Fütterung Pferd (Öl)

8 Antworten

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ahem.

Die Frage wäre, warum du deinem Pferd Öl füttern willst?

Tatsache ist: die Fettverdauung benötigt Galle. Beim Menschen wird Galle in der Gallenblase gespeichert und es wird, wenn ein Batzen Nahrung aus dem Magen weitergegeben wird, eine Portion Galle abgegeben. Die menschliche Verdauung ist außerdem recht langsam, für die etwa 3-5 m Dünndarm brauchen wir 6-10 Stunden. Pferde haben keine Gallenblase, da rinnt die Galle kontinuierlich in den 20m langen Dünndarm (ich rede jetzt vom durchschnittlichen WB, nicht vom Pony) , der nur knapp 2 h für eine Passage braucht.

Nahrungsbausteine werden vor allem im Dünndarm aufgenommen, im Dickdarm kann der Körper damit nix mehr anfangen. Also hat beim Pferd das bisschen Galle, das da reinrinnt, nicht mal 2h Zeit, um das ganze Fett zu spalten, das vorhanden ist - gerät das nämlich in den Dickdarm, schädigt es die dortigen Darmbakterien, weil es ihre Umwelt verändert. Mehr als 80 g Fett kann ein Pferd nicht verwerten, alles mehr schadet seiner Darmflora! Und beim Pferd ists genauso wie beim Menschen: Es zählt nicht nur, was man in Reinform zu sich nimmt, sondern auch das Fett im Salatdressing, dem Frühstücksjoghurt und im McChicken. Wenn man bedenkt, dass zB Hafer einen Fettgehalt von 5-7% hat, enthalten 500g Hafer (das ist nichtmal ein Liter, also weniger als eine halbe Portion für die meisten WBs) schon 25g Öl. Da braucht man dann nix mehr zufüttern!

Dass Pferde Öl brauchen, um Karotten zu verdauen, ist auch Blödsinn. Das gilt für den Allesfresser Mensch, aber nicht für den reinen Vegetarier Pferd. Die haben andere Wege, um Vitamine zu verwerten und ziehen den ß-Carotin-Bedarf aus dem Weidegras, weswegen man Karotten nur im Winter zufüttern muss und sollte (denn neben Carotin enthalten die natürlich auch viel Zucker, den Pferd nicht braucht weil es seine Energie aus Cellulose deckt).

WENN es denn jetzt unbedingt Öl sein muss, weil Mensch sich einbildet dass Pferd das braucht, dann sollte man wenigstens auf die Fettsäuren achten. Gras als Pferdenahrungsgrundlage beinhaltet vor allem Omega-3, also sollte man dann auch Omega-3-Fette füttern, das wären kaltgepresstes Raps- oder Leinöl. Allerdings haben beide die dumme Eigenschaft, unter Sauerstoffeinfluss (also sobald man die Flasche öffnet) und Wärme (da reicht schon Zimmertemperatur, also wenn man nicht die Möglichkeit hat, es im Kühlschrank unterzubringen) ranzig zu werden. Das passiert sehr schnell und schon lange bevor man es riecht, ist es eigentlich nicht mehr gut. Ranziges Öl braucht nämlich Vitamin E, um abgebaut zu werden und überhaupt wieder aus dem Körper entfernt zu werden, und zwar mehr, als zugeführt wird. Somit entziehst du deinem Pferd Vitamin E durch die Ölfütterung.

Fazit: Es bleiben eigentlich keine positiven Effekte übrig. Pferde brauchen Heu, Heu, und nochmals Heu, manche brauchen an den Bedarf angepasst mehr oder weniger ungequetschten Hafer (gequetschter ranzt nämlich auch sofort, Folgen siehe oben!), alle brauchen Mineralfutter, weil unsre Wiesen so ausgelutscht sind, dass sie den Mineralbedarf nicht mehr liefern können (und zwar gutes, kein billiges um 3 Euro für den Kilo, das kann nix! Ab 10 Euro fürs Kilo bist du gut dabei, zB von iwest), und im Winter als Saftfutterersatz und Carotinlieferant maximal einen halben Kilo Karotten am Tag (Großpferd). Und mehr braucht ein Pferd nicht.

... und nächstes Jahr hast dann mal Zeit für ein Lehrbuch, das einfachere Worte verwendet als Meyer / Coenen und somit laientauglich ist - damit könntest eine Wissenslücke schließen, wenn das in den Reitstallbibliotheken landen würde!

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@Baroque

kannst Du ja so machen wie Babette - nur als E-Book oder als Download ;)

Ich kauf das dann...;)

@Baroque...Reitstallbibliotheken?

In den Reitställen wo ich war, würde in Bücherregalen die Schleifen aufgehangen oder der Alkohol reingestellt und die Reiter Reveu hineingelegt...aber BÜCHER gab es da nicht...

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@Wolpertinger

Eben, da gehören mal Bücher hin, nicht nur ReiterRevue und Cavallo!

Ich war sogar schon in Ställen, wo im Stüberl Bücher auslagen - und auch wieder zurück kamen! Das hat mich ehrlich gesagt verblüfft, denn selbst, wenn man sie stempelt, findet sich doch immer einer, den das nicht juckt.

Aber wer lässt seine Schleifen im Stall?

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@Baroque

Danke, ich frag dann mal die Herren Meyer / Coenen, ob ich ihr Werk entmystifizieren darf ;-P da gäbs ja noch einiges anderes, wo ich mir manchmal denke "so, jetzt diese ganze seite in ein dreizeiliges dummes Beispiel packen und jeder hats verstanden und merkt sichs" - aber nö.

