Fristloser Arbeitsvertrag, Kündigung, Bitte um Hilfe?

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7 Antworten

Oh je, das ist wirklich schlimm. Vermutlich kannst du wirklich nichts dagegen unternehmen, wenn du aufgrund mangelnder Auftragslage gekündigt wirst. D.h. es sind wirtschaftliche Gründe, der AG hat Verantwortung für noch ein paar andere Mitarbeiter.
Am besten du suchst sofort wieder einen neuen Job. Soweit ich mich erinnern kann, muss er dir Zeit für die Vorstellungstermine freigeben (bis maximal 1 Tag pro Woche). Aber erkundige dich bei der Vertretung für Arbeitnehmer (in Österreich die Arbeiterkammer) oder Gewerkschaft.
Wünsche dir viel Erfolg bei der Arbeitssuche.

Ist sehr bitter die Sache für mich und er kündigt mir aba nicht auf papir sondern mündlich wegen mangelnder auftragslage.

Verstehe ich nicht.

Das hier klingt für mich, wie aus einem Schreiben entnommen.

hiermit kündigen wir das mit ihnen bestehende beschäftigungsverhälnis ordentlich und fristgemäß zum 15.02.16.

die Kündigungsfrist von 4 Wochen ergibt sich gemäß laut § 622 ABS. I
BGB, weil sie noch keine zwei Jahre in unserem Betrieb beschäftigt sind.

Auf ihr Beschäftigungsverhältnis ist das Kündigungschutzgesetz nicht
anwendbar, da wir weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigen und sie nach
dem 01.01.2004 eingetreten sind. Eine Kündigungsschutzklage ist deshalb
von vornherein ohne Aussicht auf Erfolg.

Also ist die Kündigung auf Papier. Ich bin mir nicht sicher. Denke aber, dass du nicht viel machen kannst. Mangelnde Auftragslage ist ein berechtigter Kündigungsgrund. Es sei denn du kannst nachweisen, dass die Auftragslage nicht mangelnd ist sondern gegenteilig. Ist nen hartes Brot was du verdauen musst. Ich bin da auch schon durch. Ich wünsch dir viel Glück und Erfolg. Ob nun in dem Betrieb oder einem anderen. Ich fühle mit dir!

Abgesehen von der korrekten Antwort Schopenhauers kann dein Chef dich grundsätzlich bei Kündigung unter Anrechnung des bestehenden Urlaubsanspruchs freistellen. Allerdings beträgt der bestehenden Urlaubsanspruch in der ersten Jahreshälfte nur 1/12 des Jahresurlaubs pro gearbeitetem Monat.

Die Kündigung ist wahrscheinlich unwirksam.

Grundsätzliches bei Kündigung durch Kleinbetrieb:

Zunächst ist wichtig, ob die Angabe "weniger als 10 Mitarbeiter" der Wahrheit entspricht.

Sollte das so sein, dann greift das Kündigungsschutzgesetz nicht; eine Kündigung ist daher leicht möglich.

Man genießt nur einen Grundkündigungsschutz und ein Sonderkündigungsschutz für gewisse Personengruppen (z. B. ArbN ist schwerbehindert - dann muß das Integrationsamt zustimmen); der Grundkündigungsschutz schützt allerdings nur bei Kündigungen bei Verstoß gegen Treu und Glauben, Verstoß gegen die guten Sitten, Diskriminierung und es muß ein Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme eingehalten werden.

Aus dem, was Du geschildert hast, ist kein Aspekt abzuleiten, der die Kündigung unwirksam machen würde, sondern es scheint sich um betriebliche Gründe zu handeln; diese liegen in der Beurteilungssphäre des ArbG.

Eine Kündigungsschutzklage kann dennoch versucht werden um ggf. einen kleinen Betrag als Abfindung zu erhalten; beim Gütertermin wird das meist vom Richter angeboten; mehr als ein halbes Gehalt ist aber nicht wahrscheinlich; der Betrieb braucht sich auch nicht darauf einlassen und könnte es auf ein Urteil ankommen lassen, bei dem die Kündigung wohl auch ohne jegliche Abfindung bestätigt wird.

Der Resturlaub sollte genommen werden, ansonsten muß er vergütet werden.

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ABER

Bzgl. der Kündigungsfrist kommt es darauf an, was im Arbeitsvertrag vereinbart wurde; wenn keine vom Gesetz abweichende Kündigungsfrist vereinbart wurde, ist die Kündigung unwirksam; zudem wurde die angeführte gesetzliche Regelung falsch angegeben:

Kündigungsfrist arbeitgeberseitig:

"einen Monat zum Ende eines Kalendermonats"

Der angeführte Absatz 1 gilt nur bei einer Kündigung des Arbeitnehmers.

