Gebrauchtwagenkauf beim Händler: Garantie, Gewährleistung vs. nichtiger Passus?

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1 Antwort

Egal was im Vertrag steht, du hast folgendes:

12 Monate Gewährleistung, nach 6 Monaten jedoch Beweislastumkehr. Sprich: Du musst (mit einem Gutachter) beweisen können, dass der Mangel schon beim Kauf vorhanden war.

Daraus resultiert: 6 Monate Gewährleistungspflicht für den Händler, danach lohnt es sich nur dann mit einem Gutachter vorzugehen wenn der Schaden entsprechend teuer ist.

Garantie ist eine freiwillige (!) Leistung - oder eine Versicherung, welche beim Gebrauchtwagen bezahlt werden muss. Entweder weil man schön jeden Stempel im Serviceheft holt oder aber weil man eine zusätzliche Gebrauchtwagengarantie abschießt (als Versicherung).

Diese Versicherungen übernehmen bei höherem Alter und/oder höherer Laufleistung nur noch teilweise die Kosten für Reparaturen. Beispielsweise nur noch 20% vom Material und 0% der Arbeitszeit bei einem Kupplungsschaden. Wenn du für so eine Versicherung für ein Jahr 400 Euro bezahlst -> kannst du es gleich bleiben lassen.

An solchen Versicherungen verdienen nur zwei Institutionen: Die Versicherung (weil sie fast nichts bezahlen muss) und der Händler (Vermittlungsprovision).
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Was ich machen würde:

Anschauen. Gefällt mir das Fahrzeug mit der gesetzlichen Gewährleistung kaufen und fertig. Reparaturen in der freien Werkstatt deines Vertrauens machen lassen.

Vorher noch rausfinden ob z.B. der Zahnriemen noch der erste ist (dann wäre er zu 100% fällig).

Verschleißschäden können vom Verkäufer ausgeschlossen werden. So gibt es keine Gewährleistung auf Bremsen, Kupplung, Riemen, etc. Anders sieht es aus bei verschwiegenen (auch unbekannten) Unfallschäden. Er ist Fachhändler -> muss entsprechend prüfen. Wenn das Ding einen schlecht reparierten Rahmenschaden hatte, kann er sich nicht entziehen. Außer er hat ihn angegeben (Fahrzeug als Unfallfahrzeug deklariert).

Was für ein Fahrzeug ist es denn - und welche Motorisierung hat es?

Hallo Gaskutscher,

danke für die ausführliche Antwort, die mich doch ziemlich beruhigt :).
Reparaturen, ich hätte ja gerne erstmal keine! Ich kaufe ja kein (neues gebrauchtes) Auto um dann gleich Großkunde in der Werktatt zu werden. Verschleißteile ist klar und das ist ja auch alles durchgecheckt. Er bekommt mit der Inspektion jetzt auf jeden Fall noch Ölwechsel mit Filter, Luftfilter und Bremsflüssigkeitswechsel! Darauf hab ich bestanden.
Bremsbeläge vorne sehen noch gut aus (gehen noch über 10.000km), Trommel hinten nicht beurteilbar. Aber letzter Tüv vor nem halben Jahr war komplett ohne Mängel/Beanstandungen.
Zahnriemen wurde vor 20.000 km gemacht.

Abgesprochen ist derzeit, dass ich in 6 Monaten, spätestens aber einen Tag vor Ablauf der ersten 6 Monate eine Garantie abschließe und zwar bekomme ich die für 122 Euro ein Jahr über diesen Verein hier: http://www.garantie-service-gmbh.de/
Ich habe dazu auch einen Infoflyer vom Verkäufer erhalten und das sieht alles sehr gut aus, da habe ich ein gutes Gefühl.

Der Wagen hatte mal nen kleinen Unfall, aber definitiv kein Unfallwagen, da nur bissl Plastik getauscht werden musste. Und die schicken "angeblich" jeden Unfaller dann zu Dekra zum Durchchecken. Dieser Wagen wurde explizit als unfallfrei verkauft, ich habe auch die Anzeige von mobil.de Offline gespeichert!

Im Vertrag steht natürlich, dass explizit keine mündlichen Vereinbarungen gelten und im Inserat können Fehler enthalten sein...

Also aber Fazit: Egal was sonst so im Vertrag steht an "Ausschluß" um die 6 Monate Gewährleistung ohne Beweis meinerseits kommt er nicht rum und wenn ich dann kurz vor Ablauf noch ein Jahr Garantie abschließe wäre ich erstmal soweit es geht auf der sicheren Seite!?

