Gab es mal in Deutschland so etwas wie eine Scharia, oder ein göttliches Recht?

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18 Antworten

Gugel mal nach "kanonisches Recht".

Das kanonische Recht war, wie das römische Recht, maßgeblich an der Rechtsbildung in Europa beteiligt.

Das Kirchenrecht hat unsere Gesetzgebung ganz massiv beeinflusst (pacta sund servanda). Es ist teils bis heute mit Auswirkungen auf nicht kirchliche Personen existent.

Das kanonische Recht hatte sehr großen Einfluss auf den Strafprozess. Die Inquisition, so verachtenswert sie ist, führte als erste den geregelten Strafprozess ein, dessen Regeln bis heute nachwirken. 

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Kirchenrecht spielte im christlichen Europa - und damit auch in den deutschsprachigen Gebieten - einst eine sehr große Rolle und ist auch heute nicht ganz vom Tisch.

Ebenso waren die Gemeinwesen einst genuin christlich geprägt. Christliche Vorstellungen spielten also eine sehr große Rolle und waren zumindest theoretisch der Maßstab.

Allerdings ist sowohl weltliches als auch kirchliches Recht in Europa anders strukturiert als es in der 'islamischen Welt' ist. Christliche Richter die auf der Basis einer religionsrechtlichen Ausbildung und ihrem persönlichen Charisma im diskurshaften Umgang mit den religiösen Quellen selbst urteile trafen gab es in Europa meines Wissens nach nie. Genau das zeichnet aber das klassische islamische Rechtssystem aus.

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Vom neuen Testament aus betrachtet sicherlich nicht. Allerdings kannte die weltliche Justiz so genannte Gottesurteile. 

Anfangs war der Sieger in einem Zweikampf derjenige, der in strittigen Fragen recht bekam. 

Später wurde es dann immer abstruser - Menschen wurden gefesselt in den Fluss geworfen, wer ertrank war unschuldig, wer nach oben trieb war schuldig und wurde dann zum Tode verurteilt.

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Frag da mal nen Priester, Kirchenrecht gibt es sehr wohl. Bsp wurden hier ja auch genannt. Ein gutes Bsp. Ist das Arbeitsrecht. Die Kirche hat ihr eigenes. Das hat was mit Tradition, freiem Glauben, freiwilliger Gerichtsbarkeit und so weiter zu tun. Selbst unser letzter Kaiser, König von Preußen stellte sich unter Gott. Wie die meisten Könige. Kirchentod als Stichwort mal in Google eingeben da wirst du was finden, Frankreich in den 70ern müsste da was gewesen sein. Auch im internationalen wird das Kirchen recht respektiert. In Italien steh bezüglich des Vatikan und des Glaubens in einem Ewigkeitsvertrag.
Ein Tipp am Rande, bescheftige dich nicht zu sehr damit und unser Grundgesetz... läuft quasi parallel. Aber bevor man hier noch als Verschwörungstheoretiker hingestellt wird, halt ich mal lieber den Mund.

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Kommentar von furbo
17.02.2016, 16:59

Ist das Arbeitsrecht. Die Kirche hat ihr eigenes. Das hat was mit Tradition, freiem Glauben, freiwilliger Gerichtsbarkeit und so weiter zu tun

Nee. Das hat mit Art. 140 GG und dem immer noch gültigen Art. 137 der Weimarer Verfassung vom 11.8.1919 zu tun. Ob es zeitgemäß ist, das ist die Frage.

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Google mal: Inquisition und Kirchenrecht.

Natürlich gab es sowas wie eine Scharia, gibt es in gwisser Weise heute noch. die Kirche hat ihr eigenes "Recht" - nachdem z.B. Kirchenangehörige, die Kinder mißbraucht haben, gedeckt werden und vielleicht versetzt werden, aber nicht der staatlichen Justiz ausgeliefert werden.

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Kommentar von Mastrodonato
16.02.2016, 14:02

Hier handelt es sich aber nicht um Recht, sondern um Rechtsbeugung und -vereitelung. Ein Unterschied.

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Kommentar von tvetter
17.02.2016, 10:49

Der Missbrauch von Kindern ist auch nach Kirchenrecht illegal.

Und gerade die Funktion der Inquisition zeigt das Kirchenrecht eben nie identisch zur Scharia war.

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Könnte man denke ich durchaus so sagen. Denke dabei an die Inquisition, die Hexenprozesse, und die mittelalterlichen Körperstrafen.

Wobei ich jetzt aber dazu sagen muß, daß ich wahrscheinlich mit der Scharia nicht gut genug vertraut bin. Ich habe es bisher als traditionelles Rechtssystem des Islam verstanden.

