Gab es im Deutschen Kaiserreich Demokratie?

8 Antworten

Ja, im Kaiserreich gab es Demokratie.

In den Monarchien des Reiches gab es demokratische Wahlen zu den Landesparlamenten, wenn auch zumeist gemäß Dreiklassenwahlrecht. In allen Kommunen gab es Stadträte, die ebenfalls meist nach dem Dreiklassenrecht gewählt wurden. Das eingeschränkte Klassenwahlrecht, das Bürger mit höheren Steuerleistungen gegenüber denen mit geringerer Steuerleistung bevorzugte, galt damals allerdings fast überall in Europa.

Dagegen war das demokratische gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für alle Männer zum Reichstag im Vergleich zu den Wahlrechten in den anderen europäischen Ländern sehr fortschrittlich. Gewiss, Frauen durften nirgendwo im Reich wählen, aber das war in allen anderen europäischen Ländern auch nicht anders.

Über die Parlamente sprachen das Volk und vorallem seine bürgerlichen Schichten zumindest bei der Gesetzgebung mit. Sie kontrollierten die Arbeit der Monarchen und ihrer Regierungen. Es gab Monarchien im Reich, z. B. Bayern und Baden, die sich zu parlamentarischen Monarchien entwickelten. Die Bürger hatten das Recht, sich mit Petitionen an die Parlamente zu wenden.

Die Staatsgewalten waren nur teilweise getrennt. Zur Legislative mit Entscheidungsbefugnissen zählte auch der Monarch, der zugleich der Leiter der Exekutive war. Fast alle Länder des Reiches waren aber Rechtsstaaten mit einer mehr oder weniger unabhängigen Jurisdiktion.

Insgesamt fällt das Urteil für das Kaiserreich nicht ungünstig aus, wenn man es mit anderen europäischen Ländern vergleicht. Ja, das Kaiserreich war schon eine Demokratie, allerdings mit gewissen Einschränkungen einerseits (z. B. Klassenwahlrechte in den Ländern), fortschrittlichen und zukunftsweisenden Ansätzen andererseits (z. B. Reichstagswahlrecht).

MfG

Arnold

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Deutschland war damals nicht mehr oder weniger demokratisch als viele andere europäische Monarchien. Frankreich dürfte als Republik demokratischer ausgerichtet gewesen sein, Russland hingegen eindeutig autokratischer.

Verglichen mit dem heutigen Standard wäre selbst das damalige Großbritannien eine absolutistische Königsdiktatur. Man sollte solche Staaten immer aus dem Geist ihrer jeweiligen Zeit heraus betrachten.

Höchstens demokratische Ansätze, aber bei weitem keine Demokratie.

Dafür hätten Frauen sich an Wahlen beteiligen dürfen, die Gewaltenteilung ausgebauter sein sollen und Willy mit der ganzen kaiserlichen Clique vor die Tür gesetzt werden müssen.

LG

und Willy mit der ganzen kaiserlichen Clique vor die Tür gesetzt werden müssen.

Eine Umwandlung in eine parlamentarische Monarchie hätte vollkommen ausgereicht, wie es kurz vor Ende des WK I noch gelungen ist, freilich zu spät.

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Das Frauenwahlrecht, das bis 1918 keineswegs weit verbreitet war, kann man in dieser Zeit kaum als Kriterium für den Demokratie-Stand eines Staates heranführen. Sonst wären neben Deutschland auch Luxemburg, Schweden, die Niederlande, Spanien, Großbritannien und die USA astreine Diktaturen gewesen.

Wusstest du eigentlich, dass französische Frauen erst seit 1944 in einer Demokratie leben? Schweizerinnen sogar erst seit 1971...

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