Gab es Kirchen während der NS Zeit in Deutschland?

10 Antworten

Es gab zur NS-Zeit nicht DIE Kirche.

Die katholische Kirche hat mit den Nazis einen Vertrag abgeschlossen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat

Die protestantische Kirche war gespalten. Es waren die "Deutschen Christen" und die "Bekennende Kirche".

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen

Er rief alle deutschen Pfarrer zum Protest gegen den "Arierparagraphen" und zur Hilfe für Betroffene auf. Ab Mitte Oktober hatte der Pfarrernotbund eine feste organisatorische Struktur. Bis Januar 1934 schloß sich ihm mit etwa 7.000 Pfarrern ungefähr ein Drittel der evangelischen Geistlichen im Deutschen Reich an. Außerdem bildeten sich in vielen Landeskirchen sogenannte Bekenntnisgemeinschaften, die mit dem Pfarrernotbund die Wurzeln der Bekennenden Kirche darstellten. Im März 1934 übernahm ein "Reichsbruderrat" die Koordination und lud zur ersten Barmer Bekenntnissynode vom 29. bis 31. Mai 1934 ein, auf der sich die Bekennende Kirche konstituierte. Sie sah sich als die rechtmäßige evangelische Kirche in Deutschland an und verweigerte der nationalsozialistisch orientierten Reichskirche den Gehorsam. Eine Erklärung des Theologen Karl Barth (1886-1968) wurde ihr theologisches Fundament. Sie verwarf die Gleichschaltungspolitik des NS-Regimes, ebenso die Verfälschung der christlichen Lehre durch die völkisch-rassische Ideologie des Nationalsozialismus.
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/bekennende-kirche.html

Man darf zu Recht mit dem Finger auf einen Teil der Christen damals in Deutschland zeigen. Doch eine Tatsache ist auch, dass sich zum Beispiel die Berufsverbände in keiner Art und Weise für ihre jüdischen Mitglieder eingesetzt haben.

Auch die Freikirchen haben sich nicht mit Ruhm bekleckert, sie haben sich größtenteils angepasst. Der Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden sollte eigentlich nach dem Willen der Nazis alle Freikirchen vereinigen, das scheiterte insbesondere daran, dass die FeGs und die Darbisten zu viele Animositäten hatten (die FeGs hatten noch nicht vergessen, dass Darby den Brüderverein gespalten hatte, aus dessen Resten dann die FeGs entstanden), mit den Nazis hatte das Scheitern nichts zu tun. So kamen nur Baptisten und Darbisten zusammen (viele - aber nicht alle - Darbistengemeinden sind nach 1945 wieder ausgetreten). Einzelpersonen mit mehr oder weniger Widerstand gab es, aber nichts, was man mit der BK in den evangelischen Landeskirchen vergleichen könnte.

Innerhalb der BK gabs übrigens auch Kompromisse mit den Nazi - solange es nicht die Theologie berührte, hatten da Einige keine Hemmungen, positiv zum Führer zu stehen. Insbesondere in den Kirchen, die von den DC nicht übernommen werden konnten.

Nur die Zeugen Jehovas hatten das Pech (oder Glück?), dass ihre Anbiederungsversuche 1933 scheiterten. Da blieb dann nur: Entweder aufhören, ein ZJ zu sein - oder Verfolgung.

Man darf zu Recht mit dem Finger auf einen Teil der Christen damals in Deutschland zeigen.

Zu einem sehr großen Teil.

„Wenn ich so geschrien hätte, wie ich heute weiß, dass ich hätte schreien müssen, würde ich nicht hier stehen, sondern wäre in Plötzensee hingerichtet worden”. Das sagte Pastor Wilhelm Busch, der immerhin illegale Flugblätter gegen die Nazis verbreitet hatte, und mehrmals von der GeStaPo festgenommen wurde.

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Gelegentlich wurden auch Waffen gesegnet.. ö

Natürlich gab es Kirchen. Die ev luth. Kirche sympathisierte sehr mit dem Regime und die kath. hielt sich distanziert. Was sollten sie denn sagen? Kirchen mischen sich meist in Politik nicht ein.

Falsch - nur Teile der evangelischen Kirche sympathisierten, andere Teile schlossen sich in der "bekennenden Kirche" zusammen.

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@HugoHustensaft

Die "Bekennende Kirche" war KEINE Widerstandsorganisation und lehnte die Zusammenarbeit mirt den Nazis nicht grundsätzlich ab. Die Bekennende Kirche hat sich z.B. nie gegen die Konzentrationslager ausgesprochen.

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@Roland Sperling

Wer hat sich denn sonst gegen die Konzentrationslager ausgesprochen? Niemand! Auch kein Berufsverband stand für die jüdischen Mitglieder ein. Die bekennende Kirche war mit Abstand die mutigste Organisation. Einige Pfarrer bezahlten dafür auch mit ihrem Leben.

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@Bodesurry

Es gab Widerstandsgruppen, die gegen die KZs agitierten. Zum Beispiel die Kommunisten, die "Rote Kapelle" und teilweise auch Juden selber. Die "Bekennende Kirche" dagegen hat die Nürnberger Rassegesetze nicht kritisiert, sie hat auch bis 1938 Christen mit jüdischen Vorfahren nicht geholfen, Deutschland zu verlassen. Mitte der 30-er Jahre gab es zwei Strömungen innerhalb der Bekennenden Kirche; diejenigen, die mit dem Regime zusammenarbeiten wollten, und diejenigen, die dies immer entschiedener ablehnten. Richtig ist, dass mit fortschreitender Radikalisierung des NS-Regimes viele Mitglieder der Bekennenden Kirche ihre oppositionelle Haltung verstärkten, viele wurden auch verfolgt und einige später ermordet. Zur Wahrheit gehört aber eben auch, dass die Bekennende Kirche nicht von Anfang an und auch nicht in ihrer Gesamtheit als Widerstandsgruppe angesehen werden kann.

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@Roland Sperling

Ja, das stimmt. Im Hinblick auf die Bekennende Kirche ist natürlich die Frage, wie man "Widerstand" definiert.

PS: "Agitieren" empfinde ich hier nicht als passende Wortwahl.

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@Roland Sperling

Interessant im Zusammenhang mit der Bekennenden Kirche ist das Buch "Der Passfälscher" von Cioma Schönhaus.

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Natürlich gab es diese während der NS-Zeit. Da gab es schon vorher und wurden während der NS-Zeit nicht abgeschafft.

Die meisten passten sich an das NS-Regime an und sagten nichts. Schließlich wollten diese weiter gut leben. Andere welche was gesagt haben, wurden beseitigt oder unter Druck gesetzt.

Ein Drittel der evangelischen Pfarrer stellten sich offen gegen die Nazis.

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/bekennende-kirche.html

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@Bodesurry

Aus deinem Link:

Das Schweigen auch großer Teile der Bekennenden Kirche zum NS-Völkermord war nach Ende des Zweiten Weltkriegs einer der Gründe für die Abfassung des "Stuttgarter Schuldbekenntnisses", in dem sich der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland am 18./19. Oktober 1945 zur Mitverantwortung der Kirche an den Verbrechen des Nationalsozialismus bekannte.

Die BK hat sich gegen die DC gestellt, in ihrer Gesamtheit aber nicht gegen die Nazis. In deinem Link werden aber natürlich auch teile der BK erwähnt, die verhältnismäßig konsequent gegen den Nazismus waren.

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