Freud und Nietzsche Philosophie Philo?

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N´Abend.

1) Kultur als psychologische (erzieherische) Überformung des "Verhalten-Wollen" durch das "Verhalten-Sollen. Dies führt im Extrem einer Massengesellschaft dazu, dass der Mensch lernt, seinen "Wert" als "gelungenen Lebensentwurf" am Ausmaß seiner Konformität  mit den gesellschaftlichen Regeln als "Verhalten-Sollen" und nicht mehr am Maß der Übereinstimmung seines Verhaltens mit dem "Verhalten-Wollen" zu verstehen.

2) Je nach Art und Intensität dieser kulturellen (psychologischen) Überformung kann dies zu "inneren" Spannungsverhältnissen beim betroffenen Individuum führen, die aufgrund der Tatsache, dass es innerhalb der spezifischen Kultur, oder aber auch innerhalb des persönlichen Options- und Realisierungshorizontes des jeweiligen Individuums keine Auflösungsoption zu diesem Widerspruch zwischen "Ich", "Es" und "Überich" gibt. Nach Freud´scher Lesart führt dies zu Formen von Verdränung, Umwandlung oder Umlenkung mit entsprechenden Folgen für die Entwicklung neurotischer Verhaltensweisen.

Besonders geeignet für die Erzeugung neurotischer Persönlichkeitsstörungen sind gesellschaftliche Verhältnisse, die entweder durch ein Übermaß an Restriktivität oder durch ein Übermaß an Unverbindlichkeit beschrieben werden können.

PS: Nietzsche und Freud hatten allerdings zu ihrer Zeit eher das Erste im Sinn. Das Zweite ist ein Problem unserer Zeit. ;-)

Gruß

PSS: Und ja, natürlich. "Kulturen" können neurotisch sein und somit in der Massenwirkung ihrer psychosozialen Codierungen Neurotiker vermehrt erzeugen. Auch "Neurotiker" fallen nicht vom Himmel sondern werden "gemacht" - meistens zumindest. ;-)

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