Freund beschuldigt mich für seine soziale Phobie?

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4 Antworten

Entweder ist der Psychologe nicht kompetent oder die beiden haben sich missverstanden. Es kann gut sein, dass eure Beziehung ursächlich, verstärkend oder auslösend mit seiner sozialen Angst zusammenhängt.

Aber eure Beziehung ist nicht du, sondern das Abstrakte zwischen euch, an dem ihr beide beteiligt seid. Ferner ist es sinnvoll, an dieser Stelle mal kurz zu differenzieren. Eine Ursache ist ein tatsächlicher Grund. Ein Auslöser kann zwar eine Ursache, also auch ein Grund sein, muss aber nicht. Ein Auslöser ist im Wesentlichen "der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt". Ein Verstärker ist weder Auslöser noch Grund. Vielleicht hat der Psychologe gesagt, dass eure Beziehung die soziale Angst auslöse oder verstärke. Aber falls er annähernd kompetent ist, wird er auf keinen Fall gesagt haben, dass du der Grund für seine soziale Angst bist.

Du kannst selbst nicht der Grund sein, weil der Grund für seine soziale Angst in ihm selbst und nicht außerhalb zu suchen ist. Du könntest möglicherweise Auslöser liefern, aber selbst nicht sein. Äußerungen und Handlungen von dir können Auslöser sein.

Dein Freund hat theoretisch Interpretationsspielraum. Er kann Äußerungen von dir, Handlungen und Verhaltensweisen so interpretieren, dass sie seine soziale Ängstlichkeit verstärken oder so, dass sie ein Gegengewicht dazu bilden. Wenn eure Beziehung suboptimal für seine psychische Konstitution ist, was durchaus möglich ist, solltet ihr gemeinsam etwas daran ändern. Aber die Lösung des Problems kann nicht darin bestehen, dass du etwas änderst und er nicht, denn sein Problem der sozialen Ängstlichkeit würde dann ebenfalls unverändert erhalten bleiben.

Um direkt ein einschlägiges Beispiel zu nennen, das gleichzeitig Einstiegspunkt für eure Beziehungsqualitätsverbesserung sein könnte: Es wird eure Streitkultur nicht fairer machen und niemandem von euch emotional nützen, wenn nur du fair streiten lernst und er weiterhin unfair bleibt.

http://www.beraterteam.info/beziehungstipps/beziehungsprobleme-loesen/

Übrigens ist es tatsächlich so, dass es "normal" ist, dass Beziehungen mit Problemen beladen sind und alles andere als einfach. Aber nur weil es normal ist, ist es noch lange nicht gut oder in Ordnung. Es gibt auch Beziehungen, die erstaunlich harmonisch und "einfach" sind. Sicher nicht ohne Meinungsverschiedenheiten, aber durchaus ohne Streitereien, in denen man sich Sachen an den Kopf wirft, die man später bereut. Es ist eine Frage der Partnerwahl. Ihr müsst schon selbst herausfinden, ob ihr euch mit einander wirklich passende Partner gesucht habt. Wenn das so ist, dann solltet ihr dafür sorgen, dass eure Beziehung unbeschwerter und einfacher wird. Ohne Respekt wird euch beiden diese Beziehung dauerhaft schaden.

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Kommentar von Mxstbla
17.04.2016, 11:32

Ich wollte noch etwas hinzufügen, undzwar hatte ich auch die Möglichkeit ein Gespräch mit seinen Psychologen zu haben und er hat klar und deutlich gesagt, dass ich der Grund dafür sei. Hinzu kommt, dass ich dir zustimme, dass oftmals Streiterein eskaliert sind, jedoch war es das erste mal, dass man etwas sagte, welches man im nachhinein bereut. Ich kann mir gut vorstellen, dass Handlungen von mir Auslöser sein können, daher habe ich sehr oft versucht dies zu vermeiden. Streiterein habe ich seit dem letzten Monat versucht sofort zu lösen, bevor es außer Kontrolle geriet. Dazu rufe ich ihn mehrmals an (Falls ich mal weiter weg bin und nicht mal vorbeischauen kann, um sich auszusprechen etc.). Er aber weist mich ab und scheint nicht zu wollen, dass ich versuche sich auseinanderzusetzen, aussprechen usw. und legt dann in den nächsten 2 Minuten auf. Zudem scheint er ein negatives Bild von mir zu haben, ich sei nicht dankbar und sowas, obwohl ich ihm mindestens 10 Mal am Tag sage, wie froh ich bin, dass er seine Denkweise/Handlungen zum Besseren ändert. 

