Fremdschämen? Kann man das tatsächlich?

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35 Antworten

Wie stelle ich es an, mich für jemand anderen zu schämen?  Das musst Du nicht selbst von Dir erzwingen, sondern passiert automatisch, wenn Du Zeuge wirst, dass jemand, der Gemeinsamkeiten (das können verschiedene sein: kulturell, ethnisch, weltanschaulich, gleicher Job, gleiche Familie usw.) mit Dir hat, sich so verhält, dass Du Dich für Dich selbst schämen würdest, wenn Du so persönlich handeln würdest. Mir geht beim Fremdschämen durch den Kopf "Wenn ich mich so verhalten würde, müßte ich anschließend im Boden versinken."

Bringt das überhaupt was? Leider nein. Du könntest höchstens Deine Einstellung zu der Person überdenken, für die Du Dich frendschämst und wenn ihr Verhalten absolut inakzeptabel ist, dann Dich von ihr versuchen zu distanzieren.

Muss sich der "Übeltäter" dann nicht mehr selbst schämen?  Müsste ja, bleibt aber meistens aus. Gerade weil der Übeltäter so schamlos ist, denkt man sich: Ich würde mich an seiner/ihrer Stelle schämen.

Coole Frage übrigens. (DH). Schön, dass jemand mal diese mittlerweile sehr oft gebrauchte Redewendung hinterfragt.

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Hallo, Shira. Sich fremd zu schämen `muß' man nicht an stellen sondern es geschieht einfach. Wurde die Tage sogar wissenschaftlich bewiesen und so habe ich endlich erfahren,. was mir immer so massiv Unbehagen bereitet, wenn ich peinliche Szenen im TV oder woanders sehe. Denn das ist genau dieses und die Wissenschaftler stellten fest, dass Fremdschämen sogar Schmerz bereitet bzw. dieselben Zentren im Hirn reizt, die für Schmerzempfinden zu ständig sind. Also muß der Übeltäter sich immer noch selbst schämen, was dem aber nicht zwingend zu kommt: siehe Drecks****, der einer Oma die Handtasche vom Arm reißt etc. lg

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Oh ja, das kann man tatsächlich, aber das kann natürlich nicht gezielt geplant werden. Manchmal passiert es mir sogar beim Fernsehen. Man kann sich in dem Moment so gut in die Person hineinfühlen, als wäre man für einen kurzen Moment in derselben Situation und dann möchte man wegsehen und schämt sich fürcherlich, weil sich diese Person gerade so lächerlich macht.

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Fremdschämen ist ein Modewort, das eigentlich besagt, dass man es so peinlich findet, wie sich ein anderer benimmt, dass man gar nicht (oder kaum) hingucken kann und am liebsten weit weg wäre.

So etwas gibt es, weil dieser andere zu unserem Umfeld gehört, wenn wir uns mir ihm beschäftigen (und das tun wir ja, wenn wir ihm zusehen).

Er ist dann irgendwo Teil unserer erweiterten Gruppe (Homo Sapiens) und somit entdecken wir unbewusst Gemeinsamkeiten. Da wir uns also auf der einen Seite mit der Person (begrenzt) identifizieren können und andererseits denken "Oh Mann, der macht uns ja alle zum Affen (zumindest alle anderen Wesen, die der gro0en Gruppe "Mensch" angehören), und wer den Typen sieht, glaubt am Ende noch, wir wären alle so bescheuert und ich somit auch..." würden wir alles geben, um den Trottel zu stoppen.

Wir haben einfach Angst, auch für einen "von denen" gehalten zu werden und fürchten uns (da wir ja Gemeinsamkeiten mit dem Gockel haben) eines Tages auch in eine derart peinliche Situation zu geraten. Das wollen wir verhindern, und wenn das schon nicht geht, wenigstens nicht daran denken müssen: Wir gucken zu Boden und denken uns "Bitte, lieber Gott, mach, dass er die Klappe hält!"

 

Das geht mir übrigens bei jedem Mr Bean Sketch so! :-)

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Kommentar von JaneDoe231
03.05.2011, 17:52

tolle Antwort :)

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Zuerst einmal eine Erklärung dafür, wie und warum wir das überhaupt tun:

In unserem Gehirn gibt es sogenannte Spiegelnervenzellen, die sowohl dann aktiv werden, wenn wir etwas Bestimmtes selbst tun, als auch wenn wir nur beobachten, wie ein anderer Entsprechendes tut. In beiden Fällen verarbeiten genau die gleichen Zellen in uns die jeweilige Information. Deshalb können wir uns in andere Menschen (mehr oder weniger gut) einfühlen.

