Gab es in den 80ern und 90ern auch ausschweifende Debatten über Flüchtlingspolitik in Deutschland?

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9 Antworten

Ja das Thema war sehr heiss damals. Ich war in den 90ern bereits auf Demos gegen Rechts usw. Der Unterschied ist natürlich die Art. Damals gab es kein facebook usw. Da haben wir uns untereinander mobilisiert. Das Thema war schon immer groß und ich war schon damals für Menschlichkeit und gegen Rassismus. ;-)

Damals ging es eher um "Flüchtlinge" aus dem Sowjetblock: Man bot allen Deutschstämmigen die Möglichkeit, dort aus- und hier einzusiedeln. Die vorgeschobene Nationale Begründung war nötig, um zu verschleiern, dass man als allererstes die Wirtschaft in diesen Ländern schwächen wollte.

Auch damals wurde das heftig diskutiert und ich fahre hier häufig an einer Mauer vorbei, auf der heute noch der Schriftzug "Aussiedler zu Kohl" prangt. Sinnigerweise waren damals auch schon Rechtsradikale dagegen, die Bezeichnung "Russen" für deutschstämmige, zB Kasachen-Aussiedler, hat sich gehalten.

Wir hatten aber auch damals parallel dazu Flüchtlinge aus der 3./4. Welt, rechte Parteien warben damals schon mit dem Spruch "Das Boot ist voll" und die CSU versuchte schon damals, ihre Vorherrschaft durch rechte Parolen zu erhalten. Das Thema eignete sich schon immer, Ängste vor "Überfremdung" zu schüren und davon zu profitieren.

Die Deutschen haben nach dem Krieg keine Staatsidentität aufbauen können, die so wie bei den Amerikanern integrierend wirkt. Von daher ist auch die Tendenz der einzelnen Gruppen, sich NICHT als Deutsche zu fühlen, sehr stark und könnte tatsächlich als Sprengsatz wirken. Ausgrenzung der Ausländer verstärkt das.

Unabhängig von jeder christlichen Einstellung ist privates Engagement zur Integration von Ausländern aller Art (auch Deutschen mit "Migrationshintergrund", wie sich das heute so politically correct zu nennen pflegt) unbedingt notwendig (Wohnung, priv.Nachhilfe für Zuwandererkinder, gemeinsame Veranstaltung und gemeinsame Besuche ganz normaler Veranstaltungen, vor allem aber Familienkontakte) !


Iamiam 04.08.2015, 13:02

Habe jetzt den gesamten Komplex der DDR-Flüchtlinge nicht erwähnt, der gehört selbstverständlich dazu, aber dazu gabs allenfalls Neid-Diskussionen (den Preussen wirs hinten reingeschoben, während wir nichts bekommen beim Lastenausgleich, oder: wenn die angegebenen Verluste der Höfe stimmen würden, müsste Deutschland doppelt so groß sein etc.) War eben alles politisch so gewollt zur Schwächung der DDR-Wirtschaft und letztendlich auch erfolgreich.

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AalFred2 05.08.2015, 11:27
@Iamiam

Du willst jetzt nicht ernsthaft behaupten, dass die DDR ohne die Flüchtenden in den 50ern am Ende nicht pleite gewesen wäre, oder? Zudem ging der Großteil des Lastenausgleichs an Vetriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten.

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Iamiam 10.09.2015, 14:26
@AalFred2

der amerikanische Ökonom John Kenneth Galbraith, immerhin am. Präsidentenberater, kam in seinem Buch Deutschlands andere Hälfte (ich hoffe, ich habe Buch und Autor richtig zusammengeordnet, ist lange her) zu dem Schluss, dass -jeweils Sonderleistungen (Marshall-Plan, Reparationen) rausgerechnet- die beiden Volkswirtschaften bis Mitte der 60er Jahre vergleichbar effektiv waren.