Ich bin einfach nur hilflos, dennoch danke für deine ausführliche Antwort!

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Kommentar von Mxstbla
17.04.2016, 14:23

Wow vielen, vielen Dank für deine Antwort. echt klasse!

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Also so wie sich das für mich anhört, so wie du das schilderst und erkannt hast, hast du ihm in seinem leben sehr geholfen. Und die tatsachen das er nicht mehr raucht/trinkt und jetzt seinen abschluss macht sind denk ich keine indikatoren für soziale ängste.
Sozialphobien können eigentlich nur duch mangelndes selbstbewusstsein entstehen, da sonst sämtliche dinge, die einem in sozialen situation fehlschlagen könnten an einen abprallen, und nicht am ego kratzen.

Der satz, dass sein psychloge ihm das gesagt hat, würde ich als lüge deklarieren um dich als sündenbock dastehenzulassen. (Die formulierung psychologe ist mir such etwas suspekt, eigentlich geht man zum psychotherapeuten. Ist psychologe deine formulierung, oder hat er es selbst gesagt?)

Also mMn solltest du dir deswegen kein schlechtes gewissen einreden lassen, außer du hättest ihm jeden morgen gesagt "du kannst nichts, du jämmerlicher waschlappen, wenn das jemand sehen würde, blablabla"

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Kommentar von Mxstbla
17.04.2016, 11:35

Entschuldigung, ich meinte Psychotherapeuten. Ich konnte mal am Gespräch teilhaben zwischen ihm und seinem Psychologen, da ich auch schon den Gedanken hatte, dass es eine Lüge sei. TATSÄCHLICH hat der Psychotherapeut selbst ganz deutlich, genau mit diesen Worten gesagt, dass ich der Grund sei. Hat mich ziemlich mitgenommen und geschockt und ich frag mich noch bis heute wie er auf so etwas kommt. 

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Kommentar von PaC3R
17.04.2016, 11:38

Wie ich in einem anderen kommentar gelesen hatte, womöglich tatsächlich durch eine dominante art und zu starte "bemutterung" dass er jetzt das gefühl hat nicht mehr allein rauszugehen zu können. Das wäre dann in gewisserweise trotzdem seine schuld, wenn er kein selbstbewusstsein hat.
Ich glaub das stand nirgends, deswegen wollt ich noch eben erfragen, wie alt seid ihr beide?

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Kommentar von PaC3R
17.04.2016, 11:57

Das ist der kernpunkt seiner sozialen angst. Er hat KEIN selbstbewusstsein. Hatte er denn als ihr zusammengekommen seid und er noch trank und rauchte ein besseres selbstwertgefühl?
Vielleicht wäre es gut wenn ihr zusammen zu nem psychotherapeuten gehen würdet.

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Kommentar von Mxstbla
17.04.2016, 12:04

Das habe ich ihn schon gefragt, er meinte, dass er auch früher kein Selbstbewusstsein hatte. Ich versuche ihn stets aufzubauen, motiviere ihn Dinge zu machen, die er gut kann, mache ihm 2829101 Komplimente täglich (und ich meine jedes einzelne). Er schätzt das alles auch, trotzdem scheint es ihm nicht zu helfen. Vor etwa 2 Monaten hatte ich beschlossen, dass er sich gebessert hat und meinen Rat usw. nicht mehr so streng/dringend braucht. Doch nach etwa 2 Wochen ist er wieder auf die schiefe Bahn geraten und war völlig außer Kontrolle. Momentan bessert er sich sehr, sehr, sehr stark und scheint fröhlicher, sogar ab und zu selbstbewusst. Aber sobald etwas kleines passiert, geht seine Laune inklusive sein kleines Selbstbewusstsein den Bach runter und ich finde das eben sehr schade.

