Führt zuviel Macht fast immer zum moralischen Verfall?

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1 Antwort

Wissen ist Macht und nichts wissen macht auch nichts.

Worauf beziehst Du das? Erst einmal ist die Frage ob die Moralvorstellung bei der Zielsetzung überhaupt da war. War sie verinnerlicht?

Nimm die französische Revolution. Ihre Forderungen waren noch nicht verinnerlicht. Man hatte andere Dinge real erlebt. Um jetzt das Erreichte zu 'schützen' war dann wohl alles in Ordnung. Die Revolution frisst ihre Kinder.

Übrigens eine stehende Redewendung. Weil gerade gegen angebliche Abweichler mit übelsten Methoden vorgegangen wurde.

Die Angst ist natürlich auch so ein Ratgeber. 'Wenn wir jetzt noch verlieren, dann bin ich dran'. Also lieber andere einschüchtern und bekämpfen.

Der andere Weg zum unmoralischem Handeln führt über die Definition, dass man selber zu den besseren, der besseren Kultur oder was auch immer gehört.

Diese Gruppe, der man angehört findet man eben besonders toll. Ein Angriff soll um jeden Preis verhindert werden. Also verstößt man gegen die eigenen Gesetze. Und begreift weder an dieser Stelle, noch der vorgenannten Stelle, dass die Preisgabe der eigentlichen gesellschaftlichen Werte bereits zeigt wie schwach man ist.

Seit den Anschlägen der RAF erlebe ich immer wieder Diskussionen, was man nicht alles besser und stärker kontrollieren müsse. Man will also eine nach eigener Definition freie Gesellschaft durch Kontrolle schützen.

Macht nicht nur Deutschland so, siehst Du bei jeder Gelegenheit gerade in den Nachrichten. Jetzt sind es eben Religionsgemeinschaften.

Scheinbar einfache Antworten, wie Speicherung von Daten usw. Aussetzung der Rechtsstaatlichkeit wie bei den US-Behörden, die in verschiedenen Ländern Menschen Foltern.

Nur: Durch diese Maßnahmen wird nichts positives erreicht. Obwohl wir alle ja der Staat sein sollten, handeln hier wieder Menschen aus Angst. Bekanntlich ist Angst aber ein schlechter Ratgeber.

Es ist doch eigenartig. Andere Länder haben ihre Gesetze viel mehr verschärft (im Vergleich zu Deutschland). Oder ghettoisieren viel stärker, als das in Deutschland der Fall ist.

Geben schlechteren Zugang, zu noch schlechteren Schulen. Dort haben die Leute von der IS keine Probleme die Verzweiflung der Menschen zu missbrauchen. Es gibt Terroranschläge.

Würde man sich aber mehr Zeit nehmen und mehr über eine menschenwürdige Gesellschaft nachdenken, da käme das gar nicht vor. Ein Feind muss auch Angriffsfläche bieten. Sonst kann ich ihn nicht zum Feind machen.

Über Amerika kann man schnell sagen: Die halten sich für was besseres. Die schicken dauernd Militär in unsere Region. Im Golf sind eigentlich immer amerikanische Flugzeugträger, natürlich oft in Sichtweite der Küste.

Was glaubst Du: Wenn Du jeden Tag wüsstest, dass jemand an Deiner Wohnung vorbei geht. Weil er Dich kontrollieren will und Du für ihn arbeiten sollst. (Die Amerikaner wollen ja hauptsächlich Öl, daher funktioniert der Vergleich) Was wird mit Dir in Deinem Denken passieren?

Es ist die Macht, die Menschen missbrauchen. Aber sie halten die angebliche Freiheit nicht wirklich in Ehren. Sie zeigen ihr wahres Gesicht. Nämlich nur wer lieb ist kann frei sein. Sieht jemand schon anders aus, dann ist vorbei damit.

Es ist also eigentlich für die einzelne Person gar kein Verfall von Werten bzw. Moral. Im Grunde verhalten sie sich wie bekloppte Eltern. 'Du kannst so lange draußen bleiben wie Du willst. Aber wenn Du zu spät kommst, dann bleibst Du die nächsten Tage zu Hause.'

