Fristlos kündigen bei Schimmelbefall

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8 Antworten

Die Gerichte (z.B. AG Köpenick, AZ: 17 C 475/00) bewerten Schimmelpilz als einen „erheblichen Mangel“, der zur Minderung berechtigt und gehen bei großflächigem Schimmelbefall zumeist von einer erheblichen Gesundheitsgefährdung aus, die Mieter/innen neben der Mietminderung zur fristlosen Kündigung berechtigt (z. B. AG Neukölln, AZ: 6 C 586/99).

http://www.bmgev.de/mietrecht/tipps-a-z/artikel/schimmel.html

Angezeigt habt ihr es ja sicher oft genug, wenn es dazu noch großflächig ist dürften die Bedingungen erfüllt sein.

Fristlos kündigen kann man bei Schimmel nur, wenn eine erhebliche Gesundheitsgefährdung vorliegt. Diese muß nicht nur mit einem ärztlichen Attest, sondern einem toxischen Gutachten nachgewiesen werden. Die bloße Behauptung, daß hier eine Gesundheitsgefährdung vorliegt, ist nicht ausreichend.

Aber ich frage mich, weshalb Ihr nur angekündigt eine Mietminderung vorzunehmen, es aber bisher unterlassen habt.

So wie hier beschrieben wäre das richtige Vorgehen gewesen:

http://www.bmgev.de/mietrecht/tipps-a-z/artikel/schimmel.html

Noch ein Hinweis: Wenn ihr fristlos aufgrund des Schimmels und daraus resultierenden Gesundheitsgefährdung kündigt, dann kehrt sich die Beweislast um, d.h. als Mieter müßt ihr diese erhebliche Gesundheitsgefährdung nachweisen und auch, daß die Schimmelbildung so eklatant fortgeschritten war.

Weshalb kündigt ihr nicht ordentlich, diese Kündigung muß dann spätestens am 4.11.2011 dem Vermieter vorliegen und wird dann zum 31.1.2012 wirksam, als einen Rechtsstreit mit einem erheblichen Kosten- und Beweisrisiko einzugehen?

Ihr habt es ja schon soweit richtig gemacht.

Mängelmeldung per Einschreiben,Fristsetzung zur Behebung,Mahnungen.


Macht Bilder als Beweisgrundlage!

Meiner Meinung nach könnt Ihr fristlos kündigen nach §§ 543, 569 BGB .

Hier ein Urteil:

BGH, 18.04.2007 - VIII ZR 182/06 Die außerordentliche fristlose Kündigung eines Mietverhältnisses über Wohnraum wegen erheblicher Gesundheitsgefährdung nach § 543 Abs. 1, § 569 Abs. 1 BGB ist grundsätzlich erst zulässig, wenn der Mieter dem Vermieter zuvor gemäß § 543 Abs. 3 Satz 1 BGB eine angemessene Abhilfefrist gesetzt oder eine Abmahnung erteilt hat.

BGB § 542 Abs. 2, § 543 Abs. 1 und 3, § 569 Abs. 1, § 575 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2

TomRichter 28.10.2011, 16:44

Von "erheblicher Gesundheitsgefährdung" war aber in der Frage nicht die Rede. Dass diese vorliegt, muss der Mieter beweisen. Ob diese vorliegt, hängt von Art und Menge des Schimmels ab, ohne Gutachter ist das nicht einzuschätzen.

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Ihr befreundeter Jurist hat leider nicht recht. Die Kündigungsfrist muss eingehalten weiter. Also 3 Monate. Weiter hätten Sie selbst auch einen Gutachter beauftragen können, wenn Sie ein fachliches Ergebnis haben wollten. Der Vermieter ist zwar zunächst zur Beseitigung des Schimmels zuständig, aber einen Gutachter muss er nicht zwingend bestellen. Schimmel in Schlafzimmerecken deutet leider in 99% der Fälle auf ein falsches Nutzerverhalten hin, d.h. zu geringe Beheizung und falsches Lüften. Das weiß jeder Gutachter und auch Richter.

