Fühle mich vom Arzt abgefertigt und im Stich gelassen?

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7 Antworten

Hallo,

zuallererst einmal, es ist völlig falsch verstanden und veraltet, bei jeder Form von Schmerz, so lange wie möglich ohne Schmerzmittel auskommen zu wollen. Inzwischen weiß man, dass Schmerzen das Schmerzgedächtnis aktivieren. Wenn man das nicht rechtzeitig und intensiv genug bekämpft, kann sich eine eigene Schmerzkrankheit entwickeln, die sich verselbständigt und chronisch wird. Selbst wenn dann die Grunderkrankung längst ausgeheilt ist, wird man so zum chronischen Schmerzpatienten. Daher Schmerzen nie aushalten wollen, sondern lieber gleich etwas nehmen. Dies aber nur generell und als Einleitung gesagt.

Natürlich weiß hier niemand, wie stark deine SkOliose ist und wie ausgeprägt der Morbus Scheuermann bereits ist (Wie alt bist du?). Allerdings reichen diese Diagnosen bereits aus, um z.B. nach zwei, drei Tagen mit Erkältung im Bett, zu massiven Muskelverspannungen zu führen, die höllische Schmerzen verursachen können. Insofern hat der Hausarzt völlig richtig gehandelt, zuerst einmal ordentlich Schmerzmittel zu verordnen.

Eigenmächtiges Absetzen solcher Medikamente ist nie klug, da wir als Patienten und Laien nicht wissen, welche Medikamente man von jetzt auf gleich absetzen kann und welche man langsam wieder ausschleichen muss. Tramabian zum Beispiel enthält eine Substanz, die man schrittweise unter ärztlicher Aufsicht langsam reduzieren muss.

Auch dein Orthopäde hat völlig richtig und lege artis, also entsprechend den ärztlichen Richtlinien, gehandelt. Du darfst ihm schon zutrauen, dass er ab- und einschätzen kann, wie weit die vordergründige Schmerzfreiheit auf die medikamentöse Therapie zurückzuführen ist. Außerdem hätte er dich ohne den Medikamenten gar nicht gescheit untersuchen können, da du sonst viel zu sehr durch Schmerzen beeinträchtigt gewesen wärst. Immerhin sind deine bereits vorhandenen Diagnosen anscheinend schon aussagekräftig genug, um solche Schmerzattacken zu rechtfertigen. Aber, wie gesagt, das kann hier niemand beurteilen, denn das könnte nicht einmal ein Arzt, ohne die genauen Befunde zu kennen.

Reha-Sport ist auf jeden Fall eine gute Sache, um Bauch- und Rückenmuskulatur zu kräftigen und nebenher müssen die Ärzte zu einer vernünftigen Schmerztherapie für dich finden. Dafür gilt immer der Grundsatz: "So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig". Die Einstellung nimmt aber IMMER der Arzt vor und wenn du daran etwas ändern möchtest, weil du denkst, es ist zu viel oder zu wenig, darfst du das nur in Absprache mit dem Arzt machen. 

Zusammenfassend sehe ich nicht, dass deine Ärzte Fehler gemacht haben, oder dich im Stich gelassen hätten. Solltest du dich aber bei der Therapie nicht wohlfühlen, oder den Eindruck haben, nicht gut mit Medikamenten eingestellt zu werden, suche bitte einen Schmerztherapeuten auf. Das sind auf diesem Gebiet speziell ausgebildete Ärzte, die noch viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung haben, als Ärzte ohne diese Ausbildung. Im Hauptfach handelt es sich dabei in erster Linie um Fachärzte für Anästhesie und Intensivmedizin, was eine sehr sinnvolle Kombination mit Schmerztherapie ist. Wo in deiner relativen Nähe Fachärzte mit dieser Ausbildung praktizieren, erfährst du am einfachsten durch einen Anruf bei der Ärztekammer.

