'Fundamentalismus resultiert u.A. aus der Angst vor den Folgen der aufklärung' - Argumente/Stellungsnahmen?

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3 Antworten

Fundamentalismus resultiert u.A. aus der Angst vor den Folgen der aufklärung

Nun, wenn man sich der Aufklärung, der Skepsis und dem kritischen Denken öffnet, bedeutet dies, dass das bislang einfach geordnete Weltbild gestört wird.

Die Welt ist nicht länger in schwarz und weiß eingeteilt, sondern es gibt auf einmal viele verschiedene Schattierungen von Wahrheit und Erkenntnis.

Absolute Aussagen zu treffen wird schwieriger, weil nun ein relatives Weltbild Einzug hält, das bereit ist, sich selbst und die Vorstellungen zu hinterfragen.

Lieb gewonnene Konzepte, die das Leben einfach machten, müssen los gelassen werden, weil sie rational nun einmal nicht länger haltbar sind.

Das sind alles schwierige Aspekte für jemanden, der bislang nur Aussagen mit absolutem Wahrheitsanspruch gekannt hat.

Da ist es einfacher zu sagen, "Ich bleibe bei meiner grundlegenden Vorstellung und ich ändere nichts, egal wie viele Fakten mir vorgelegt werden".

Dafür nimmt man dann auch gesellschaftliche Ächtung wegen mangelnder geistiger Flexibilität auf sich. Nur um sich ein einfaches Weltbild zu erhalten.

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"Fundamentalismus" heißt "übertriebener Rückzug auf die (vermeintlichen) Grundlagen einer Weltsicht".

"Christliche Fundamentalisten" zum Beispiel suchen sich gerne einfache und griffige, von Geboten und Verboten bestimmte Stellen aus der Bibel heraus, und bauen sich daraus ihr Weltbild.

Sie suchen sich bemerkenswerterweise aber nicht die Fundamente der Lehre Jesu heraus ("Liebe Gott und deine Mitmenschen wie dich selbst" (Mt. 22,37-40)). Denn das ist zu wenig konkret und erfordert ständig die aufwändige Überprüfung des eigenen Denkens und Handelns.

Wenn man sich dazu noch die Aussagen des Apostels Paulus ansieht: "Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich." (1.Kor. 6,12), dann kann man erkennen, dass Jesus und Paulus eigentlich die ersten Aufklärer waren.

Für "Fundamentalisten", die nach einer einfachen Weltsicht mit schwarz und weiß, gut und böse suchen, ist das schon viel zu kompliziert.

Kern der Aufklärung ist die Aufforderung, das eigene Denkvermögen zu gebrauchen.

Wenn man das tut, merkt man schnell, dass die Welt nicht einfach ist, sondern kompliziert; dass auch das eigene Leben nicht schwarz oder weiß, sondern vielfarbig grau ist. Das kann überfordern und Angst auslösen.

Dann liegt es nahe, bei einfachen Regeln Schutz und Geborgenheit zu suchen.

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Ich glaube eher, dass der Fundamentalismus aus einer Gier nach Macht und Selbstbeweihräucherung besteht. Es ist auch ein Streben nach dem Wohlgefühl, was entsteht, wenn alles Zweifeln hinweggefegt ist und man selber nicht mehr nachdenken muss, weil es in irgend einem heiligen Buch steht.

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