Anders ausgedrückt: Unsere Gehirnzellen simulieren, was wir gerade beobachten, so als würden wir das Beobachtete selbst tun. Wenn unsere Aufmerksamkeit also auf jemanden gerichtet ist, dem gerade Peinliches widerfährt, vermittelt uns unser Gehirn sofort eine Vorstellung davon, wie sich so etwas für uns selbst anfühlen würde.

Dies ist zum einen dafür nötig, dass wir auch aus dem Verhalten anderer lernen können. Niemand hat in seinem Leben soviel Zeit, dass er alle Erfahrungen selber machen kann. Zum anderen war uns dieses Spiegeln und anschließendes Nachahmen in der Kindheit sehr nützlich - auf diese Weise haben wir ziemlich viel von dem gelernt, was wir heute können.

Mit steigender Lebenserfahrung beurteilen wir unser Gegenüber aber auch zunehmend kritisch, spiegeln sein Verhalten jedoch immer noch (wir können nun mal nicht anders) und vergleichen es automatisch damit, wie wir reagiert hätten. Und wir hätten uns eben anders verhalten oder bei gleichem Verhalten geschämt.

Uns selbst bringt das eigentlich nicht viel, und dem anderen bringt es höchtens was, wenn wir unsere Meinung darüber in Form von konstruktiver Kritik kundtun. Dann schämt sich der "Übeltäter" ewt. selbst und ändert bestenfalls sein Verhalten.

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also cih schaeme mich auch fuer dinge die jemand anderes tut und es ist manchmal ziemlich dumm..man kann nicht mal mehr einen lustig banalen film gucken ^^

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Klar das geht. Wenn ich aus Langeweile zappe und bei "Frauentausch" lande, muss ich nach spätestens 5 min umschalten. Ich kann einfach nicht mehr hinschauen, weil es mir selber so peinlich ist was manche Leute so von sich geben. Also jedes mal, wenn ich in so einer Situation wegschalte, schäme ich mich fremd.

Aber das kann auch im privaten Umfeld passieren. Dann kann man leider nicht wegschalten.

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ich schäme mich oft für gestellte Fragen anderer - meist wegen derer Unwissenheit, obwohl sie es besser hätten wissen können oder mit ein wenig Mühe - so lange ich noch Scham für andere émpfinden  kann habe ich Hoffnung.

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1.Hinter dem Phänomen »fremdschämen« steht ein Einfühlungsprozess, in dem eine Person A sich an Stelle einer anderen Person B schämt. Person B ist sich der schämenswerten Situation nicht bewusst, Person A aber durchaus. Aus dieser peinlichen Berührtheit für die Situation, in der Person B sich unwissend befindet, schämt sich Person A also stellvertretend für diese.

2.  Man schämt sich für etwas, was ein anderer gemacht hat, wofür dieser sich schämen sollte, das aber nicht tut oder nicht kann. Wir verstehen unter Fremdschämen jedes Gefühl, was jemand empfindet, wenn er oder sie jemanden anderes dabei beobachtet, wie er oder sie eine Norm verletzt.

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Kommentar von Christa251248
03.05.2011, 06:30

Super Kommentar, besser kann man dieses Thema nicht beschreiben!

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Kommentar von Shira
03.05.2011, 09:46

Gut erklärt, elenore!

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Kommentar von MojitoTom
03.05.2011, 12:54

Die Antwort gefällt mir!

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Ja, habe ich selbst schon öfters erlebt ...

Beispiel:

Ich hatte mal eine Freundin, die in einem sozial schwachen Umfeld aufgewachsen ist. Bei einem gemeinsamen Einkauf kam uns ein Fahradfahrer in einer Fussgängerzone im Slalomkurs entgegen, worauf sie in einer extremen Weise Anfing diesen Fahradfahrer zu beschimpfem, wobei das Wort Ar...och zu den harmloseren gehörte ...

Da diese Situation auch andere Fussgänger mitbekommen hatten und man leicht erkennen konnte zu wem die "Madame" gehörte (Aufgrund meiner Ansage an meine Ex), hatte ich nicht nur ein leichtes Gefühl des Fremdschämens verspürt ...