Was du vor allem jetzt brauchst, ist etwas mehr Geduld und ein wenig mehr Vertrauen zu den Ärzten. Besprich dich genau mit dem Arzt, dem du am meisten vertraust, halte dich aber dann bitte auch genau an die Anweisungen. Wenn du etwas nicht verstehst, frage ausführlich nach und kümmere dich nicht um die Zeit des Arztes und andere Patienten. Er weiß schon, welchen Patienten er gerade mehr Zeit widmen muss und welche er schneller abfertigen kann. Das ist nicht deine Verantwortung. Mit falsch verstandener Rücksichtnahme schadest du dir nur selbst. Auch Notärzte und Krankenwagen sind für dich da, wenn du sie brauchst. Du nimmst niemandem etwas weg, wenn du einen Notruf rufst.

So, Ende der Litanei und Amen! Woher ich meine Weisheiten beziehe? Erstens aus meiner intensiven Ausbildung in Anatomie und funktioneller Anatomie, zweitens aus eigener leidvoller Erfahrung nach unter anderem vier Wirbelsäulen-Operationen und drittens aus 14jährigem Zusammenleben mit einem Internisten, der sehr eng mit Orthopäden und Chirurgen zusammengearbeitet hat, bevor ich meinen jetzigen Mann kennengelernt habe. Da bekommt man auch sehr viel mit.

Ich wünsche dir alles Gute und einen guten therapeutischen Weg.

Liebe Grüße 

Lilly "Tanzistleben"

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Kommentar von AnqelMGC
08.07.2016, 13:47

Vielen Dank erst einmal für deine sehr ausführliche Antwort.

 Zuerst einmal möchte ich sagen:

Villt ist es etwas "veraltet" so zu denken. Aber ich bin halt der Meinung, dass heutzutage "bei jedem wehwehchen ein Pillchen" an der Tagesordnung ist.
Und damit gehe ich einfach nicht konform.
Die Körper lernen diese Stoffe kennen und werden Immun dagegen.
Und dann hilft nur noch mehr. 
Dem will ich einfach entgegen wirken und meinem Körper nur dann bestimmte Schmerzmittel o.ä. zuführen, wenn ich es wirklich für nötig halte/brauche.

Zu deiner Frage.

Ich werde in wenigen Tagen 24 und Scheuermann, sowie Skuliose wurde bei mir entdeckt (aufgrund von häufigen Rückenschmerzen) als ich 13 war.

Wie ich als Zusatzinfo ja bereits schrieb, hatte ich vorher eine Woche lang eine Grippe. Viel Husten, viel Niessen usw.

Diese ist würde ich einschätzen seit gestern weg.

Warum ich die Tropfen inkl. Ibu einfach abgesetzt habe?

Darum:

Ich habe heute 3 Stunden beim Orthopäden verbracht.
Den Termin heute habe ich nur bekommen auf drängen meines Hausartztes.

Eigentlich wollte er mich zu einem anderen Orthopäden schicken, da bekam er aber nur die Auskunft:"Termine erst ab Ende September"

Auch beim Hausarzt saß ich Montag, sowie auch gestern 1 1/2 Stunden.

Das ist mitunter ein Grund, warum ich der Meinung bin, es sollte nicht jeder immer wegen jedem wehwehchen zum Arzt rennen.
Alles ist überfüllt und man muss ewig warten.

Und das war auch der Grund, warum ich garnicht erst daran gedacht habe nochmal zum Arzt zu gehen um zu fragen ob ich sie weglassen soll um zu gucken ob's noch da ist...

Mich da über ne Stunde hinsetzen um ihm eben die Frage zu stellen.. mh.. Naja da hat wohl jeder eine andere Ansicht.

Das mit dem "besprich dich mit dem Arzt wo du dich wohlfühlst" ist so ne Sache.
Ich bin vor 3 Monaten hier hergezogen aus 100km Entfernung.

Ich kenne die Ärzte hier 0 und die mich genauso wenig. >.<

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Selbstverständlich können die Schmerzen von einem eingeklemmten Nerv oder falsch gelagerten Muskel kommen. Das kann man aber auf einem Röntgenbild nicht sehen.

Du mußt Dir Deinen Schmerzzustand wie einen Kreislauf vorstellen => Schmerzen => falsche Haltung => eingeklemmter Nerv, verspannter Muskel => stärkere Schmerzen. Um eine Entspannung der Muskulatur zu erreichen, muß diese Schmerzblockade gelöst werden, deshalb gibt man Schmerzmittel. => keine Schmerzen => Muskelentspannung => Nerv/Muskulatur frei=> normale Haltung => keine oder wesentlich geringere Schmerzen.

