Führen mehr arrangierte Ehen zu mehr Erbkrankheiten?

7 Antworten

Wenn es sich um kleine Gemeinschaften handelt, die nur untereinander Ehen arrangieren, dann auf jeden Fall. Also religiöse Gemeinschaften wie Amishe haben da deutlich überdurchschnittliche Probleme.

Wenn es ein Brauch ist, wie bis heute in vielen asiatischen Ländern, bei dem die Ehe nicht zu verwandten Familien arrangiert wird, sondern mehr auf ähnliches Bildungsniveau, Einkommen oder beruflichen Hintergrund von Schwiegerfamilie und einheiratendem Schwiegerkind geachtet wird, dann eher nein.

Zumal ich mal gehört habe, dass "Exogamie" (der Ehepartner entstammt einer anderen Sippe - konkret hatte ich vom Nachnamen gehört) in zumindest manchen asiatischen Kulturen obligatorisch (verpflichtend) ist.

Ein Biologe hatte mal die Mun-Sekte als Extrembeispiel genannt - da wurden Ehen ziemlich wahllos/zufällig (jedenfalls von außen gesehen) zwischen Menschen aus möglichst verschiedenen Kontinenten angeordnet, "menschlich natürlich eine Katastrophe, aber vom eugenischen Standpunkt her so ziemlich das Beste, was passieren kann" - eben wegen der maximalen Reduktion von Erbkrankheiten.

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Mehr Erbkrankheiten gibt es tendenziell dann, wenn der Genpool vergleichsweise gering ist. Heiraten häufiger Cousins und Cousinen o.Ä. sind viele ihrer Gene gleich.

Die Gene liegen in Chromosomen in Paaren vor. Es gibt die also zweimal. Steht auf beiden die gleiche, gilt diese Ausprägung. Stehen auf beiden Chromosomen eines Paares unterschiedliche Erbinformationen, "gilt" die dominante Variante. Die rezessive Variante bleibt inaktiv.

Viele Erbkrankheiten sind rezessiv. Jeder trägt einige dieser Gene in sich. Bei der Zeugung von Kindern werden die Chromosomenpaare aus je einem Chromosom von Vater und Mutter gebildet. Solange beide Eltern unterschiedliche fehlerhafte rezessive Erbinformationen haben, kann es nicht passieren, dass das Kind zweimal die "Falsche" Variante bekommt. Umso gleicher die "Fehler" in der DNA der Eltern ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass das Kind an irgendeiner Stelle zweimal die rezessive Variante erhält - und wenn das dann eine Erbkrankheit ist, ist das blöd.

Werden Ehen immer wieder in einem vergleichsweise kleinen Kreis geschlossen, gibt es tendenziell mehr Erbkrankheiten. Ob die Ehen dabei arrangiert werden oder von selbst entstehen, ist eher zweitrangig - wobei beim verlieben der Körper häufig unbewusst einen Partner, der dem Geruch nach passende ist, wählt. Werden Ehen arrangiert, indem z.B. die Frau an einen fremden Mann verkauft wird, ist dagegen stark davon auszugehen, dass es hier keine großen Überschneidungen im Genpool gibt - was tendenziell für eine ähnlich hohe Wahrscheinlichkeit für Erbkrankheiten wie bei einer freien Wahl sorgen sollte. In der Zucht von professionellen Zucht von Tieren wird der passende Paarungspartner teilweise durch eine genetische Untersuchung bestimmt. Würde man das bei Menschen machen, würde in diesen arrangierten Ehen die Wahrscheinlichkeit für Erbkrankheiten geringer sein als bei einer freien Wahl. Zudem könnte man auch höhere Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Eigenschaften der Kinder schaffen.

Es gibt aber auch Erbkrankheiten, die nicht durch fehlerhafte Genetik bei den Eltern hervorgerufen werden. Bei manchen weiß man bislang nicht wie diese beeinflusst werden, tendenziell sind sehr junge Väter (Teenager) und vergleichsweise alte Mütter mit einem etwas höheren Risiko für Erbkrankheiten verbunden - diese Risiken kommen zu den oben beschrieben dazu.

Wenn sie innerhalb der Familie stattfinden ja

Wie eine Ehe zustande gekommen ist macht doch keine Aussage ob die Ehepartner verwandt sind oder nicht.

Erbrankheiten treten dann vermehrt auf wenn das verpaarte Genmaterial zu ähnlich zueinander ist.

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