führerlose Flugzeuge - Stirbt der Beruf Pilot aus?

8 Antworten

Wie "gut" das mit den fahrerlosen Autos funktioniert, hat man ja gesehen. Eines dieser Autos hat einen weißen Lastwagen übersehen, der quer über die Straße stand. Ergebnis: Ein Todesopfer, das war der Passagier, einer der Entwickler dieses Systems. 

Also wenn ein Flugzeug dann einen Berg nicht erkennt, weil Schnee drauf liegt ... wäre es vielleicht doch besser, wenn noch ein oder zwei Piloten mit an Bord wären.

Diese Dinge sind beim Flugzeug weniger das Problem. Ein Flugzeug kann heutzutage ja schon komplett autonom fliegen. Nur noch Starten muss der Pilot, sobald das Flugzeug im Steigflug ist, kann der Autopilot alles machen. Bis hin zur perfekten Landung. Anders würde man ein Flugzeug im Nebel gar nicht landen können. Oder generell bei schlechtem Wetter.

Jedoch werden die Piloten aus einem anderen Grund im Cockpit bleiben:

Falls ein Flugzeug doch mal abstürzt, so können die Flugzeughersteller sich rausreden. So werden teuere Zahlungen vermieden.

LG

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@roboboy

Ja, gut, ich sehe es ja ein dass ein Flugzeug da besser ist als ein Auto. Allerdings sehe ich die Akzeptanz für ein Flugzeug ohne Piloten als sehr gering an. "Sehr geehrte Damen und Herren, hier spricht Ihr Autopilot. Ich habe mit dem Landeanflug auf Innsbruck begonnen." Nee, oder?

Also ich finde es recht beruhigend zu wissen, dass da vorne zwei Leute ihren Kopf dafür hinhalten, dass der Flieger auch sicher ankommt. Dann wird er das wohl in den meisten Fällen auch tun :-)

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@Hardware02

"Sehr geehrte Damen und Herren, hier spricht Ihr Autopilot. Ich habe mit dem Landeanflug auf Innsbruck begonnen." Nee, oder?

Ist heutzutage aber schon die Regel. Oft wird nur noch die Landung "per Hand" geflogen, alles andere ist irgendwie verpönt, außer das Wetter lässt nur eine Vollautomatische Landung zu. Auf der anderen Seite gibt es natürlich schon noch relativ viele Manuelle Anflüge, und auch das hat seine Vorteile, jedoch ist ILS-Landung praktisch möglich und wird seit Jahren durchgeführt. Eine Automatisierung des Luftverkehrs wäre sehr einfach.

Es geht heutzutage sogar schon so weit, dass Piloten in schlechtem Wetter (zum Beispiel Wind) den Autopiloten oder besser gesagt die Automatische Schubreglung laufen lassen, da diese schneller als der Mensch reagieren kann.

Also ich finde es recht beruhigend zu wissen, dass da vorne zwei Leute ihren Kopf dafür hinhalten, dass der Flieger auch sicher ankommt. Dann wird er das wohl in den meisten Fällen auch tun :-)

Das ist der andere Punkt und ja, das stimmt. Ein Mensch ist intelligent und kann nachdenken, ein Flugzeug kann nur das machen, was Programmiert wurde. Und wenn ein Flugzeug die Instrumente verliert (was ja schon mal vorgekommen sein soll^^) dann hilft nur der Mensch.

LG

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Ich kopiere hier mal ganz frech jenen Text hinein, denn ich schon die Tage zum gleichen Thema zum besten gegeben habe:

Kaum. Es gibt einen Umstand, der beim Thema Pilotenversagen bis dato nicht ausreichend diskutiert wird. Etwa 90% dieser Abstürze in den letzten Jahren gehen auf das Versagen der Crew zurück auf einen Systemausfall adäquat zu reagieren!Hätte bei der Air France im Südatlantik ein Computer die Fluglagekorrekt interpretiert und ensprechend reagiert? Niemand aber weiss, wieviele Abstürze durch das Eingreifen der Crew in spinnende Technik effektiv verhindert wurden.

Dazu kommt, das es heute keine statistisch relevanten Absturzursachen mehr gibt. So zynisch es tönt, aber es stürzen schlicht nicht genug  Flugzeuge ab, um eine so sichere Datenlage zu erhalten, als dass man mit dem Finger auf jemanden oder etwas zeigen könnte. Wir haben heute fast ausschliesslich sogenannte freak accidents, also Unfälle deren Ursachenketten so abtrus und unrealistisch erscheinen, dass niemand vorher in einer Risikoanalyse darauf kommen konnte. Wenn man etwas aber nicht voraussehen kann, kann man auch keinen Rechner der Welt darauf programmieren. Das war schon der Denkfehler, dem HAL9000 im Film 2001: a Space Odyssey aufgesessen ist: er konnte nicht so perfekt sein, wie er dachte, da er von fehleranfälligen Menschen konstruiert und gebaut wurde.


