freundin als teenager vergewaltigt, minderwertigkeitsprob., fremdküsser um bestatigung zu haben?

11 Antworten

''Bereit für den Versuch einer Therapie'', das klingt auf den ersten Blick ja toll und ich würde mir das auf jeden Fall auch mal ansehen und nicht vorher irgendwelche Kurzschlusshandlungen tätigen. Dennoch hätte mir die Aussage ohne dieses einschränkende ''Versuch'' sehr viel besser gefallen. Leider bleibt es oft dann doch beim ''Versuch'' der viel zu schnell wieder abgebrochen wird. Fakt ist derartige Erlebnisse bringen die erstaunlichsten Strategien zu Tage um dennoch einigermaßen normal zu ''funktionieren''. Fakt ist aber auch, das hat sich inzwischen herum gesprochen und taugt daher auch zur faulen Ausrede. Aber wenn sie ihr Verhalten selbst auch nicht toll findet und wirklich den Versuch macht daran zu arbeiten, so hat sie auch eine echte Chance verdient.

Wenn es jetzt einmal passiert ist und sie gleich gemerkt hat, dass sie es gar nicht selbst steuern konnte, es ein Zwang war und sie sich sofort Hilfe sucht, kann man in gewissem Sinn verstehen und verzeihen. Wenn es aber zur Ausrede mutiert, es immer wieder passiert und sie nur noch sagt 'Du weißt ja, warum, und dass ich nichts dazu kann' - das wäre nicht zu akzeptieren.

Nun, wenn du sie liebst und sie es dir wirklich wert ist, dann geh zu einem Psychologen. Du hast mich richtig verstanden DU sollst zu einem Psychologen. Sie ist zwar diejenige die vergewaltigt wurde und daher vielleicht psychische Probleme hat, aber dennoch bist du es der mit ihr klar kommen muss und ein Psychologe kann dir dabei helfen.

Es ist leider oft so, daß Menschen, denen Schlimmes angetan wurde, diese Dinge immer wieder in ihren Alltag holen müssen, um (Selbst-)Bestätigung zu bekommen. Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich ein Beispiel, da wurde ein Junge als Kind mit Gewalt zum Brille tragen gezwungen (er brauchte eine, wolte sie aber partout nicht haben). Ihm wurde die Brille am Kopf festgebunden, die Hände in Fausthandschuhe gesteckt etc. - heute hat er einen Brillenfeitsch entwickelt, trägt am lebsten riesige schwere Gestelle, die er sich mit Sportbändern am Hinterkopf festbindet, und er steht auf dicke Gläser. Er kann das, was ihm als Kind angetan wurde, nun bewußt und kontrolliert erleben, die "Gewalt" tut er sich selbst unter Kontrolle an. Es ist eine Form der Verarbeitung.

Deiner Freundin wird es ähnlich gehen: Sie hat sexuelle Gewalt erfahren, jetzt holt sie sich immer wieder "Kicks", um mit den Gefühlen klarzukommen, sie kontrolliert zu erleben, zu verarbeiten. Deshalb: verzeih ihr und unterstütze sie bei dem Wunsch nach - und der Durchführung einer Therapie!

Wenn sie es einsieht, dass ihr Verhalten darin begründet ist, und sie deshalb jetzt eine Therapie machen will und auch macht, dann wäre es für mich gar keine Frage, zu ihr zu stehen. Nimmt sie es einfach so hin, diese "Kontrollverluste", dann sieht sie wohl nicht ein, dass sie dir schadet. Für mich würde feststehen: Sie kümmert sich sofort um therapeutische Hilfe (bei Wartezeiten nimmt sie eine andere Möglichkeit an, wie zB eine Beratung bei skf o.Ä.) und ihr versucht beide, das Geschehene zu verarbeiten. Denn diese Knutscherei wird ja nicht das erste Mal dazu geführt habe, dass das Trauma aus der Jugend auf den Tisch kommt. Du steckst da also auch mit drin- von daher ist es wichtig, dass du in die Verarbeitung mit einbezogen wirst.

Verzeihen kann man soetwas bestimmt, verstehen ist die andere Frage, weil man ein solches Trauma mit den dazugehörigen Folgen nicht nachempfinden kann, wenn man es selbst nicht erlebt hat.

Wünsche euch beiden viel Kraft für diese Aufgabe.

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