Freund der zockt?

8 Antworten

Du zeigst, dass Du Dich zusammen reißen kannst - und machst in der Zeit irgendwas, was Dir Spaß macht. Lies ein Buch; guck Deine Lieblingsserie; geh ins Bad und mache eine Haarkur, Gesichtsmaske, Pediküre, Maniküre, whatever; koch Marmelade ein; back einen Kuchen; chatte mit deiner besten Freundin ...

Letzteres kann ich übrigens nicht tun. Mein Mann chattet nämlich abends immer eine Runde mit unserer besten Freundin. Er spricht mit ihr über alles mögliche und holt sich eine andere Meinung - und nein, ich bin weder auf die Zeit eifersüchtig noch auf die Zuneigung, die das "Poppet" (sein Kosenamen für sie, während sie andersrum einen für ihn verwendet, den sonst nur seine Ziehschwester und ich benutzen dürfen) von ihm bekommt. ich weiß zum einen, dass beide mir gegenüber total loyal sind und zum anderen ...

Jetzt wird's grundsätzlich. Wir sind im Gegensatz zu Euch schon älter. Ich bin jetzt fast 58, mein Mann ist 74, wir sind seit fünf Jahren wieder ein Paar - und das "wieder" bedeutet: Wir waren vor fast 38 Jahren schon mal eines. Damals war ich 20 und er 36 - und wir waren schrecklich ineinander verliebt und sind uns nach acht Wochen dann so an die Gurgel gegangen, dass ich ihn rausgeschmissen und erstmal ein paar Jahre geschmollt habe.

Wir haben dann beide anderweitig geheiratet - und beide sind wir damit richtig auf die Nase gefallen. Ich hatte einen Mann, der absolut nicht zu fassen war und mir das Gefühl gab, dass er sofort nach der Hochzeit auf Distanz ging - nach dem Prinzip "Die ist mir sicher, wegen der muss ich mich nicht mehr anstrengen." Alles andere - sein Job (zugegeben, es war ein anspruchsvoller Job), ein sehr zeitaufwändiges Ehrenamt, seine drei Söhne aus erster Ehe, seine alten Freunde - alles war wichtiger für ihn als ich. Gleichzeitig aber hat er mich unheimlich eingeschränkt. Er war 25 Jahre älter als ich und er hatte genaue Vorstellungen, wie seine Frau aufzutreten hat und sich zu benehmen hat. Und ich hatte damals noch nicht den Wumm, mich gegen ihn zu stellen und zu sagen "Das bin ich nicht. Entweder du nimmst mich wie ich bin oder wir lassen's."

Er hat mich total gegen den Strich gebürstet. Aus dem Stallmädchen in Hosen und Gummistiefel wurde eine "Dame" im Kostümchen auf Pumps (nicht zu hoch, das wäre vulgär gewesen! Und immer mit strumpfhose, auch im Hochsommer), aus jemand, der ziemlich locker und ein bissel "boheme" lebte - ich war lange in einer WG zuhause gewesen, in der's zuging wie im Taubenschlag - wurde die "Dame des Hauses", die mit Personal umging und sich nicht mal selbst einen Kaffee kochen konnte - jedenfalls nicht in der Küche. Da herrschte nämlich eine gestrenge Haushälterin, die schon 20 Jahre länger da war als ich. Wenn ich mir ein Ei braten wollte, nahm sie mir die Pfanne aus der Hand und sagte: "Der Herr Doktor .." (mein Angetrauter, ihr Arbeitgeber) "... bezahlt mich für die Küchenarbeit. Bitte gehen Sie nach oben, ich bringe das Ei." Und das war dann nur mit Salz gewürzt, dabei will ich Pfeffer, Salz und einen Hauch Rosmarin. Aber das passte ihr nicht. Ihr passte auch nicht, wie ich mein Zeug in den Kleiderschrank räumte, also hat sie dreimal umgeräumt. Danach habe ich meinen Kram nur noch über den Stuhl geschmissen und sie aufräumen lassen.

Ansonsten habe ich mich tagsüber vorwiegend im Stall rumgetrieben - das war mein Revier, da kam der Hausdrache nicht hin. Aber mein Mann hat mir dann durchaus mal gesagt, ich solle nicht so viel mit den Leuten im stall rumhängen - sie seien die Angestellten und wenn ich mich da zu sehr annähere, verliere ich jede Autorität.