Ich gehe bestimmt nicht in Vorkasse und renne dann wieder unserem Vermieter hinterher. Das hatten wir damals schon, als wir einziehen sollten. Er hatte noch nicht mal das Badezimmer komplett gefliest,was wir dann haben machen lassen. Wir haben uns alle quittieren lassen und wollten das Geld einklagen, allerdings waren die Kosten zu gering, als das sich eine Klage lohnt, da es sich nur um ca 400-500 Euro handelte, die wir hier reingesteckt haben. Die Wohnung war nicht mal fristgerecht bezugsfertiug, aber wir mussten halt einziehen, da wir sonst auf der Straße gestanden hätten! Zur Erklärung der Schimmel befindet sich nicht nur in den Ecken, es fing an mit der Feuchtigkeit die von Oben runterzog, dann runterzog, wie wir feststellten. Die Regenrinne, sowie die Fassade des Nebenhauses sind rissig und komischerweise fängt die Nässe, der Schimmel genau dort an ! Unser Nachbar über uns, hatte ein Jahr lang keine Heizung in seiner Wohnung. Wir vermuten das sich das dadurch gebildet hat. Diesen Vorwand mit dem Lüften kann ich auch nicht mehr hören. Ich lüfte fachmännisch und da unser Schlafzimmer zu Balkon grenzt, ist das wohl keine Frage, dass wir regelmäßig unsere Balkontüre o.Fenster öffnen. Wir haben ganz normal geheizt, aber wie gesagt unser ehemaliger Nachbar über uns hatte ein Jahr lang keine Heizung. Dadurch waren die Decken oben und so natürlich ein ganze Jahr kalt und vielleciht entstanden so Kältebrücken. Bei dem hat sich unser Vermieter übrigens auch nicht gerührt und der ist jetzt auch ausgezogen, weil er keine Lust hat noch einen Winter ohne Heizung zu verbringen. Dann werden wir durch einen Gutachter beweisen, dass wir nicht falsch gelüftet haben, weil es einfach nicht stimmt.

Also die Mietminderung haben wir durchgesetzt, allerdings bekommen wir ja nicht mal daraufhin eine Reaktion. Das Problem ist, dass der neue Vermieter nicht bis zum 31.01 und ich auch nicht einsehe noch länger zu warten. Teilweise mieft der Schimmel so arg, dass wir schon zeitweise im Wohnzimmer nächtigen. Die teure Tapete nimmt auch immer mehr Schaden und im Schlafzimmer stehen komplett neue Möbel. Ich möchte einfach schnellstmöglich raus, damit es nicht noch mehr Schäden gibt oder es sich womöglich noch auf unsere Gesundheit niederschlägt. Falsches lüften kommt übrigens nicht in Frage, da wir regelmäßig lüften und der Schimmel bereits nach 4 Wochen durch die Tapete schimmerte. Unsere Vermutung war,dass der Vermieter schon vorher von den Schäden wusste und sie einfach nur überstrichen hat. Ist ja nicht das einzige Theater was wir mit ihm haben. Aber nun gut, wenn es auf diesem Weg rechtens ist, dann werde ich halt vorher beweisen, dass der schimmel gesundheitlich und auch sonst unzumutbar ist und bestimmt nicht von schlechtem Lüften rührt. Da denke ich werden die mich beim Mieterschutzbund schon passende beraten, dass wir schnellstmöglich aus dem Mietvertrag kommen.

Ich habe am Di einen Termin beim Mieterschutzbund. Ich dachte mir, dass es vielleicht besser sei mir schonmal dort juristischen Beistand zuholen.

Das ist schon mal der richtige Weg. Schimmel ist ein berechtigter Mangel, dessen Ursache es zu beseitigen gilt.

Ich schließe mich meinen Vorrednern an, empfehle aber dennoch - nur rein vorsorglich - den Schimmel analysieren zu lassen falls es zum Bestreitensfall kommt. Eine Analyse gibt es schon (auch bei ebay) für (ich glaube) 40-50 €. Damit niemand später kommen kann und das Vorhandensein anzweifelt. Noch ein paar Fotos dazu und dann müßte es gut sein.

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