Unser EU-Chef Junker wird sich sicher für einen ganz tollen Demokraten halten. Doch bei Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada will er nicht einmal die Zustimmung der Parlamente abwarten. Nicht einmal öffentlich dürfen die Verträge werden.

Wieso? Er hat Angst. Warum? Weil andere diese Verträge mit anderen Augen sehen als er. Was er auch immer damit verbindet ist ihm so wichtig, dass das alles geheim sein soll.

Auch Demokratie ist ein Wert an sich. Jetzt kann man lange diskutieren wie weit die westliche Demokratie überhaupt entwickelt ist. Die Demokratie nicht voll wirken zu lassen, dass ist also auch so ein Verfall.

Es gibt wenig Menschen, die damit leben können. Also wenn ihre Moralvorstellungen nicht 100% geteilt werden. Macht bedient sich auch immer Strukturen, die im Zweifel dann tatsächlich genutzt werden, um die Sichtweise der Mächtigen zu schützen.

Nicht vergessen: Der Mechanismus läuft überall gleich. Etwas erreichtes schützen wollen. In der Regel aus Angst. Weil man die anderen für nicht stark genug hält.

Darum muss man auch immer auf die aufpassen, die Macht verliehen bekommen haben. Zwischen der Verhinderung von Abstimmungen, Folter oder sogar Mord liegen immer noch Welten.

Ich gehe immer vom Verfall der Moral aus. Das muss gar nicht immer schlecht sein. Schließlich könnte auch jemand die Demokratie so weiter entwickeln, dass das einem Staatschef oder ähnlichen Personen zu weit geht. Für die stellt dann dies auch einen Verfall da.

Darum sollte man aus Gründen der Vorsicht Deine Frage mit einem 'Ja' beantworten.

Mabur 01.07.2016, 10:57

Vielen Dank für diese sehr ausführliche Antwort und gute Antwort, während ich sie las, stellte ich fest, dass ich die Frage nicht eindeutig genug spezifiziert hatte.

Wenn ich sie nochmal stellen würde, dann vielleicht so:

Führt unkontrollierte Macht häufig zu egoistischen Verhalten. Damit meine ich gar nicht so sehr die Moralvorstellungen, sondern ob der Machtinhaber dazu neigt seine Interessen in den Vordergrund zu stellen, bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Interessen seiner Untergebenen - natürlich nur bis zu einem gewissen Grad, weil wirklich alles kann sich ein Machtinhaber sicher auch nicht erlauben.

Hiervon möchte ich demokratische Systeme abgrenzen, weil hier die Macht geteilt wird und der Machtinhaber zur Stützung seiner Macht, darauf angewiesen ist, die Interessen seiner Untergebenen zu berücksichtigen. Wo es jetzt durchaus Unternehmensformen gibt, die sich demokratisch organisieren (was ich sehr spannend finde).

Oder um es anders zu fomulieren, würde es dem Allgemeinwohl dienen, wenn die demokratischen Prinzipien, die jetzt auf großen Strukturen angewandt werden, in Zukunft auch auf die kleineren übertragen werden?

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Dirk-D. Hansmann 01.07.2016, 16:05
@Mabur

Ob kontrollierte Macht oder nicht ist egal. Es ist auch so, dass man in jeder Funktion anders behandelt wird. Erst als Schüler an einer Schule und einige Jahre später als Hausmeister.

Bei Macht geht es nicht immer um direkte Sachen. Ich habe ein Grundstück und lasse da jetzt einen tollen Fußweg bauen.

Macht ist schon, wenn jemand die Leute vom Stadtgartenamt gut kennt. Macht bitte in meiner Straße häufiger den Kehrdienst oder Beete oder solche Dinge, die im Geldbeutel gar nichts ausmachen.

Da geht es schon los und wird damit schon zur Charakterfrage.

Dein Bild von Macht ist damit viel zu eingeengt. Deshalb kann man es eigentlich schon in unserem System beobachten. Weiter siehst Du die Verzahnung von Macht nicht.