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Kommentar von Mastrodonato
16.02.2016, 13:29

Eine beliebte, aber trotzdem falsche Antwort, weil nämllich die Hexenverbrennungen keine Basis in der Bibel haben, wohingegen die Scharia streng nach dem Koran geht.

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Ja natürlich, ich verweise hier nur mal auf die Hexenverfolgung, außerdem lohnt ein Blick in eine Bücherei/ Bibliothek zum Thema "Strafrechtsgeschichte"!

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Kommentar von Mastrodonato
16.02.2016, 13:29

Eine beliebte, aber trotzdem falsche Antwort, weil nämllich die Hexenverbrennungen keine Basis in der Bibel haben, wohingegen die Scharia streng nach dem Koran geht.

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Kommentar von JuraErstie
16.02.2016, 13:34

Es geht nicht um die "Basis in der Bibel" sondern nach welchen Grundlagen Urteile gefällt wurden! Und damit einhergehend war unter anderem, dass Hexerei "gegen Gott" war, bzw gab es auch früher schon bestimmte Gottesurteile bis ins späte 16. Jh. , obwohl diese schon 1215 durch Innocenz den III. untersagt wurden. Das erste "echte" Strafrecht gab es ab dem Jahre 1532, die Constitutio Criminalis Carolina, und selbst danach wurden noch Gottesurteile gefällt!

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Kommentar von JuraErstie
16.02.2016, 13:42

Die Kirche tat dies nicht; die Gottesrichter haben sich eigenmächtig auf Gottesrecht bezogen, siehe Gottesurteile nach ihrem offiziellen Verbot nach 1215!

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Nein, es gibt das Kirchenrecht aber nur für innere Kirchenbelange. Das öffentliche Recht entwickelte sich aus dem römischen Recht. Deshalb sprach man früher von einem Juristen beider Rechte.

Heute ist für das Zusammenleben nur das öffentliche Recht, basierend auf das Grundgesetz maßgeblich. Außer im mittelalterlichen Kirchenstaat war immer das vom Landesherrn verkündete Recht maßgebend. Aus diesem Grund war es auch der Kirche im Mittelalter nicht erlaubt Strafen der Inquisition zu verhängen oder zu vollstrecken. Diese war stets in Verantwortung der weltlichen Herrscher. So z.B. der Bruno wurde der Häresie angeklagt, die Inquisition verurteilte ihn zur Abschwörung oder zur Übergabe an den weltlichen Staathalter der Stadt Rom. Bruno blieb stur, wurde der Stadt Rom überstellt und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

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Alle Exzesse der Kirchen, insbesondere der kathollischen, wie etwa die Hexenverbrennungen, Judenverfolgungen oder die Massaker der Spanier in Süd- und MIttelamerika, haben keine Entsprechung in der Bibel. Das ist der grosse Unterschied zum Islam, dessen Gewalttaten gegen Andersgläubige im Koran festgelegt sind. Abkehrer vom Islam sind mit der Fatwa, dem Todesruf belegt. Juden sind Schweine. Es gibt den heiligen Krieg zur Ausbreitung des Islam. Andersgläubige dürfen belogen werden

Im Evangelium sind Nächstenliebe, Vergebung und Solidarität niedergelegt. Jesus Christus als Religionsstifter hat keinen Krieg geführt, Mohammed je nach Zählweise zwischen 70 und 90. Die christliche Religion hat sich in ihrer Anfangsphase ausschliesslich durch Mission ausgebreitet, der Islam vor allem durch Gewalt.

Während Jesus Christus Gewaltlosigkeit gepredigt hat, lebte Mohammed Gewalt in vielfältigster Form vor - gegen Frauen, gegen Andersgläubige und Abtrünnige.

Sowas wie Reformation kann es beim Islam nie geben, denn die Basis im Koran ist eben eine andere, eine gewalttätige, eine intolerante. Gleichzeitig betrachtet man sich als der einzige wahre Glaube.. 

Die reformierten Christen, auch evangelische genannt, besannen sich auf das Evangelium, auf Jesus Christus. Sie konnten damit der katholischen Kirche ihre Irrwege aufzeigen. Durch den Buchdruck konnten immer mehr Gläubige die BIbel lesen. Es entstand die Aufklärung, die uns die Menschenrechte, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt brachte.

Zu sowas ist der Islam nie fähig, das zeigte Thilo Sarrazin, das wusste Atatürk, das zeigt die Tatsache, dass es fast keine Patente aus islamischen Staaten gibt und nicht einen einzigen Nobelpreis.