OK, über die Menge der Medis kann man diskutieren oder auch nicht. Da Vorerkrankungen vorliegen, die, wie Mücke schon sagte, eine der wesentlichen Ursachen für die nicht normale Haltung sein dürften, hat Dein Arzt die Dosis vermutlich höher euingestuft, einfach, um die Schmerzblockade aufzuheben. Wenn Du die Medis nie zuvor genommen hast, kannst Du auch nicht wissen - und Dein Arzt auch nicht - wie Du darauf reagierst. Ich könnte z. B. eine ganze 100 ml Flasche Novalgin trinken, die würde mir nicht helfen, von Schmerztabletten ganz zu schweigen.

Ich finde überhaupt keinen Anhaltspunkt, daß einer von beiden Ärzten nicht korrekt gehandelt hat und bin sicher, daß Dein Hausarzt Dich nicht zu einem anderen Orthopäden überweist. Alle Ärzte kochen nur mit Wasser, auch die Im Krankenhaus. Bis Medikamente wirken, dauert es eben manchmal. Hätte man Dir von der Einnahme VOR der Untersuchung abgeraten, wärst Du doch vermutlich gar nicht dorthin gekommen, wenn die Schmerzen so stark waren oder nicht?

In keinem Fall solltest Du ohne ärztliche Absprache die Dosierung ändern. Dafür ist der Arzt da, denn der kennt Deinen Krankenakte und kann das einschätzen. Gerade bei Novaminsulfon kann es auch zu Entzugserscheinungen kommen, wenn man sie abrupt absetzt. Niemand von uns kann das hier, und es würde Dir auch nicht wirklich weiter helfen, wenn wir Dir falsch raten.

Die Physiotherapie erscheint mir von hier aus die wirksamste Maßnahme und leichte! Bewegung. Nur nicht still sitzen oder liegen, das verschlimmert das Ganze vermutlich. Aber Du hast ja Deinen Arzt gegenüber. Gute Besserung.

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Kommentar von AnqelMGC
08.07.2016, 13:17

Mein Hausarzt meinte zum Beispiel ich soll dort hin und ein Röntgen Bild sowie ein MRT machen lassen. Der Orthopäde sagte mir dann aber das wir kein MRT machen brauchen.

Mein Hausarzt sagte mir auch, dass er mir die Schmerzmittel gibt, damit ich mich wieder normal bewege und nicht in dieser krummen Haltung (Zur Schmerzlinderung) bleibe. Das finde ich ja auch okay und den Sinn dahinter verstehe ich auch.

Gegen meine Hausarzt sage ich ja auch gar nichts. Der macht dat schon janz gut ;P Hab mich halt einfach beim Orthopäden so weggeschickt gefühlt.

Ich hatte meinen Hausarzt gestern noch gefragt ob ich dann besser ohne Schmerzmittel hingehen soll (Auch wenn ich nicht gewusst hätte wie). Aber er meinte ich soll die unbedingt nehmen.

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Das Röntgen war o.B. ? 

Was erwartest du nun wenn der Orthopäde nichts findet ? Deine akuten Schmerzen können durchaus muskuläre / neurolog. Ursachen haben ( Verspannungen, Blockaden, Reizung von Nervenwurzeln) . 

Analgetika sind hier eine übliche Therapieform. 

Zusätzlich kann Physio und Bewegung allg. helfen. 

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Kommentar von AnqelMGC
08.07.2016, 12:04

Röntgen war in sofern ohne Befund, dass er sagt es erkläre nicht meine Schmerzen. Er sah halt auf dem Röntgen, dass ich eine Skuliose habe, abgenutze Wirbelsäule durch die Fehlbildung/Fehlstellung und Scheuermann.
Das mit Scheuermann und Skuliose war mir allerdings bereits bekannt.

Ja gegen die Reha sag ich ja garnichts.

Tut meinem Rücken auch wohl gut. Und das werde ich auch machen. Also soll ich einfach abwarten, die Medikamente weiter nehmen und sie irgendwann mal absetzen wenn ich denke dass es weg ist? 