Die Flüchtlinge waren ein enormer Aderlass, da die Ausbildungskosten vom Herkunftsstaat getragen wurden und der Zielstaat davon pofitiert (ist generell so, auch heute). Verschärft dadurch, dass die DDR die "Intelligenzberufe"-gerade weil auf Staatskosten ausgebildet und auch aus ideologischen Gründen-niedriger entlohnte als der Westen.

Die Schäden an der Wirtschaft durchs Parteibonzentum griffen erst später massiv um sich (2.Hälfte der 60er Jahre)

Ich wollte aber hier keine Systemdiskussion anfangen, -Geschichte ist Vergangenheit und nur zum draus lernen gut-  sondern etwas genauer beschreiben, warum bzgl. der Flüchtlinge wie argumentiert wurde, zT wie heute und zT im Ggs zu heute!

@Aalfred2: ich hab Deinen Kommentar nur deshalb positiv bewertet, damit Du auf meine Erwiderung (erst jetzt durch eine Bewertung wieder reingeschaut) aufmerksam wirst.


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AalFred2 10.09.2015, 15:03
@Iamiam

Die Bewertung kannst du dir sparen, da ich bei meinen Kommentaren grundsätzlich die Benachrichtigung einschalte. Aber der Beleg für die Schwächung der DDR-Wirtschaft als Hintergrund für die Aufnahme sogenannter Republikflüchtlinge bleibst du schuldig.

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Iamiam 11.09.2015, 22:44
@AalFred2

Dann bleib ich ihn eben schuldig. Den haben Fachökonomen damals geführt, ich hab keine Lust, die Themen vergangener Jahrzehnte im Detail und mit Belegstellen nachzugrasen, hab besseres zu run! Die Frage hier ging um ganz was anderes!

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Zahlenmäßig kamen damals sogar mehr Flüchtlinge als heute und es wurde sehr ähnlich thematisiert.

Wie bereits erwähnt gab es damals zusätzlich die Einwanderung von Russlanddeutschen.  Die wurden aber von Seiten derer "die nichts gegen Ausländer hatten, aber ..." nicht kritisiert. Wegen der Verwerfungen der Wiedervereinigung war die wirtschaftliche Lage auch schlechter als heute.

Die Christen hatten wie heute unterschiedliche Ansichten. Viele Christen setzten sich für Flüchtlinge ein. Konservative Katholiken und Evangelen waren sehr negativ gegen Fremde eingestellt.

Besonders Anfang der 1990 ziger Jahre war Stunk in Rostock wegen der Vietnamesischen Gastarbeiter welche in der DDR vertraglich arbeiteten und nach dem Zusammenbruch der DDR nicht nach Vietnam zurück wollten.

Die Anfeindungen gab es damals genau wie heute. Ansonsten diente deine ominöse christliche Wertegemeinschaft vor allen Dingen dazu, andere auszugrenzen. Inwiefern das helfen sollte, verstehe ich nicht.

xschwedex 05.08.2015, 12:47

Mit christlicher Wertegemeinschaft meine die explizit die Besinnung auf Tugenden wie Verantwortung gegenüber Schwächeren, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Hilfsbereitsschaft und dem Nachfolgen von Jesus, der als Vorbild alle unter dem Banner der Menschlichkeit vereint. Ich sehe hierbei keine Ausgrenzung, wie du es beschreibst.

Ob manche ihn nur als literarische Figur, oder als den Christus sehen, spielt dabei nur eine zweitrangige Rolle.

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AalFred2 05.08.2015, 12:53
@xschwedex

Du sprichst aber von einstiger christlicher Wertegemeinschaft. Das würde ja voraussetzen, dass es so etwas, in der von dir beschriebenen Form jemals in grösserem Rahmen gab. Das ist aber nicht der Fall. 

Tugenden wie Verantwortung gegenüber Schwächeren, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Hilfsbereitsschaft

haben ja erstmal prinzipiell nichts mit dem Christentum zu tun.