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Kommentar von hummel3
22.02.2016, 09:39

Ein herausragender Beitrag, welcher für Sachkenntnis der Materie spricht. Leider vermisse ich diese Sachkenntnis bei vielen Menschen, weil sie sich noch nie tiefer mit beiden Religionen auseinandergesetzt haben, oder als Atheisten generell Religionsgegner sind. DH!!

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Im mIttelalter sicherlich. Da wurden Ketzer verbrannt.

Aber seit langer, langer Zeit nicht gibt es das nicht mehr.

Man sagt ja, dass der Islam heute so weit ist wie das Christentum im Mittelalter. Es wird Zeit, dass die eine Aufklärung bekommen.

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Es gab (und gibt) das kanonische Recht, aus dem sich unser heutiges Strafrecht heraus entwickelt hat.

Im Mittelalter gab es ja auch so etwas wie Deutschland gar nicht. Viele Gegenden unterstanden direkt der Kirche und unterlagen dementsprechend auch ganz sicher voll umfänglich dem Kirchenrecht.

Heutzutage ist das Steuerrecht auch so eine Sache. Der Staat zieht Steuern für die Kirche ein. Da sind wir aber eine Ausnahme in der Welt.

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Kommentar von tvetter
17.02.2016, 10:51

Auch in geistlichen Territorien gab es weltliches Recht.

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Praktisch bis zur Reformation und noch eine Weile darüer hinaus. Wenn man an die Hexenverbrennungen und "göttliche" Prüfungen denkt. Das heisst aber nicht, dass das rechtspositivistische System des bürgerlichen Kapitalismus, dass das Kirchenrecht abgelöst hat besser ist.

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Ja gab es. Bis ins 15. Jahrhundert hinein. Da wurde die letzte Hexe verbrannt. Die Katholische kirche war das Gesetz. Bei Ehebruch, Mord und Gotteslästerei z.B. wurde man mit dem Tode durch Enthauptung oder Rädern bestraft. Die katholische Kirche war gefürchtet und mit ihr stiegen und fielen die Aktien.

Es gab zum Beispiel ein Schriftstück: Der Hexenhammer. Hier wurde genau festgelegt, wie eine vermeintliche Hexe zu foltern, verhören und zu ermorden war. Dann kam noch der Hexenprozess hinzu.

Sah wie folgt aus: Eine Frau wurde auf einen Stuhl gefesselt und in den Fluss geworfen. Ging sie unter und ertrank, war sie unschuldig.

Trieb sie jedoch wieder auf und war noch am leben, wurde sie als Hexe verbrannt.

Bin froh, dass wir solche Zustände nicht mehr haben.

Zur Frage ansich: Sowas wie die sharia gab es in Deutschland im Mittelalter immer und nur unter Berufung der katholischen Kirche und auf Gott.

Grüße

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Ich bin mir jetzt nicht zu 100% sicher aber ich glaube das früher auf vielen Gebieten, die man heute als Deutschland bezeichnet, das Kanonische Recht gegolten hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kanonisches_Recht

Allerdings ist das auch nicht einfach zu Verallgemeinern. Irgend ein Provinzfürst hat natürlich sein "Recht" höher gestellt. Eigentlich kam es immer nur darauf an, wer zu der Zeit in dem betroffenen Gebiet den größten Knüppel hatte und damit das "Sagen"

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Ja, fast nur! Fast alle Gesetze Basieren auf den 10 Geboten!:

Mord - Du sollst nicht Töten

Diebstahl - Du sollst nicht Stehlen 

usw.

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Nein, dadurch, daß es schon seit alters her eine Trennung von Kirche und Staat gab, erhielt das kirchliche Recht nie einen derartigen Einfluß auf weltliche Belange, den das islamische Recht inne hat.

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Kommentar von Dahika
16.02.2016, 14:05

seit alters her ist gut. Oder schlecht. Die Trennung von Kirche und Staat ist relativ neueren DAtums. Frühestens mit der Aufklärung, bzw. mit der franz. Revolution waren Kirche und Staat getrennt.

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Kommentar von tvetter
17.02.2016, 10:35

Wo gab es denn bitte im Christentum vor der Neuzeit, wenn nicht gar der Moderne eine Trennung von Kirche und Staat? Was es gab war eine Trennung zwischen weltlichen und kirchlichen Autoritäten, Rechten und Besitzungen.

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Ja eigentlich schon. Allerdings gab es damals Deutschland in der Form nicht.

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Das sollte eigentlich jedem klar sein - ja

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