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Geh ins Krankenhaus, da können sie dich auf alles untersuchen. Bei Deinen starken Beschwerden ist das durchaus gerechtfertigt, und dort können sie dich auch nicht so leicht abfertigen. Sag denen einfach ganz deutlich, wir schlecht es Dir geht. Hoffe, dir geht's bald wieder besser. Lg 

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Kommentar von AnqelMGC
08.07.2016, 12:12

Als es mir Donnerstag morgen so schlecht ging war ich kurz davor einen Krankenwagen zu rufen. Wenn es mir nach Einnahme der Schmerzmittel und dem Schläfchen nicht besser gegangen wäre, hätte ich nicht mal zum Hausarzt laufen können (Und der ist direkt gegenüber) Aber bei sowas bin ich immer sehr zögerlich. Es brauchen villeicht andere gerade dringender.
Genauso wie das nehmen von Tabletten.
Ich mag es nicht mich auf Schmerzmittel zu fixieren und dann wird das schon so ungefähr.
Ich will genau wissen was es ist und es dann beseitigen.

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Arzt: Wenn Sie Schmerzen haben, dann ja.

Mein Hausarzt meinte aber gestern noch (weil ich sie ja blöderweise Mittwochs abgesetzt hatte weil ich dachte es sei weg):

Setzen sie die Medikamente nicht einfach ab. Das was sie haben wird nicht von alleine weg gehen. Das kommt Ihnen nur so vor wegen den Schmerzmitteln.

Jetzt kommt es mir so vor als ob mir der Arzt heute klar machen wollte, dass ich gar keine Schmerzen habe (Obwohl er mich ja mit reichlich Schmerzmittel intus untersucht hat) und es nur ein verspannter Muskel sei.

Was soll ich jetzt tun?

Er hat mir Rehasport Verordnet und das wars. -.-

Fühle mich echt im Stich gelassen.

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Kommentar von user8787
08.07.2016, 12:03

Der Orthopäde hat angemessen gehandelt....

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Die Heilung einiger Beschwerden dauert halt. Du bist zu ungeduldig. Medikamente wirken nicht alle von jetzt auf gleich.

Ich kann nicht erkennen, dass irgendetwas falsch gemacht wurde. Warum sollte der Arzt dich nicht abtasten? Du willst doch schließlich, dass dir geholfen wird, oder? Dafür sind Untersuchungen erforderlich und das Abtasten gehört dazu.

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Kommentar von AnqelMGC
08.07.2016, 12:05

Klar kann er mich abtasten. Aber wäre es nicht sinnvoller, wenn man das macht ohne das ich Schmerzmittel intus habe?
Ich mein, ich kann ihm ja schlecht sagen "Ja, die Bewegung tut weh. Nein die nicht. Die wiederum schon" wenn ich gar nix von dem Schmerz merke aktuell oder?

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Ich würde mich an deiner Stelle an einer anderen Arzt wenden. Es ist ja keine Option dich täglich mit diversen Schmerzmitteln vollzupumpen und ansonsten dich zu quälen.

Schildere dem Arzt deine Situation, wie du es hier getan hast. Du brauchst auf jeden Fall eine zuverlässige Diagnose (ein verspannter Muskel verursacht nicht tagelang solche starken Schmerzen). Schließlich muss erst die Ursache geklärt werden und diese bekämpft werden, anstatt nur die Symptome zu lindern.

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Kommentar von AnqelMGC
08.07.2016, 12:08

Genau das ist ja auch meine Einstellung. Wenn es etwas sein sollte, was eben nicht von alleine weg geht, dann kann ich ja nicht einfach meine Schmerzmittel nehmen und das wars.

Davon wird es auf Dauer ja nicht besser.
Es sei denn natürlich es ist was, was von alleine weg geht.

Und da ich seit ich denken kann bereits Rückenprobleme habe, Skuliose und Scheuermann, kenne ich Rückenschmerzen sehr wohl. Ich habe des öfteren mal das Becken verschoben, verspannte Muskel oder ähnliches. Das hat man dann eben öfter.
Aber so etwas wie seit Montag hatte ich noch NIE und deshalb fühl ich mich einfach irgendwie falsch behandelt

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