Weißt du, wie unser Prof uns das komplexe Thema "Kavitation" erklärt hat? Man rühre seinen Kaffee so schnell um, dass sich der Löffel selber überholt. Alles lacht, und ich schwöre, jeder weiß noch immer was das ist und warum die Viskosität einer Flüssigkeit im Pumpsystem so gar nicht nicht-beachtenswert ist...

Schleifen wurden bei uns übrigens an die Boxentüren getackert. In den Regalen standen Whisky und Aschenbecher und das einzige Buch, das mir jemals übern Weg gelaufen ist, war das Vorbereitungsdings für Pass & Nadel und wurde von den Kleinsten als Malbuch benutzt.

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Danke für den Stern :)

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Die Öle dienen einerseits der Energielieferung. Andererseits macht sie der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren essentiell, also lebensnotwendig und damit zu einem wichtigen Bestandteil der Pferdefütterung.

Pferde haben von Natur aus eine hervorragende Verdauungs-kapazität für Öle. Das wird uns klar, wenn man den Hafer, der einen Ölanteil von fast fünf Prozent enthält, betrachtet. Bei einer Haferfütterung von 4 Kilogramm, nimmt das Pferd immerhin schon 200 Milliliter Öl zu sich. Früher erhielten die Pferde sogar mehr Hafer, teilweise sogar 8 Kilogramm, und damit fast 400g Haferöl.

Der heutige Trend zur Gersten- und Maisfütterung geht einher mit erhöhter Kohlenhydratzufuhr und verringerter Ölzufuhr. Da die Gerste nur halb so viel Fett enthält wie Hafer, und Mais vor allem reich an zweifach ungesättigten Fettsäuren (Linolsäure) ist, wurde die Zufütterung von hochwertigen Ölen empfohlen. Dabei spielen vor allem gesundheitlich relevante Vorteile eine Rolle.

Entzündungen mit Öl bekämpfen Zu den bekannten gesundheitswirksamen Ölen gehören die, welche reich an dreifach ungesättigten Fettsäuren sind. Zu diesen zählen die Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren.

Zu den Omega-3-Fettsäuren gehört die Alpha-Linolensäure, die in allen Pflanzen, die Photosynthese betreiben, vorkommt. In der Natur nimmt das Pferd über das Gras bereits hohe Mengen an Alpha-Linolensäure auf. Besonders reich an Omega-3-fettsäurereiche Öle sind auch Leinsamen mit über 50 %, Hanföl mit 17% und Walnussöl mit 13%. Raps- und Sojaöl enthalten hingegen nur um die 8 bis 9 % Omega-3-Fettsäuren.

Im Körper wird die Alpha-Linolensäure zum Teil in die für den Körper wertvollere Eicosapentaensäure(EPA) und in die Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt.

Die Eicosapentaensäure(EPA) ist die Grundlage zur Bildung des Gewebshormons Prostaglandin 3, das im Körper aktiv antientzündlich wirkt.

Viel leichter hat es der Körper, wenn er bereits Öle zu sich nimmt, die bereits reich an DHA sind und damit keine Umwandlung erfordern. Dazu gehören die Fischöle. Auch wenn sie vom Pferd nicht so gerne gefressen werden, wirken sie wesentlich effektiver als das pflanzliche Leinöl.

Nicht weniger wichtig: die Omega-6-Fettsäuren Die nächste wichtige Gruppe der dreifach ungesättigten Fettsäuren sind die Omega-6-Fettsäuren, zu denen die Gamma-Linolensäure zählt. Sie kommt vor allem in Borretschöl (ca. 20 %), Nachtkerzenöl (ca. 10 %) und Hanföl (ca. 3 %) vor. Aus ihr wird die Dihomogammalinolensäure (DGLA) gebildet. Die DGLA trägt zur Bildung von Prostaglandin 1 bei, das auch zur Bekämpfung von Entzündungen beiträgt. Allerdings ist sie auch der Vorläufer der Arachidonsäure, einer vierfach ungesättigten Fettsäure, die zur Bildung von Prostaglandin 2 nötig ist, die zwar Magen und Niere stärken, allerdings das Entzündungsgeschehen forcieren.

Um die positive Wirkung aus der Dihomogammalinolensäure zu gewährleisten, ist eine zusätzliche ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, zum Beispiel durch Leinöl, nötig. Hohe Insulinspiegel hingegen aktivieren die Bildung der Arachidonsäure.

Fettpolster wichtig Eine wichtige Aufgabe der Öle in der Fütterung ist die Energielieferung, ohne dabei den Eiweißgehalt der Ration zu erhöhen. Allerdings sollte man bedenken, dass Öle selbst relativ „leere Kalorien“ in Bezug auf die Mineralisierung des Pferdes darstellen. Zur Bildung von Fettreserven sind Sonnenblumen- und Maiskeimöl (reich an zweifach ungesättigter Linolsäure), Erdnussöl oder Olivenöl durchaus geeignet. Sie stellen auch eine natürliche Vitamin E-Quelle dar.

Entzündungen effizient bekämpfen Will man aber spezielle gesundheitliche Effekte über die Bildung von Prostaglandinen erzielen, macht der Einsatz der oben genannten dreifach ungesättigten Fettsäuren Sinn. Prostaglandine sind Gewebshormone, die kontrollierend auf die Talgabsonderung der Haut wirken können, Enzyme hemmen, die Gewebsschäden verursachen, ja sogar das Verhalten beeinflussen können. Sie harmonisieren das Immunsystem und beeinflussen das Allergiegeschehen positiv, verhindern das Verklumpen der Blutplättchen und verbessern Fruchtbarkeit von Stute und Hengst.

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