Ach so und es ist ein Seat Ibiza Signo - 1,4 Liter

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@gowenna

um die 6 Monate Gewährleistung ohne Beweis meinerseits kommt er nicht rum

Das vielleicht nicht. Aber die gesetzl. Sachmängelhaftung ist keine All-Inclusive-Garantie, wie Du es Dir vielleicht vorstellst oder gerne hättest.
Es kann durchaus sein, dass das Auto einen Defekt (der nichts mit Verschleiss zu tun hat) haben wird, auf dem Du sitzen bleiben wirst. Der Verkäufer muss 'einfach' nur beweisen, das der Fehler bei Übergabe des Fahrzeuges noch nicht vorhanden war. Man sagt allgemein, dass das recht schwer sei. So schwer ist das aber auch wieder nicht.

Man kann vereinfacht sagen: Je älter das Auto, je höher seine Laufleistungt und je niedriger der Preis, desto wertloser ist diese Gewährleistung.
Und mit einem 13 Jahre alten Auto für 2500 bist Du eventuell schon im Was-erwarten-Sie-denn-eigentilch?-Bereich. 

wenn ich dann kurz vor Ablauf noch ein Jahr Garantie abschließe wäre ich erstmal soweit es geht auf der sicheren Seite!?

Du schliesst keine Garantie mit dem Händler ab, sondern bei irgendeiner Gebrauchtwagen-Garantieversicherung. Das ist einfach nur eine Versicherung. Wie Du vielleicht weisst, müssen Versicherungen nicht jedes Wagnis versichern oder es werden im Schadenfall Eigenbeteiligungen zahlbar. Es kann auch sein, dass das Auto sich aufgrund seines Alters gar nicht mehr versichern lässt, zumindest nicht bei allen Garantieanbietern. 

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@gowenna

Der Seat Ibiza Signo - 1,4 Liter hat den gleichen Motor wie mein Golf V. Zahnriemenwechsel -> rund 700 Euro. Zwei Riemen müssen getauscht werden, die Arbeiten am Motor sind zeitaufwändig.

Daher schon mal auf der Habenseite das dies erledigt ist.

Anzeige bei mobile.de

Du hast einen Vertrag unterschieben. Der ist ausschlaggebend. Bei mobile.de könnte eine falsche Angabe gemacht worden sein oder das Fahrzeug wurde z.B. nach dem Erstellen der Anzeige bei einer Probefahrt beschädigt und dann entsprechend verkauft - was im Kaufvertrag steht.

Screenshots von Anzeigen sind kein Beweismittel wenn es einen Vertrag gibt. Was dort steht ist bindend. Darum ja auch der Hinweis von wegen Inserat kann Fehler beinhalten.

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@godlikegenius

Hallo Paskavittu, die Versicherung würde ich dann angeblich noch bekommen, das hatte der Verkäufer extra auch alles nachgerechnet. Nur eine 2 jährige würde ich nicht mehr bekommen.
Vertragsgespräch habe ich dann ja noch Zeugen, nichts desto trotz will ich ja einfach dem ganzen vorbeugen, ich kann es mir einfach partout nicht leisten auch nur irgendwelchen Ärger zu haben, dass der Wagen nur in der Werkstatt steht und man sich noch um die Kosten kloppt, geschweige denn in ein Fass ohne Boden  zu investieren, herrje deshalb kauft man doch ein "neueres" Auto (als das bisherige...) 13 Jahre mit 90k gelaufen ist nun auch nicht wirklich alt...normalerweise müsste ich da noch einige Jahre was von haben, nur frag ich mich gerade ob man privat nicht doch bessere Geschäfte machen kann als mit Händlern, die sich später aus allem raus reden werden?

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@Gaskutscher

Hi Kutscher,

da achte ich immer drauf, Zahnriemen, ist das erste was ich frage, wenn es nicht gleich da steht. Ansonsten hätte ich vorab auf wechsel bestanden, aber das ist defintiv gemacht worden, hat auch meine Werkstatt bestätigt.

Aber nochmal, "ich" habe den Vertrag ja gar nicht unterschrieben!

Dass es kein Unfallwagen ist hätte explizit jetzt auch nochmal im Vertrag stehen müssen?

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@gowenna

Es zählt was geschrieben ist - im Vertrag.

Was davor gesprochen oder in irgendwelchen Anzeigen war -> nicht rechtsverbindlich.

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