Gab es Volksstämme, eigene Sprachen und Religionen auch vor Staatsgründungen?

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"Gab es Volksstämme, eigene Sprachen und Religionen auch vor Staatsgründungen?"

Natürlich. Staatsgründungen sind ja eher etwas Neuzeitliches, Menschen gibt es aber schon seit 40.000 Jahren in Europa. Und in Afrika gab es schon vor mehr als 40.000 Jahren Menschen. Und der Mensch spricht schon sehr lange (Schrift kam auch vergleichsweise spät).

Einen nahezu steinzeitlichen Zustand kann man noch auf der Insel Neuguinea beobachten. Dort leben viele Menschen noch in kleinen Stammesverbänden im Urwald. Es gibt über 700 Sprachen, von denen manche nur von 1000 Leuten oder weniger benutzt werden - nur wenige km weiter spricht man vielleicht schon anders. Infrastruktur gibt es zum Teil nicht, Flüsse sind Verkehrswege (man nutzt Boote).

"Als es hinterher zu komplexen, strukturellen und politischen Nationalitäten/Staaten gegründet wurde, mussten die Stammesangehörige ihre Sprache für die neue einheitliche Sprache austauschen, um die neue zu erlernen?"

Es gab in der Geschichte der Menschen sehr oft Sprachwechsel. So brachten die Osmanen die türkische Sprache aus Zentralasien mit. In Kleinasien lebten aber schon zuvor viele Menschen (man sprach Griechisch und andere Sprachen, auch Kurdisch).

Eine relativ kleine (aber einflussreiche) Gruppe von Menschen bestimmte in der Folgezeit die Sprache, und viele Menschen wechselten somit zur türkischen Sprache (bis auf viele Kurden).

Das erklärt zum einen das "europäische" Aussehen vieler Türken (in ihren Abstammungslinien unterscheiden sie sich oft nicht grundlegend von z.B. Griechen) und zum anderen die zentralasiatische Herkunft ihrer Sprache.

Das erklärt zum einen das "europäische" Aussehen vieler Türken (in ihren Abstammungslinien unterscheiden sie sich oft nicht grundlegend von z.B. Griechen) und zum anderen die zentralasiatische Herkunft ihrer Sprache

Welches Aussehens Aussehen ist es denn?Alleine das Gesichtsform/äußerliche widerspiegelt das zusammenbleiben innerhalb eines Staates.

Wieso sehen dann viele Türken und viele deutsche gleich aus? Weil sie sich nur innerhalb des Staates gepaart haben und es in China sogar sowas wie eine Überzüchtung ist. Mit Umwelteinflüssen stimmt nicht zu 100% manchmal so identisch kann keiner Aussehen. Wenn man deutsch oder Türkisch sagt, hat man automatisch ein bestimmtes Bild im Unterbewusstsein oder wie siehst Du es so?

3.Welche Abstammungslinie wäre es zum Beispiel?
Welche Sprachen haben damals die Türken vor den Osmanen denn gesprochen? Wieso hast sich innerhalb der Türkei angepasst (müssten sich Untertan machen) wie die damaligen Griechen, Araben usw. aber nur die Kurden nicht?

Die Türken hatten Einfluss und Macht, weil Atatürk die Türkei „gewonnen“ und das Sagen innerhalb des Landes hatte aber sehr viele traditionellen Kurden können in der Türkei bis heute kein Wort Türkisch? Findest du so eine Abwehrhaltung seitens Kurden gut?

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Hallo JayUniKat,

allgemein gilt in der Anthropologie ein Aufschwung der Religionen als eine Folge der Sesshaftwerdung.

Eine vor kurzem entdeckte sehr große Tempelanlage im Zweistromland hat die Frage aufgeworfen, ob es nicht doch anders herum gewesen sein könnte: Dass das Bedürfnis, eine große Tempelanlage zu schaffen ein Grund für die Ortsgebundenheit der Menschen gewesen ist.

Hier ein Bericht über diesen Fund:

https://mobile.katapult-magazin.de/index.php?mpage=a&l=0&artID=717

Das Ganze würde ich aber noch sehr vorsichtig einordnen. Wie gesagt: Die Befunde sind neu - und inwieweit sich das Geschichtsbild dadurch verändert, ist entsprechend noch offen. Es wird Zeit brauchen, die Anlage sorgfältiger zu prüfen.

Grüße

Ja, man weiß ja von Stonehenge, dass sich dort Menschen von weit her trafen um dort gemeinsam zu feiern oder Rituale abzuhalten.

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Stämme sind im Prinzip auch nur mehrere Familien die sich zusammengefunden haben, z.B. in einer Dorfgemeinschaft. Und dann haben sich auch die Professionen, also Berufe durch Arbeitsteilung gebildet...weil dann die Familie mit besserere Erfahrung in Ackerbau, lieber Bauern waren als Fischer, worin eine andere Familie besser war. Noch heute findet man in Dörfern die mehr unter sich blieben, eigene Mundarten, auch in Deutschland. Ein Nordhesse spricht "annersder" als der Südhesse, obwohl in den Medien das Südhessische "babbeln" bekannter ist.