Dazu kommt: Flugzeuge haben im Gegensatz zu einer U-Bahn oder selbst einem selbstfahrenden Auto einen entscheidenden Nachteil; man kann nicht eben mal rechts ran fahren! Wenn die Technik aussteigt, ist ohne Crew definitiv Ende Gelände. Ich empfehle dazu die Lektüre über das Thema Swiss-Cheese-Model:

https://en.wikipedia.org/wiki/Swiss_cheese_model

Nicht selten ist eben auch die Crew die sichernde Scheibe Käse. Es gibt aber keinen rationalen Grund dafür, aus dem Sicherheitssystem Luftverkehr eine wichtige Scheibe Käse zu entfernen. Nur Kostengründe sprechen dafür.


Hätte bei der Air France im Südatlantik ein Computer die Fluglagekorrekt interpretiert und ensprechend reagiert? Niemand aber weiss, wieviele Abstürze durch das Eingreifen der Crew in spinnende Technik effektiv verhindert wurden.

Sowas würde ich aber mal auf die wirklich bescheuerten Sidesticks von Airbus zurückführen. Der Unfall hätte mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit verhindert werden können, wenn es eine Boeing gewesen wäre. Die Verwirrung wäre dank den Yokes gar nicht da gewesen. Denn wenn der Pilot drückt, muss der Copilot auch drücken und anders herum. Man kann keine 2 sich widersprechende Befehle geben.

Wir haben heute fast ausschliesslich sogenannte freak accidents, also Unfälle deren Ursachenketten so abtrus und unrealistisch erscheinen, dass niemand vorher in einer Risikoanalyse darauf kommen konnte. Wenn man etwas aber nicht voraussehen kann, kann man auch keinen Rechner der Welt darauf programmieren. Das war schon der Denkfehler, dem HAL9000 im Film 2001: a Space Odyssey aufgesessen ist: er konnte nicht so perfekt sein, wie er dachte, da er von fehleranfälligen Menschen konstruiert und gebaut wurde.

Da ist was dran :)

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@roboboy

Sowas würde ich aber mal auf die wirklich bescheuerten Sidesticks von Airbus zurückführen. Der Unfall hätte mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit verhindert werden können, wenn es eine Boeing gewesen wäre. Die Verwirrung wäre dank den Yokes gar nicht da gewesen. Denn wenn der Pilot drückt, muss der Copilot auch drücken und anders herum. Man kann keine 2 sich widersprechende Befehle geben.

Schön wärs, wenn es so einfach wäre. Die ist ja eine Theorie von Chesley Sullenberger - gekoppelte Steuerhörner hätten den anderen beiden Piloten evt. ermöglicht, früher zu erkennen das der fliegende Pilot gerade Mist baut. Gut möglich dass dies hier ein sogenannter contributing factor war, der das ausleiten aus dem Stall erschwerte. Das initiale Problem war aber, dass keiner in der Lage war, die Mühle in grossen Höhen von Hand zu fliegen, nachdem sich Airspeed indicator und Autopilot verabschiedet hatten.

Und hier ist eben der interessante Punkt für das Thema autonomes fliegen: wie müsste eine Steuerungslogik aussehen, die genau da weitermachen kann, wo sie sich heute ausklinkt? Könnte eine Regelelektronik die fehlerhaften Geschwindigkeiten als solche erkennen (und nicht bloss als "unzulässiger Zustand")? Hätte diese die Coolness für die richtige Reaktion (rein mit pitch&power die Fluglage halten, bis man aus der Suppe wieder draussen ist), oder würde sich eine Automatik nicht auch in sich widersprechenden Logiken verheddern? Wie kann man verhindern, dass die Steuerung die Maschine in einen Zustand jenseits ihrer Programmierung bringen kann - und was passiert, wenn dies durch äusseren Einfluss verursacht wird?

Hier sind das rethorische Fragen, die sich in der Realität Ingenieure stellen müssen, aber ein hoch spannendes Thema!

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@LeelouDeSebat

Da kann ich nur zustimmen, beantworten kann ich wohl kaum was davon^^

Lediglich habe ich bei Air France halt mitbekommen, dass der Pilot weg war.

Der Copilot hat Mist gebaut, bzw. das Flugzeug nicht mehr in eine Stabile Fluglage bringen können. Beide merkten auch, dass irgendwas nicht funktioniert. Der Copilot, welcher das Kommando noch hatte, gab die Kontrolle an den anderen Copiloten ab. Dazu muss bei Airbus ja umgestellt werden, welcher Sidestick der "Primäre" ist. Jedoch anstatt die Kontrolle abzugeben schaltete er in einen Modus, der beide Sidesticks gleich berechtigt. 

