mehr dazu gehört bei nem Myokardinfarkt als nen paar Asperin mit blutverdünnender Wirkung 😉

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@chongzi

10 Jahre sind lang. :-)

Morphin und Benzodiazepin werden bei geeigenten Patienten gegeben, um prä- und innerklinisch den mykardialen O2-Verbrauch zu senken.

Nitrate und Alupent sind aber nicht wirkungsgleich. Orciprenalin wirkt über beta-Rezeptoren auf die Herzfrequenz und Schlagkraft (beta-1) und vasodilatatorisch in der glatten Bronchialmuskulatur und den Koronarien (beta-2).

Nitrate wirken über die NO-Abgabe direkt unselektiv am Endothel und fördern darüber auch venöses Pooling. So erklärt sich auch der starke Blutdruckabfall bei Gabe von Nitroglycerin.

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