Gab es im Mittelalter eigentlich eine Verfassung?

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7 Antworten

Wenn wir vom Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) ausgehen, dann nicht.

Es gab aber eine Reihe von Gesetzen, die grundlegende Regelungen enthielten und deswegen übicherweise als "Reichsgrundgesetze" bezeichnet werden. Dazu gehören das Wormser Konkordat von 1122, die Goldene Bulle von 1356 oder der Ewige Reichsfriede von 1495. Diese Reichsgrundgesetze (es gab noch ein paar mehr, das sind aber die bekanntesten) regelten vor allem das Verhältnis zwischen Fürsten und Kaiser sowie zwischen geistlicher und weltlicher Macht.

Man spricht für das Mittelalter daher nicht von einer Verfassung, sondern von einer "Verfasstheit". Es gab also nicht einen großen zusammenhängenden Gesetzestext, sondern viele unabhängige, die zusammengenommen die wichtigsten staatlichen Belange regelten.

Kommentar von ArnoldBentheim
04.08.2016, 17:49

Sehr gut erklärt. Dafür gebührt dir vom Fragesteller das Sternchen!  :-)

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Das erste schriftlich niedergelegte Dokument, dass einer gesetzgebenden Verfassung nahe kam war die Magna Carta in England.Die meisten mittelalterlichen Terretorien hatten so etwas nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Magna_Carta

Auch ähnlich wie eine Verfassung kann man das isländische Thing werten, wobei da die Gesetzesvereinbarungen mündlich überliefert wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Thing

Die erste Verfassung im modernen Sinn war die Verfassung der USA von 1787 .

https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung_der_Vereinigten_Staaten

Weitere aufklärerische Verfassungen in Europa

https://de.wikipedia.org/wiki/Französische_Verfassung_(1791)

https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung_vom_3._Mai_1791

Gesetze gab es schon, aber die wurden von Fürstentum zu Fürstentum selbst erstellt.
Das 1. richtige Grundgesetz, nach den 10 Geboten, war glaube ich der Code Civil der durch Napoleon im Jahre 1813 ( oder doch 1814/1815?) eingeführt worden war.

Kommentar von LiloB
05.08.2016, 17:41

allerdings basierte Napoleons Code Civil (richtig; Gesetze) -  auf der während der französchen Revolution erarbeiteten Verfassung - ähnlich der, die in Amerika in der Unabhängigkeitserklärung verfasst wurde.

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nein, Verfassungen entsanden mühsam nach der Französischen Revolution.

Im Mittelater herrschte allerdings die Übersetzung, dass alle - auch oder gerade die Herrscher - unter dem Anspruch Gottes stehen.

Nö, Verfassungen sind ein Produkt des Bürrgertums, generiert in den frisch gegründeten USA sowie in Frankreich.

Na klar.

Darin stand: Wer mehr Geld, mehr Waffen und mehr Soldaten hat, darf die anderen töten.

Oder so ähnlich. Im Grunde nicht viel anders als heute...

Ich sag mal so

JEDE staatliche Form des Zusammenlebens hat eine "Verfassung", und  sei es auch nur eine mündlich überlieferte Sammlung von Traditionen.

Dazu kamen "ungeschriebene Gesetze", Gerichtsbarkeit, Handelsreglen etc.

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