geben schiedsrichter gerne rote karten?

6 Antworten

Als langjähriger Vertreter dieser Zunft, von mir ein klares nein. Kein Schiedsrichter geht leichtfertig mit dieser Disziplinarstrafe um, die nach dem Spielabbruch quasi das "schärfste Schwert" eines Schiedsrichters ist.

Die Wirkung im Spiel:

Vordergründig mag es vielleicht so aussehen, jedoch bedeutet der "Feldverweis auf Dauer" (Kurzform FaD - das ist der Fachbegriff für die im allgemeinem Sprachgebrauch übliche "Rote Karte") einen erheblichen Stressfaktor für den Schiedsrichter.

Er ist alleine gegen 22 Spieler und hat davon mindestens die Hälfte gegen sich. Von dem von Aussen hereingetragenen Stress durch Trainer und Zuschauer ganz zu schweigen.

Der FaD gehört zu den spielentscheidenden Disziplinarstrafen und erzeugt meist in folge mehr Stress auf dem Spielfeld und im Zuschauerbereich. Besonders dann, wenn sich die betroffene Mannschaft auch noch (subjektiv) ungerecht behandelt fühlt.

Wer den FaD zum Zwecke des Machtmissbrauchs einsetzt wird hier auch bei denjenigen, die den FaD nicht durch die Vereinsbrille üblicher Weise als unberechtigt betrachten auf wenig Verständniss stossen.

Nur wenn der FaD regelkonform und regeltechnisch nachvollziehbar eingesetzt wird zeigt er auch entsprechende Wirkung. Das dies naturgemäß von den Betroffenen anders gesehen wird liegt in der Natur der Sache.

Der Aufwand:

Mit dem FaD ist zwar für den Betroffenen das Spiel beendet, für den Schiedrichter aber noch lange nicht. Er muss nicht nur den Unmut der betroffenen Mannschaft bis zum Abpfiff wieder unter Kontrolle bringen.

Er ist auch Verpflichtet über diesen FaD einen Sonderbericht für den Fussball Verband zu fertigen, indem er den Vorgang beschreibt und den FaD begründet. Das bedeutet je nach Art und Umfang des Vorfalles nochmal ein bis zwei Stunden Schreibarbeit am Abend nach dem Spiel (pro Feldverweis).

Darüber hinaus kommt es in den meisten Fällen im Anschluss an einen FaD noch zu einem Sportgerichtsverfahren zu dem der Schiedsrichter ebenfalls zu erscheinen hat und als Zeuge des Vorfalls befragt wird. Dafür darf er sich dann nochmal einen Abend in der Woche an´s Bein binden.

Machtmissbrauch?:

Dieses Wort wird von Unkundigen gerne in den Mund genommen um das Vergehen des betroffenen zu rechtfertigen. Wem die beiden vorstehenden Erklärungen noch nicht ausreichen, der bekommt hier noch eine Regeltechnische Erklärung.

Die Fussball Regeln (Regel 12) geben dem Schiedsdrichter vor, wann ein FaD zu erteilen ist - vielen ist gar nicht bekannt das es soganannte "Pflich FaD´s" und "Pflichverwarnungen" gibt die das Fussball-Regelwerk zwingend vorschreibt.

(hier ein Weiterführender Link http://www.bsa-walddoerfer.de/index.php/component/kunena/dfb-und-uebergeordnete-verbaende/3-regelwerk-ifab-dfb-fuer-die-saison-2017-18)

Das hier dem Schiedsrichter auch mal ein Irrtum unterläuft ist genau so menschlich wie der des Strafstoßschützen der das Tor nicht trifft. Dieser Irrtum ist jedoch wesentlich seltener als der vergeigte 11er.

Ein "Machmissbrauch" fällt beim Fussballverband sofort durch Unstimmigkeiten im Sonderbericht des Schiedsrichters auf (wir haben ja gelernt das der Verpflichtend beim FaD ist) Ist ein Schiedsrichter Beobachter Vorort - und der ist ab bestimmten Spielklassen immer dabei - steht dies auch in seinem Bericht.

Schiedsrichtern, die ihre Disziplinargewalt vorsätzlich missbräuchlich anwenden wird die Lizenz (meist Dauerhaft) entzogen.

Da soetwas sehr schnell auffällt kann sich das kein Schiri erlauben. Vielleicht hilft das dem Betroffenem im aktuellem Spiel nicht weiter wenn er vorzeitig die Dusche aufsucht. Er darf aber darauf vertrauen, das in einem solchem Fall das Spiel möglicher Weise (hängt vom Einzelfall der spielentscheidenden Auswirkung des FaD ab) wiederholt wird und der Schiedsrichter mit empfindlichen Strafen zu rechnen hat.

Es gibt sicher welche, denen das ein Machtgefühl verleiht.

5 Tomaten.

12,5 cm

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@Mv333

Da "genauerkram" mit mehreren Accounts sinnlose Fragen stellt, gebe ich ihm immer Lebensmitteltipps.

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