Freundinnen sagen mein Freund sei "gut erzogen" - wie reagieren?

13 Antworten

Hallo!

Deine Freundinnen scheinen das deswegen so zu bewerten, weil sie es nicht anders kennen bzw. nie mit halbwegs gut erzogenen Menschen in Berührung kamen bzw. nicht wissen, wie man sich normalerweise in Gegenwart anderer Menschen sozial und höflich aufführt. Im Grunde sind sie daher zu bedauern. 

Ich würde noch nicht mal kontern, sie einfach "babbeln lassen" wie man bei uns sagt & eher dazu neigen sie zu bedauern. 

Ich persönlich vertrete dazu die Ansicht, dass die "Verrohung" der Gesellschaft bzw. die Tatsache, dass Freundlichkeit, Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft oder auch Empathie von vielen, die sich für jugendlich und cool halten als aussterbende Werte belächelt oder gar als Zeichen mentaler Schwäche (!) abgetan werden, genau so etwas bewirkt -----> Verhaltensweisen, die man früher in der Kinderstube gelernt hat und die kaum zur Debatte standen, weil sie Standart waren fallen heute umso mehr auf, weil nur noch wenige sie beherrschen & sich vllt. dafür auch einiges anhören müssen.

Dazu habe ich (26) noch eine "nette" Anekdote: Im letzten Jahr meinte eine Frau um die 40 zu mir, dass meine Art mit "Hallo, Bitte, Danke, Entschuldigung und Auf Wiedersehen" für sie fürchterlich sei & nicht nur das sondern in der heutigen Welt unzeitgemäß, altmodisch, uncool und beinahe karikierend, weil "man das heute nicht mehr macht". Sie sagte im O-Ton, ich hätte einen "dezenten Altherren-Mitleids-Danke-und-Bitte-Tonfall" drauf wie der späte "Derrick" um 1990. Jedenfalls würde ich sie an die schlimmsten Zeiten ihres Lebens, ihren spießigen Ausbilder (den ich nie kannte^^) und andere ältliche Leute erinnern. Ich lache zwar drüber & auch über diese Person, nachdem ich ihre Vita näher kennenlernte -----> trotzdessen kam ich mir in dem Augenblick, in dem sie das zu mir gesagt hat vor wie im falschen Film, auch wenn ich mir wenig draus gemacht habe und diese Frau eigentlich zu bedauern ist.

Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, dass Dich das sooooooo nervt. Das sind doch keine ernst gemeinten Kommentare, die Dir durch die Blume sagen wollen, dass Du Deinen Freund gut im Griff hast. Ich würde es eher positiv sehen, dass Deinen Freundinnen auffällt, dass Dein Freund ein echter Gentleman ist. Scheinbar haben sie diese Erfahrungen in der Art noch nicht mit einem Mann gemacht. Du brauchst darauf auch nicht genervt oder schnippisch reagieren, sondern sei einfach stolz darauf einen Mann an Deiner Seite zu haben, für den es selbstverständlich ist, dass Ihr eine gleichberechtigte Beziehung führt.

Wenn Du jedoch unbedingt etwas erwidern möchtest, dann sag' doch einfach, dass dies nichts mit Erziehung zu tun hat, sondern an der jeweiligen Lebenseinstellung.

Aber ehrlich gesagt, würde ich an Deiner Stelle da nicht so einen Wirbel drum machen. Deine Freundinnen meinen es doch eigentlich nett, da sie anerkennen, dass Du einen aufmerksamen Freund hast. Eher Dein Freund könnte was auf diese Kommentare wechseln...

Lustige Antworten bisher!  - Ich weiß genau, was du meinst. Mein Bruder ist im Grunde genommen auch so - selbständig, zupackend, praktisch denkend und sich nicht zu schade, auch mal Drecksarbeiten zu machen. Einerseits, weil er seine Frau liebt (auch nach fast 30 Jahren Ehe), andererseits - und das halte ich für das wichtigste überhaupt - weil unsere Mutter uns beide gleich erzogen hat: er hat auch typisch weibliche Tätigkeiten gelernt, und ich bekam als kleines Mädchen einen Laubsägekasten und habe meinem Brüderchen ein wunderschönes Märchenbild aus Sperrholz ausgesägt (Löcher mit Drillbohrer, jawohl!) und hinterher farbig bemalt und lackiert, das er über seinem Babybettchen hängen hatte. 

So wurden aus uns - dank unserer Mutter (Kindergärtnerin) - vollwertige Menschen, die niemand anderen zum Erledigen niederer oder höherer Tätigkeiten brauchten und überhaupt NIE auf diese Idee kämen!  Ich habe aber bemerkt, dass Leute mit dieser Haltung rar sind.

Insofern stimmt es, was die Freundinnen sagen: Alles Erziehungssache - nur eben von zuhause aus, schon als Kind. Du könntest das ja so formulieren: ja, er hatte eine tolle Mutter, die ihn schon früh gelehrt hat, seine Aufgaben zu sehen und zu erledigen. Und die sich in ihrer Mutterrolle nicht zur Übermutter aufspielen musste, die alles selbst macht, nur um sich selbst 'unverzichtbar' zu fühlen - egal, ob gesellschaftliche Krüppel aus ihren Kindern werden.  Denn nur darum geht es letztendlich - psychologisch.

Die Freundinnen sind zu bemitleiden, da sie es offensichtlich so normal finden, zum Objekt gemacht zu werden, statt auf Augenhöhe mit ihren Partnern zu kommunizieren, dass sie es gar nicht bemerken und stattdessen dir diese Bemerkungen hinzuwerfen.

Ich hoffe für dich, dass du es schaffst, ihnen das irgendwie klar zu machen - aber damit fängt für die Freundinnen der Konflikt erst an, und zwar mit ihren jeweiligen Partnern, deren Mütter sie falsch erzogen haben. Und manche Frauen wollen eber lieber selbst Objekt sein, als gar keinen Partner zu haben. Und wenn sie so wenig Selbstbewusstsein haben, ziehen sie auch immer wieder die falschen Partner an: solche mit Machogehabe.

Alles Gute - und ich finde es toll, dass du das so auf den Punkt gebracht hast! Bravo.

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