Auch kann ich mir gut vorstellen, dass sich der Organisator dieser Veranstaltung (siehe Video) mehr als ein mal fremdschämen musste:

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Ich muss beim Fernsehen immer umschalten, wenn ich mich für jemandem im laufendem Programm "fremdschäme". Total seltsam, aber ich kann mir das dann nicht anschauen.

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Ich glaube es ist eine empathische Verhaltensweise/Gefühlsregung und entsteht, weil man sich selbst in der Situation sehr schämen würde. Dem 'Übeltäter' ist sein eigenes Verhalten ja gar nicht bewußt, darum schämt er sich auch nicht bzw. verhält sich erst gar nicht so, denkt weder darüber nach, noch kann er reflektieren, was sein Verhalten auslöst und warum. 

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Im Grunde genommen müsste sich jeder normal denkende Mensch auch in unserem reichen Land fremdschämen, nämlich wenn man über folgende Punkte nachdenkt:

  • Laut Welternährungs-Organisation verhungern jährlich 6 Millionen Kinder.
  • Täglich sterben bis zu 150, größtenteils unerforschte Pflanzen- und Tierarten aus.
  • Mindestens 5.400 Tier- und 4.000 Pflanzenarten stehen an der Grenze der Ausrottung.
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Jaa, das kenn ich sehr gut!! 
Also ich "fremschäme" mich IMMER in Filmen, obwohl es ja nur ein Film ist! ;)
Immer wenn eine peinliche Szene passiert, muss ich weg schauen.
Keine Ahnung wieso ich das mache...

Ich glaube das liegt am Menschen. Manche schämen sich andauernd fremd, andere können das nie! 

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Fühlt man sich für das mangelhafte Verhalten eines anderen schuldig, bedeutet das, dass man sich für diesen verantwortlich fühlt, dass man sich zu wenig abgrenzen kann.

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Ich gehöre wohl zu den wenigen Menschen, die sich nie fremd schämen würden. Ich akzeptiere so etwas auch nicht, aber da stehe ich wohl ganz allein da.

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Kommentar von Shira
03.05.2011, 09:49

Nö, ich gehöre auch dazu! ;-)

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Natürlich kann man sich für die Handlungen anderer Menschen schämen, mir passiert das automatisch.

Denke das kommt daher, dass man sich schämt mit einer bestimmten Gruppierung in Verbindung gebracht zu werden obwohl man nix damit zu tun hat. Ein wunderbares Beispiel ist für mich das Verhalten einiger deutscher Touristen im Ausland, da kann man sich schon schämen.

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Kommentar von thxhot
02.05.2011, 14:23

warum nennst du es nicht beim Wort - Wahlrecht haben, egal wie blöd

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Kommentar von lupfi
03.05.2011, 16:31

sehr schönes Beispiel !! Wenn ich in Dänemark bin und Deutsche dann quer durch den Laden brüllen....dann spreche ich nur noch Dänisch. Damit keiner merkt, dass das meine Landsleute sind....( ich wollte jetzt nicht mit Dänisch prahlen...!!)

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Kommentar von Elke200444
04.05.2011, 14:00

Ja, dieses Gefühl kenne ich, da ich aber immer für eine Französin gehalten werde, bin ich nicht gezwungen, es so stark nach außen zu zeigen!

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Wenn ich von Diskriminierungen jeglicher Art erfahre, dann schäme ich mich für jede Gemeinsamkeit mit dem Agressor...

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Kommentar von thxhot
02.05.2011, 14:23

solange man verdient ist Moral ein Unwort

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Im Höchstfall kann dir jemand peinlich sein, oder das, was er tut. Aber auch das ist unnötig, da du ja nichts dafür kannst. Das wäre ja einfach, wenn derjenige sich dann nicht mehr schämen müsste, da es ihm jemand anders abnimmt. Ich finde, niemand braucht sich für irgendwas zu schämen; wir sind alle nur Menschen und machen Fehler.

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Es gibt nun mal Menschen, die sich einen Fauxpas erlauben und es dabei gar nicht merken.  

Wenn man mit solchen Menschen unterwegs ist, kann es passieren, dass deren Verhalten äußerst peinlich wirkt und man sich dafür selbst schämt (was man wahrscheinlich "fremdschämen" bezeichnen kann), weil man sich mit den Menschen, mit denen man Umgang hat, identifiziert.  

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