Ich war sehr, sehr einsam - seinetwegen war ich nämlich von Baden-Württemberg nach Westfalen gezogen. Und meine Freunde kamen sehr selten zu Besuch, weil sie sich in dem großen Haus nicht so recht wohl fühlten. Gleichzeitig fühlte ich mich aber auch eingeschränkt, denn seine "Gesetze" galten ja auch, wenn er nicht da war - und da waren jede Menge "Aufpasser", die ihm dann schon verrieten, wenn ich mal wieder nicht nach den Regeln gespielt hatte.

Nach acht Jahren bin ich wieder abgehauen - und dann hieß es für Jahre "Lass keinen Mann an dich heran!" Ich wollte mich nie wieder einschränken lassen.

Mein Liebster hatte es fast noch mieser als ich erwischt. Er hatte eine "alte Freundin", die schon eine Weile hinter ihm her gewesen war, geheiratet - und die war nicht nur neurotisch, sondern klammerte und war der Meinung, dass er seine komplette Freizeit mit ihr verbringen müsse (erinnert Dich das an was?). sie argumentierte, dass sie ja alleine sei, wenn er seinen Job mache, ergo müsse er sich "wenigstens" um sie kümmern, wenn er frei habe - und da er im Job seine Interessen verfolge, müsse er privat tun, was ihr Freude macht.

Das Problem war nur, dass er auf ihre Dinge - Parties, Shopping, Tennis - keine Lust hatte. Er versuchte es am Anfang, er wollte ja nicht noch eine Beziehung in den Sand setzen, es war schon seine zweite Ehe (die erste war mit seiner Sandkastenliebe gewesen und man hatte sich eben auseinander entwickelt) und er wollte es unbedingt "richtig" machen, also gab er nach und bemühte sich - und wurde da genauso gegen den Strich gebürstet wie ich.

Ein weiteres Problem in dieser Ehe war, dass sie wahnsinnig eifersüchtig war. Er küsst von berufs wegen andere Frauen - er ist Opernsänger und er hat in der Zeit sehr viele Rollen gespielt, in denen er richtig rangehen durfte. Ich erinnere mich an eine Produktion (ich habe ihn öfter auf der Bühne gesehen - mein Mann war nämlich Opernfan und ich hatte ihm nicht auf die Nase gebunden, wer sein Vorgänger gewesen war), in der er drei Kolleginnen begrapscht hat beziehungsweise eine bei ihm richtig rangehen durfte. Seine Frau muss getobt haben - er suche sich das so aus, er wolle das, er knutsche gerne mit Kolleginnen und wer weiß, was er in den Probenpausen anstelle? Und überhaupt ständen ja auch vor der Bühnentür immer "Weiber", die hinter ihm her seien und da sei er schuld, weil er ja mit jeder flirte (er flirtet wirklich gerne und ist ein sehr charmanter Mann).

Seine Frau hat schließlich nur noch Szenen gemacht und gezickt - und er zog den Kopf ein und bemühte sich, bis ihm der Kragen platzte und er zurückbrüllte, dann heulte sie, er hatte ein schlechtes Gewissen ... und sie waren herzhaft unglücklich. Bei ihm, dem durchaus sensiblen Künstler, wurde aus dem jahrelangen Unglück eine fette Depression, ,die so weit ging, dass ihn nur der Gedanke an seinen Sohn (aus der ersten Ehe) und seine Ziehschwester vom Selbstmord abhielt.

Nach 23 Jahren kratzte er endlich die Kurve - und kurz danach trafen wir uns wieder. Wir waren aber beide so gebrannte Kinder, dass wir zwei Jahre auf "we're just friends, nichts mehr" machten - woran ich ziemlich geknabbert habe, weil ich nämlich schon wieder wusste, dass ich ihn liebe und wieder haben will. wir haben die Kurve schließlich genommen und sind sehr froh und glücklich miteinander.