Daher sollte doch Kündigungsschutzklage eingereicht werden, da die Kündigungsfrist zu gering ist, wenn nichts anderes im Arbeitsvertrag steht.

Damit wäre die Kündigung unwirksam - Du würdest dann eine neue Kündigung erhalten, würdest aber entsprechend länger noch Gehalt beziehen.

Die Kündigungsschutzklage muß zwingend innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht erhoben werden.

Kommentar von DerSchopenhauer
19.01.2016, 00:22

Geschickterweise sollte die Kündigungsschutzklage so eingereicht werden, daß eine erneute Kündigung erst im Februar bei Dir eingehen kann - Du hast 3 Wochen nach Kündigungszugang Zeit, denn dann würde das Arbeitsverhältnis erst zum 31.03.2016 beendet werden können (wann ist die Kündigung denn bei Dir eingegangen? ggf. ist auch der Zugang der Kündigung bereits verspätet, wenn zum 15.02 gekündigt wird, sofern das wegen der arbeitsvertraglichen Regelung zulässig wäre)

Bitte poste mir den genauen Wortlaut der Kündigungsfrist des Arbeitsvertrages.

Bei der erneuten Kündigung sind dann die angesprochenen grundsätzlichen Aspekte bei der Kündigung in einem Kleinbetrieb zu prüfen.

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Kommentar von SweatTechnique
19.01.2016, 00:24

Oh, Mist! Also das

einen Monat zum Ende eines Kalendermonats

wusst ich auch nicht. Damit hätte ich meine Firma auch einen kleinen Tritt in den Hintern geben können die mich aus, angegeben "wirtschaftlichen Gründen", in Wirklichkeit aber, wegen Krankheit, an meinem Geburtstag, ins Büro gerufen hatte, um mich zu kündigen, und dann auf überrascht tat, als sie es im Verlauf des Gesprächs von mir noch ein Mal hörten. Aber jetzt weiß ich das fürs Nächste Mal.

Übrigens den Resturlaub würde ich mir auszahlen lassen. Wenn ich mich nicht irre werden ungenutzte Urlaubstage etwas höher vergütet, so wars mal bei mir. Außerdem hat man dann ein kleines Polster, wenn man nicht sofort wieder Arbeit findet.

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Kommentar von Familiengerd
19.01.2016, 12:44

zudem wurde die angeführte gesetzliche Regelung falsch angegeben:

[...]

Der angeführte Absatz 1 gilt nur bei einer Kündigung des Arbeitnehmers.

Das ist falsch!

Die Kündigungsfrist wurde korrekt angegeben! In den ersten 2 Jahren des Arbeitsverhältnisses gilt BGB § 622 Abs. 1 (4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats) sowohl für den Arbeitnehmer wie auch den Arbeitgeber!

Eine Kündigungsschutzklage wäre hier völlig unsinnig, wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass die Kündigung sittenwidrig, willkürlich, gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstoßend oder ohne ein Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme ausgesprochen wurde.

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Wie ist es eigendlich mit meinen urlaubstagen? Chef will mich ne weile in urlaub schicken. Muss das noch über die aktuelle lohnabrechnung, die ja aba erst kommtabschecken, ok das läuft so nicht... aba wie wäre das? arbeitskolleg sagt, zb würde ich meinen kompleten jahresanspruch an tagen jetzt nehmen, wäre der beim nächsten betrieb, falls ich gleich was finde gestrichen? das wäre ja bitter wenn mein chef mir so ein angebot macht! und ja HELFT mir bitte weil bin heute in ziemlicher schockstarre, ich bin so ein mensch der so nachrichten als erst ma verdauen muuss

Nun, wenn Sie Mitglied bei einer Gewerkschaft sind sollten Sie sich mit dieser unverzüglich in Verbringung setzen.

Weiterhin würde ich Ihnen Raten das zitierte Gesetz einmal genauer nachzulesen und sich selbst von den Angaben der Firma zu überzeugen.

Leider kann ich Ihnen bezüglich des deutschen Arbeitsrechts in nicht fundiert genug helfen, da ich nicht in Deutschland ansässig bin, aber üblicherweise ist es so, dass wenn die Kündigungsfrist von 6 Monaten abgelaufen ist, Sie  jedoch zu dieser Zeit noch immer Angestellter waren sind Sie zu einem festen Mitarbeiter geworden.

Was bedeutet, dass die Kündigungsfrist üblicherweise eingehalten werden muss.

Ich rate Ihnen sofort einen Termin mit einem Anwalt anzufordern und sich diesbezüglich beraten zu lassen, was die Kosten für den Anwalt angeht besteht immer die Möglichkeit sich mit diesem um Ratenzahlungen oder auf anderen Wegen zu einigen, doch die erste Sitzung würde ich sofort Zahlen, dieses Geld zu investieren kann sich durchaus lohnen. Viel Erfolg.

 

MfG

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