Auch wenn eine hochgestellte Person nicht diktatorische Befugnisse hat, so kann sie sehr wohl Entscheidungen beeinflussen. Manchmal reicht es eben jemanden zu kennen...

Und selbst wieder in der Schule: Thema Klassenfahrt. Fünf Leute schlagen ein Ziel vor. Die Lehrerin sagt, dass zwei der Ziele für sie aus Gründen der Aufsichtspflicht zu bedenklich sind und eines sei zu teuer.

Ein durchaus demokratisches Verfahren...

Demokratische Strukturen kann man natürlich auf kleinere Organisationseinheiten anwenden. Das Problem ist, dass man bei Demokratie eigentlich dafür sorgen muss, dass alle die vollständiger Kenntnisse über alle die Wirkungen der Alternativen haben.

Da kann man dann sogar über Wahlen in Europa lachen. Da wählen Menschen Parteien, die überhaupt nicht deren Interessen vertreten. Bei der vorletzten Bundestagswahl hatte die FDP wohl erstmalig WählerInnen aus allen Bereichen.

Da waren nach Medienberichten sogar Hartz-4-BezieherInnen dabei...

Und wenn Du Modelle von Wirtschaftsdemokratie meinst, da ist die Frage was Du demokratisieren willst. Sollen die Leute über die Produktionspläne oder das Marketing entscheiden?

Sollen sie das Gehalt selbst verteilen? Dieses Modell gibt es übrigens.

Vielleicht geht es Dir aber auch um eine demokratische Kontrolle was wie produziert wird. Dann gibt es das Modell der Wirtschafts- und Sozialräte. Vielleicht hat sich da mal jemand die Mühe gemacht dieses System ins Netz zu stellen.

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Mabur 02.07.2016, 13:17
@Dirk-D. Hansmann

Auch wenn eine hochgestellte Person nicht diktatorische Befugnisse hat,
so kann sie sehr wohl Entscheidungen beeinflussen. Manchmal reicht es
eben jemanden zu kennen...

Natürlich stimmt das alles aber darum geht es mir eigentlich gar nicht.

Es gibt halt unterschiedliche Studien zu Führung z.B. eine die zeigt das empathische Menschen leichter in Führungspositionen aufsteigen, aber nach einiger Zeit dann immer egoistischere Entscheidungen treffen - auch wenn das vor der Machtübernahme überhaupt nicht ihr Naturell gewesen ist.

Außerdem gibt es Studien dazu, die zeigen das sich normale Angestellte häufig weniger kompetent einschätzen und ihre Chefs überschätzen. Ich denke da stecken auch sehr viele Hormone hinter. Mein Gedanke ist einfach nur und auch das hat sich in Versuchen bestätigt, dass wenn die Machtlage nicht so einseitig ist: d.h im Klartext nicht nur Chefs ihre Angestellten feuren können, sondern eben auch Angestellten ihre Chefs wählen können, dass die Chefs dann (natürlich) viel stärker das Wohl der gesamten Angestellten im Auge haben (Was sich auch in manchen Studien belegen ließ). Ich möchte hier deutlich machen, dass ich niemanden verurteile nur das ich denke, dass Führungspositionen so wie sie momentan besetzt werden häufig zu einer verqueren Einschätzung der eigenen Person führen.

Aus diesem Grunde gefallen mir auch diese Ansätze mit dem demokratischen Gehalt und eben auch demokratischen Unternehmen (Holokratie), wo Chefs gewählt werden. Aber ich würde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten das ist sicher eine bessere Lösung. Nur das die jetzigen Umsetzungen eben einige Mängel haben - ob sie aber ein notwendiges Übel sind, muss sich noch zeigen. Ich finde im jetzigen System geht sicher viel Potential einer Firma aufgrund interner Machtkämpfe und Überlegenheitspositionen verloren.

Vielleicht kommt die Art der Führung aber auf den Bereich und den Menschentyp an, für einige mag das andere für andere wiederum das andere besser funktionieren. Wer soll das ohne ausreichende Erfahrung auch beantworten können, weißt du da mehr zu?

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