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AalFred2 05.08.2015, 13:24
@xschwedex

Ich kenne die Bergpredigt. Was soll mir das jetzt sagen?

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Es gab zwar auch lebhafte öffentliche Debatten, aber letztendlich nicht in der Form wie zur Zeit.

Zum einen waren die Flüchtlinge zum großen Teil auch tatsächlich welche in Form von Familien mit Kindern, desweiteren  war die Anzahl nicht so hoch und vor allem verlief der Zustrom meist  in einem Maße, der noch relativ problemlos bearbeitet werden konnte.

Und immerhin stammten die Flüchtlinge noch aus dem europäischen Kulturkreis.

Aber auch schon damals ging es in den Debatten nicht um die Aufnahme von Flüchtlingen an sich, sondern um die Folgen für sie soziale Gemeinschaft mit denen die Menschen wie üblich von der Politik alleingelassen wurde.

Auch damals wurde berechtigte Kritik von Politik und Medien sofort als Ausländerfeindlichkeit und Rassismus niedergebügelt.


Jetzt soll den Menschen dasselbe noch mal aufgedrückt werden, aber in erheblich intensiverer Weise, mit Menschen aus mittelalterlichen Kulturkreisen und vor allem ohne Aussicht darauf, das der Zustrom irgendwann mal geringer werden könnte.

Hinzu kommt dann noch, daß man heutzutage dank des Nets einen weit besseren Überblick über die gesamtsituation bekommen kann, als das damals möglich war.

Unmut gab es damals wenn überhaupt dann örtlich begrenzt, weil es nämlich da dann um ein konkretes Problem vor Ort ging.

Beschäftige ich mich heute mit der Thematik, kann ich mir in kürzester Zeit alle Massenschlägereien, Messerstechereien, sexuellen Übergriffe oder alle sonstigen gehäuft auftretenden Probleme im Umfeld von Asylbewerberansammlungen zusammentragen........, da merkt man dann ziemlich schnell, daß man es mit einem gewaltigen Problem zu tun hat und nicht bloß mit " Einzelfällen ".


Ich frage mich , wie denn dieses " Beziehen auf die einstge christliche Wertegemeinschaft " aussehen soll.......: Konsequentes weg-ignorieren asozialen Verhaltens....? Außerkraftsetzen des Strafgesetzbuches für " Flüchtlinge "....? Kollektive verordnetes Desinteresse für die Folgen, die eine derar ungebremset Massenzuwanderung auf unser Sozialsystem hat....?

Auch in deiner Frage wird mal wieder mit keinem Wort erwähnt, woher denn die " offenen Anfeindungen " rühren, quasi so als wenn es dafür nicht den geringsten Grund gäbe.

Alles prima..., alles in Ordnung mit den " Flüchtlingen ".....? Nur der doofe Deutsche meckert mal wieder....?

Die Realität sieht ein wenig anders aus.

die einstige westliche christliche Wertegemeinschaft hat viele, viele Kriege hervorgebracht denke auch an die vielen Abschlachtungen im letzten Jahrhundert ..an die Rassentrennungspolitik in Amerika und Südafrika :'(

 an die  Zeiten der Kz's, im 2. Weltkrieg waren gut  98% der in Deutschland lebenden Menschen katholisch oder evangelisch!

dazu ...Würde es weniger offene Anfeindungen geben .. nach den Erfahrungen zu urteilen mehr:(

1. Ja, gab es.

2. Nein, nach meiner Meinung.

Nein...überhaupt nicht.

Die Flüchtlinge der 80iger und 90iger wurden als ein Sieg über den Kommunismus gefeiert.

Diese Flüchtlinge brachten sich auch direkt mit Produtivität ein. Ganz markant bei diesen Flüchtlingen, sie wollten gestärkt zurück in ihre Heimat.

Diese Flüchtlinge sind mit heutigen Flühtigen nicht vergleichbar. Sie fliehen islamischen Verhältnissen, und fordern dann islamische Verhältnisse.

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