Gab es das Mittelalter?

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10 Antworten

Die Aussage über die erfundenen rund 300 Jahre (614 - 911) geht auf die Phantomzeit-Theorie von Heribert Illig zurück (vgl. dazu ausführlich http://de.wikipedia.org/wiki/Erfundenes_Mittelalter).

Die Theorie versucht sich auf Anhaltspunkte zu stützen, die Annahme einer vollständigen Erfindung ist aber nicht überzeugend und wird von der Geschichtswissenschaft abgelehnt. Echte Beweise fehlen.

Der Ausgangspunkt sind Berechnungsprobleme bei der Einführung des gregorianischen Kalenders.

Die Originalurkunden seien sehr gering an Zahl und wenig spezifisch (soll Indiz für Fälschung sein).

Sicher in den Zeitraum datierbare archäologische Funden fehlen angeblich.

Dagegen sprechen aber zu viele Funde und Dokumente. Herrscher (Otto III. oder Konstantinos VII. Porphyrogenetos) und Geschichtsschreiber im Mittelalter hätten nicht eine so große Anzahl lückenlos fälschen und aufeinander abstimmen können, darunter die aus weit entfernten Ländern (z. B. arabische und byzantinische Quellen).

Für manche Entwicklungen bliebe kein ausreichender Zeitraum: Entstehung eines großen islamischen Reiches bis nach Spanien, Christianisierung germanischer Stämme, Entstehung der althochdeutschen Sprache.

Dem Autoren des Buches, in dem diese Verschwörungstheorie aufgestellt wird, Heribert Illig, geht es um die Jahre 614 bis 911. Also etwa 300 Jahre des 1000jährigen Mittelalters.

Illig begründet seine Theorie u. a. damit, dass aus diesem Zeitraum keine Funde/Museumsstücke aus Frankenstädten vorlägen (beispielsweise Frankfurt am Main). Auch meint er, in der Aachener Pfalzkapelle gäbe es Widersprüche in der Architektur, das Gebäude sei für das Jahr 800 zu modern, es sei erst 1100 gebaut worden.

Letztlich versprachen sich nach Illigs Meinung, Machthaber im 10. Jahrhundert einen Vorteil davon, echte Urkunden einzusammeln und zu vernichten und durch gefälschte Dokumente zu ersetzen. Das hätte nur dann zu den gewünschten Ergebnissen führen können, wenn sie bei der Urkundenfälschung 300 Jahre dazuschummelten. Durch die Fälschung soll Illig zufolge der Sachsenkaiser Otto der Dritte sich selbst zum Milleniumskaiser gemacht haben. (Plötzlich war das Jahr 1000 obwohl doch noch 700 war...) Der Kaiser Konstantin VII. habe sich lt. Illig eine Ahnentafel für sich selbst erfunden um zu verschleiern, dass sein Vater ein Mörder war.

Wissenschaftler teilen nicht die Ansichten des Buchautoren Illig. Sie machen darauf aufmerksam, dass in der damaligen Zeit eine so groß angelegte, vernetzte Fälschung nicht möglich war. Auch wegen dieser fehlenden Vernetzung (dünne Besiedelung Europas, fehlende Kommunikation über größere Entfernungen usw.) war die Entwicklung z. B. architektonischer Neuheiten nicht einheitlich. Was in der einen Stadt schon modern war, konnte in anderen Gegenden noch völlig unbekannt sein; auch über Jahrhunderte.

Professionelle Historiker sind auch nicht so naiv wie Illig sie darstellt. In der Geschichtswissenschaft ist man sich durchaus bewusst, dass es auch gefälschte alte Dokumente gibt. Heute kann man genau berechnen wann die in alten Berichten vorkommenden Sonnenfinsternisse waren. Die Fälscher hätten übrigens auch alle Münzen aus den 300 Jahren, die heute noch in den Museen zu sehen sind fälschen müssen. Die Münzen mit den Abbildern erfundener Kaiser hätten auch auf die vielen vielen Fundorte systematisch verteilt werden müssen.Wenn Illig recht hätte, hätte damals auch die gesamte Geschichtsschreibung und alle Dokumente aus dem arabischen Raum gefälscht worden sein. Ebenso hätten die Fälscher noch das Althochdeutsch ganz neu erfinden müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Theorie vom erfundenen Mittelalter ist interessant und unterhaltsam, aber nicht haltbar.

Was du meinst, betraf nicht das Mittelalter, sondern die Zeit von ca. 900 n.Chr. bis ca. 1100 n.Chr. So ungefähr. Da gibt es jemanden, der behauptet, es wären einige Jahrhunderte geschummelt worden. Leider hab ich den Namen vergessen. Doch ich meine mich zu erinnern, das diese These auf seht wackeligen Beinen stand. ...

Nun, streng genommen liegst Du richtig: Das Mittelalter gab es nicht, genauer gesagt: Die in der damaligen Zeit lebenden Menschen nannten ihre Zeit nicht "Mittelalter"! ;)

Diese epochalen Zeiteinteilungen gibt es erst mit Beginn der sog. "Neuzeit". Die Menschen im Mittelalter glaubten, bereits am Ende der Geschichte zu stehen, sie rechneten mit dem baldigen Untergang der Welt.

Viele Grüße Kimba

Bestimmt! Er hat dann auch auf die Schnelle die ganzen Burgen, Klöster, Häuser und den Kölner Dom gebaut, Bücher geschrieben, Bilder gemalt, allerhand alten kram in ganz Europa vergraben, die Archive des Vatikans geändert und sich mit dem Rest der Welt (auch dem Orient, mit dem wir ja damals sehr gut befreundet waren) abgesprochen... Ne, ich glaub das gabs wirklich!

Zwischen den Jahren 600 und 1492 fehlen im sogenannten Mittelalter keine Zeiten. Das einzig fehlende Zeitfenster der neueren Geschichte befindet sich im Jahr 1582, durch die Einführung des gregorianischen Kalenders folgte auf Donnerstag den 4. Oktober gleich Freitag, der 15. Oktober 1582.

Wenn es das Mittelalter nicht gab, dann muß ja ein Herrscher über 700 Jahre gelebt haben, um sich selbst groß herausgebracht zu haben! Dann wurde von der Altzeit gleich in die Neuzeit gewechselt, und das muß dann ein Weltherrscher gewesen sein, das hätten sich andere Herrscher doch nicht gefallen lassen!

Habe ich noch nie gehört. Wer hat denn da regiert? Die uralte Schildkröte aus der Unendlichen Geschichte? Das Mittelalter umfasst gut 700 Jahre und liegt zwischen Antike und Renaissance.

Ist zwar schon etwas her, aber wenn ich mich recht entsinne, dann gab es das Mittelalter wirklich.

Das ist die Phantomzeit-Hypothese von Heribert Illig. Dazu gibt's einen ganzen Haufen zu lesen.

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