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Keine Ahnung, was der Psychologe ihm da gesagt hat. Wichtiger wäre zu wissen, was er meint, wie Ihr nach einer solchen Aussage miteinander umgehen sollt und was er meint, was Du jetzt tun sollst.

Scheinbar hast Du ihn auf den richtigen Weg gebracht und da sollte er Dir eigentlich eher dankbar sein, als Dir Vorwürfe machen.

Wie äußerst sich denn seine soziale Phobie?

Bist Du ihm vielleicht zu dominant, zu selbstbewusst? Vielleicht sind das Eigenschaften, die ihm fehlen und die im Angst machen???

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Kommentar von Mxstbla
17.04.2016, 11:42

Ich gebe zu, dass ich teils dominant bin. Ich war sehr rechthaberisch (Bin mir nicht sicher, ob man es so schreibt), jedoch habe ich mein Verhalten bereits vor Monaten (etwa einem halben Jahr) geändert. Ich weiß nicht, ob man es als Dominanz bezeichnen kann. Ich 'leite' ihn eher durchs Leben, ich helfe ihm, damit er nicht wieder auf die schiefe Bahn gerät. Natürlich vertraue ich ihm und weiß, dass er sich geändert hat und nicht mehr naiv und verantwortungslos ist, dennoch denke ich nicht, dass es ihm schaden würde eine Person zu haben, die ihn in schwierigen Situationen 'leitet' und auffordert Dinge zu bedenken und Entscheidungen nicht voreilig zu treffen.

Zudem muss ich sagen, dass ich alles andere als selbstbewusst bin. Es kommt nur so rüber als wäre ich es, wenn er sich mal 'klein' fühlt, versuche ich taff, selbstbewusst und motivierend zu sein, um ihn wieder aufzubauen. 

Ich bin mir nicht sicher, ob das alles jetzt zusammenpasst, aber ich hoffe du verstehst mich

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Kommentar von Mxstbla
17.04.2016, 14:27

Dankeschön für die Antwort!!

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Weißt du, was die Kernpunkte sind? Du hast sie hier in deiner Frage verwendet!

Dennoch glaube ich, ....verstehe ich nicht....,sag ich mal (Korrigiert mich, falls ich falsch liege).

Korrigiert mich, falls ich falsch liege, ist das eine Aufforderung zu normiertem Denken, oder kollektiver Denkweise? ;-)

Nehmen wir mal an, er sucht nach einem Sündenbock für seine Probleme.
Wie weit unterstützt die Gesellschaft oder dieses kollektive denken denn solcherlei menschlichen Unsinn?

Er ist ein Individuum, sinngemäß ein autarkes selbstständiges System, das gefälligst selbstbewusster, eigenverantwortlicher für sein eigenes Wohl und Seelenwohl zu sorgen hätte. Oder sollten wir ihm einige Gehirnwäschen unterziehen, damit seine menschliche Steuerzentrale viele Dinge des Lebens besser begreift?

Pschologen, Therapeuten wären eigentlich überflüssig, wenn manche Menschen gewisse Dinge, Zusammenhänge besser begreifen würden.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Gift. Kann ich dich vergiften, wenn ich Gift schlucke? Oder geht das nur, wenn du es schluckst? Was wirkt also auf dich oder deinen Freund? Das was Andere tun, oder was du bzw Er tut.

Bleiben wir bei meinem Beispiel Gift. Angenommen ich will dich geistig vergiften ;-) Dann gelingt es mir doch nur, wenn du dieses geistige Gift schluckst. Oder?

Nun könnten wir uns bis zum Nimmerleinstag streiten, ob ich dich vergiften wollte, oder du dich geistig vergiften ließest. Letztlich wirkt das Gift nur wo?




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