Dann taten sich kleine Stämme zusammen um zum Beispiel das Ackerland oder den Wald zwischen den Höfen und Dörfern aufzuteilen, man sprach und handelte miteinander und so entstanden "höhere" Sprachen und größere Stammesgebiete die dann bald von einem Häuptling und spätere "König" (Häuptling über mehrere Stämme) geführt wurden. Als es dann immer größere Stammes / Volksgebiete gab musste man die Verwaltung vergrößern und die Sprache einen. So entstanden Fürstentümer und Lehnswesen. Das "teutsche" war dann immer noch eine sehr bunte und unregulierte Sprache bis weit ins 16. Jahrhundert, obwohl es schon viele gemeinsame Worte gab, z.B. durch die Übersetzung der Bibel von Luther...der zum Übersetzen einige Worte erfinden musste, damit das überhaupt klappte.

Religionen bzw. Glaube wurde von Anfang an immer erst in den Familien gelehrt, bzw. die Kinder wuchsen schon immer mit dem Glauben der Eltern auf, bis sie in ein Alter kommen um diesen zu hinterfragen. Sich eigene Ideen darüber zu machen und eventuell durch eigene spirituelle Erfahrungen zu ergänzen oder sie gänzlich über den Haufen zu werfen. Woran man glaubt ist sehr persönlich und nur weil man in manchen Dingen die gleiche Meinung wie eine Religion hat muss man dieser nicht angehören.

Es gibt ca 200 Länder und mehrere Tausend Sprachen - also ist somit klar, dass es Länder geben muss, in denen es mehrere Sprachen gibt.

Sehr viele Staaten sind Vielvölkerstaaten mit mehreren anerkannten Amtssprachen und noch anderen gesprochenen Sprachen.

Auch das deutsche Kaiserreich war mal ein Vielvölkerstaat mit mehreren Duzend Sprachen - einen Teil der Sprachen gibt es heute nicht mehr (zb Slowinzisch)

Die sog. Nationalstaaten in Europa sind eine eher neue Sache, da wollte man Ordnung haben, verbot Sprachen und vertrieb zum Teil auch Menschen und versuchte die Menschen als Nation mit zentralistischen Regierungen an das Land zu binden. Das klappt aber nicht immer so gut, wie man sich das vorstellte (siehe Spanien oder Türkei).
Aber auch im so homogen erscheinenden Deutschland gibt es noch kleine nationale Minderheiten: Dänen, Sorben und Friesen zum Beispiel - die Leute wachsen zweisprachig auf.

Das absolute Gegenteil eines Nationalstaates ist Papua Neuguinea - dort gibt es nach wie vor ca 700 Sprachen.

In allen vielsprachigen Ländern gibt es jedoch seit jeher auch Haupt- und Handelsprachen (Mehrsprachigkeit ist dort oft selbstverständlich) - nicht nur für das funktionieren des Staates, sondern auch für zb den Handel ist das unabdingbar.

Vielen dank für die ausführliche Antwort.
Wer hat aber die Haupt/Amtssprache erfunden, wenn viele Völker oder Stämme es nicht sprechen konnten? Nennt man es Völker oder Stämme- was ist der Unterschied?

wollte man Ordnung haben, verbot Sprachen und vertrieb zum Teil auch Menschen und versuchte die Menschen als Nation mit zentralistischen Regierungen an das Land zu binden. Das klappt aber nicht immer so gut, wie man sich das vorstellte (siehe Spanien oder Türkei).

Meinst damit die Kurden oder? Das bestehende Kurden und Türkei Problem bis heute?

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Nehmen wir die Germanenstämme. Jeder hatte eine Stammessprache, aber alle hatten viele Gemeinsamkeiten, weil alle auf ein Urgermanisch zurückgingen. Kleinere Stämme haben sich dann benachbarten größeren Stämmen angeschlossen, als es um Landeroberung, Völkerwanderung usw. ging. Durch das engere Zusammenleben setzte sich die Sprache des größeren Stammes durch. Das war kein großes Problem, weil diese Sprachen eng verwandt waren.

Anders ist die Nationsbildung. Da können ganz unterschiedliche Stämme oder Völker zusammengehen, weil sie gemeinsame politische Ziele haben, siehe Deutschschweizer, französische Schweizer, Tessiner.

Wie ist es aber erst zu solchen Stämmen gekommen, das wäre mal interessant.

Keiner weiß es so ganz.

Gruppen sind immer die nächsten Familien aber keine fremde Menschen.

Familie bestehen aus 10-15 und nicht tausende?

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