Aber eines haben wir lange beredet und als "Prinzip" über unsere Ehe gestellt: Wir bereichern des anderen Leben und berauben ihn nicht der Dinge, die ihm Freude machen. Das bedeutet konkret, dass keiner von uns seine alten Freunde aufgeben muss; dass wir beide die Dinge tun, die uns Spaß machen, auch wenn der Andere da keine Lust darauf hat (ich liebe Pferde und bin immer geritten, ihm sind die Viecher unheimlich. Dafür geht er gerne raus in die Natur und kann stundenlang Vögel beobachten, was ich sturzlangweilig finde). Wir "opfern" einander nichts - unsere Liebe braucht keine so billigen Beweise. Und wenn ich in seine Probe komme und er hat gleich zwei Kolleginnen auf dem Schoss, lache ich. Abgesehen davon, dass ich ihm wirklich vertraue (auch, weil so viele Frauen hinter ihm her sind - er findet das zum einen eher lästig, zum anderen aber hat's den Effekt, dass er sich nichts beweisen muss), geht's auch da um "Er soll meinetwegen nicht ärmer werden und verzichten müssen." Es macht ihm Spass, mit seinen Kolleginnen ein bisschen zu flirten und zu blödeln - und warum sollte er nicht?

Vielleicht nimmst du Dir den Satz mal zur Brust und zu Herzen: "Ich will ihn nicht ärmer, sondern reicher machen." Dazu gehört zum Beispiel auch, dass er in Ruhe zocken darf; dass er seine freiheit behält, aber gleichzeitig bei dir geliebt und geborgen ist. Je mehr Du ihn laufen lässt, desto lieber wird er zu Dir zurück kommen und an Dir zu hängen.

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Vielen lieben Dank für deine tolle Nachricht. In dir steckt eine tolle Frau. Ich habe ein ganz genaues Bild vor augen.

Diesen Satz werde ich mir zu Herzen nehmen und auf die Sternkleben! Vielen dank für diese weisen und ehrlichen Worte!

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@Vicilina1

Bitte, gern geschehen.
Weißt Du, ich habe auch von meinen Tieren eine Menge gelernt. Ich hatte immer nur Pferde, die einen Knacks hatten - andere konnte ich mir nicht leisten. Aber meine Problemfälle haben mir unheimlich viel beigebracht - zum Beispiel über Geduld, Vertrauen und Liebe. Geduld war das wichtigste - abwarten, bis sie kommen; sie nicht mit meiner Liebe überfallen und bedrängen. Einfach da sein, Präsenz zeigen und Bereitschaft zeigen, Nähe aufkommen zu lassen. Vertrauen muss wachsen und es ist ein empfindliches Blümchen - auf beiden Seiten.
Mein Mann sagt, ich hätte ihn am Anfang an einen Hund erinnert, der an seinem Gartenzaun entlang rast und jeden ankläfft, der auch nur in die Nähe kommt. Ich habe mein "Revier" verteidigt, obwohl er es oft gar nicht angreifen wollte. Bei mir hieß das "Wehret den Anfängen" und "lass ihn gar nicht erst auf die Idee kommen, er könnte mich umbauen." Dabei wollte er das doch gar nicht - und ich musste lernen, darauf zu vertrauen, dass er mich nimmt, wie ich bin. Da musste er geduldig sein.

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Wir haben für einen solchen Fall 2 Computer :D

Mal macht er seinen Kram an seinem PC, mal mache ich meinen Kram an meinem PC. Zwischendurch machen wir gleichzeitig unseren jeweiligen Kram am eigenen PC. Zusätzlich habe ich seit gut zwei Jahren ein Hobby mit dem ich mich in solchen Phasen auch beschäftigen kann.

Ist jetzt nicht so das wir in unserer Freizeit nur am PC hängen würden - es gibt genügend andere Sachen noch zu erledigen. Aber wenn PC dann ists für uns beide okay.

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Genauso ist es bei uns auch :)

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Vielleicht suchst du dir einfach eine bestimmte Tätigkeit die du dann tust, während er am zocken ist. Das kann alles mögliche sein entweder Hausarbeit die dir eigentlich keinen Spaß macht und du immer aufschiebst oder du widmest dich deiner Schönheit wie Maniküre oder so, oder eben irgendetwas was dir Freude bringt, wie ein Hobby oder Serien schauen die er nicht so gern mitschaut. ;)

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