Die -korrekten- Rettungsversuche (Sidestick nach unten, damit das Flugzeug wieder Geschwindigkeit bekommt) hatten so keine Auswirkungen, da der erste Copilot immer noch am Sidestick zog. 

Dadurch hebten sich die Befehle wieder auf. Deshalb denke ich, ist der eine Faktor hier relativ leicht abzustellen. Künstlicher Hydraulikdruck auf den Yokes/Sidesticks und beide Piloten könnten nur die selbe Eingabe machen. Somit fällt der Faktor Verwirrung, was der andere macht, weg.

Auf jeden Fall zeigt dieses Beispiel, dass Kommunikation extrem wichtig ist. Wenn dafür keine Zeit mehr bleibt, ist solch eine "intuitive" Kommunikation vielleicht auch schon Rettend (mein Yoke bewegt sich, ich weiß, was der andere macht)

LG

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Ja, irgendwann schon. Schließlich wäre es heute ja schon technisch möglich, vollautomatisch zu starten, zu fliegen und zu landen. Also kann es durchaus ein Flugzeug geben, welches nur noch über einen "Purserknopf" ein- und ausgeschaltet wird, wenn alle Paxe an Bord sind oder das Flugzeug verlassen haben. 

Da aber komischerweise gerade in den letzten Tagen schon mehrfach Fragen zu dem Thema gestellt wurde (schreibt da einer vom anderen ab?), bleibt meine grundlegende Antwort (fast) gleich: 

Die Fragen waren u. a. "Wie wahrscheinlich ist es, dass(Fracht) Piloten durch Maschinen ersetzt werden?" und "Braucht man in Zukunft ( 2030-2050) noch Piloten für Flugzeuge" und hier meine Antwort. 

Auch wenn rund 70 % aller Flugunfälle auf menschliches Versagen (meistens Pilotenfehler) zurückzuführen sind, wird es - vorläufig - noch Piloten geben. 

Erstens kann auch die Technik versagen und zweitens ist den meisten Menschen wohl unwohl bei dem Gedanken, nur von einer Automatik abhängig zu sein, obwohl ja auch beim Auto sich der einzelne Fahrer überschätzt und für den besten der Welt hält. Das Ganze ist also mehr eine Sache der Psychologie. 

Ich glaube aber, dass die Kombination von Mensch und Maschine ein guter Kompromiss ist. Trotzdem muss man vorsichtig mit einer Beurteilung sein. 

Airbus treibt ja die Automation schon sehr weit. Hier ist der Pilot nicht mehr der Herrscher der Lüfte (mit Lederkappe, Pelzjacke und Seidenschal), sondern eher Systemmanager. Das erfordert ein ganz anderes Denken, gerade, wenn die Maschine widersprüchliche Daten liefert, die vom menschlichen Gehirn verarbeitet werden sollen (und müssen). 

Nehmen wir den GWI-Absturz. Niemand hätte das (in Europa) für möglich gehalten, aber ein Mensch hat es geschafft, die Technik zu überwinden. Die Frage wäre jetzt, ob ein Roboter (ein Computer oder was auch immer) es zugelassen hätte, dass Menschen zu Schaden kommen durften. 

Es wird mikrowellen- und laserunterstützte Landesysteme geben. Kameras für den nahen und weiten Infrarotbereich oder im UV-Spektrum erkennen Hindernisse auf der Bahn, Induktionsschleifen im Boden lenken die Bugradsteuerung (ist ja auch schon in der Erprobung). 

Hier kommt jetzt der Science-Fiction-Leser von Isaac Asimows "Robotergesetzen" zum Zug, nach denen (es gibt drei Gesetze) eine Gefährdung des Menschen durch Roboter absolut unmöglich ist und sich auch ein Roboter selbst schützen muss. Da wäre, von der Logik her, (ausgenommen ein technischen Versagen wirklich aller Systeme), nichts passiert. 

Das spricht für die Technik, speziell die KI, aber Asimows Robotergeschichten spielen auch weit in der Zukunft. 

Würde ich mich in ein vollautomatisches Flugzeug setzen? Der Verstand sagt ja, aber ganz ganz hinten im Kopf sagt jemand: "Mmh, warte mal noch 200 Jahre." 

Zwei Nachteile sehe ich: 

1. Wo bleibt der Kapitän, der bei einer Bombendrohung eigenständig das Flugzeug durchsucht und immer weiß, ob er den blauen oder den roten Draht zuerst durchschneiden soll? 

2. Das Aufschluchzen der Damenwelt: Der große, schlanke, grauhaarige Pilot mit den Händen, die so zärtlich streicheln, aber im Kampf mit den Elementen auch hart zupacken können, geht endgültig in Rente. Und dann? 

Unwahrscheinlich, jedoch wird sich das Berufsbild ändern und es werden sicherlich auch nicht mehr so viele Piloten benötigt.

Eventuell. Das wird aber lange Dauern. 

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