freiwillig gesetzlich krankenversichert oder privat

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3 Antworten

Hallo,

je später man in die PKV wechselt, um so stärker steigen die Beiträge im Alter, da weniger Zeit bleibt, um in der PKV Altersrückstellungen zu bilden. 48 ist für den Wechsel bereits ein hohes Alter.

Der Vergleich GKV - PKV ist grds. ein lebenslanger Vergleich. Das heißt, es ist erforderlich alle späteren möglichen Veränderungen mit in den Vergleich einzubeziehen, z.B. "Vergrößerung der Familie" und Verringerung der Einnahmen.

Auch bei folgenden Änderungen bleibt man in der PKV:

Kurzarbeit, unbezahlter Urlaub/Sabbatjahr, stundenweise Arbeit nach längerer Arbeitsunfähigkeit, Bezug von Krankentagegeld, späteres (Zweit-)Studium, Frührente wegen Erwerbsminderung, Altersrentner, Hausmann, Auszeit wegen Kindererziehung -> in diesen Fällen sind die PKV-Beiträge in unveränderter Höhe weiterzuzahlen.

Ggf. sind zusätzliche Beiträge für (SKinder oder den nichtberufstätigen Ehegatten zu zahlen.

Die Beiträge für einen evtl. nicht berufstätigen Ehegatten (ohne Alg-Bezug) werden in der GKV grds. nach der Hälfte der Einnahmen des PKV-Ehegatten berechnet (§ 240 SGB V letzter Absatz).

Späte Heirat/Stiefkinder können gravierende Auswirkungen haben.

Für Kinder sind pro Kopf Beiträge zu zahlen. Die Leistungen für die Kinder sind dann oft auf die Tarife für die Eltern begrenzt. Hier sind unter dem Suchbegriff "PKV" viele Erfahrungen von Betroffenen vermerkt:

rehakids.de/phpBB2/forum21.html

Bei den Leistungen sollte man neben vielen anderen besonders auf folgende Punkte achten:

• Reha/Kur (z.B. nach Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Unfällen ...)

• Hilfsmittel: Katalog der GKV:

http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/hilfsmittelverz...

Hilfsmittel erreichen schnell 4- und teilweise 5-stellige Beträge.

• Psychotherapie (Anzahl und Erstattungshöhe)

• Heilmittel (z.B. Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie), z.B. nach Schlaganfall

-> Heilmittelarten und Erstattungshöhe

• für Arbeitnehmer Krankentagegeld: Wenn dieselbe Krankheit wiederholt auftritt, braucht der Arbeitgeber insgesamt nur 42 Tage Entgeltfortzahlung zu leisten. Wenn das Krankentagegeld immer erst ab dem 43. Tag gezahlt wird, entsteht ggf. eine längere finanzielle Lücke.

Man kann "PKV-Experten" auch eine Testfrage stellen: "Brauche ich als Arbeitnehmer eine Absicherung für Kur/Reha?" Wenn die Antwort lautet, dass das nicht erforderlich ist, da die Rentenversicherung für Arbeitnehmer die Kosten trägt, ist das nur die halbe Antwort. Als Rentner (auch Frührentner) besteht später dann keine Absicherung mehr. Die spätere PKV-Absicherung für Reha wird dann unmöglich bzw. (fast) unbezahlbar sein.

In der PKV werden Leistungen erstattet, wenn das sie das Maß des Notwendigen nicht übersteigen. Was das "Maß des Notwendigen" ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden - je nach Tarif - oft nur schulmedizinisch anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Wenn man im Krankheitsfall Probleme mit einem PKV-Unternehmen hat, kann man praktisch nicht mehr zu einem anderen Unternehmen wechseln. Jede andere Versicherung wird einen voraussichtlich wegen der Erkrankung ablehnen (oder gravierende Risikozuschläge erheben). In der GKV sind die anderen Krankenkasse verpflichtet, einen aufzunehmen, und man hat ab dem 1. Tag den vollen Leistungsanspruch (ohne Zuschläge).

Vielleicht interessant:

focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/tid-5429/krankenversicherung-zehn-irrtuemer-ueber-die-privatenaid52165.html

bundderversicherten.de/app/download/BdV-PKV-Broschuere.pdf

pkv-ombudsmann.de/

(unter Tätigkeitsberichte sind häufige Beschwerden von PKV-Versicherten aufgelistet)

Wenn die PKV günstiger als die GKV ist, profitiert der Arbeitgeber zur Hälfte von der Ersparnis. Wenn die PKV (früher oder später) teurer als die GKV ist, trägt man als Versicherter die Mehrkosten allein (Arbeitgeber oder Rentenversicherung beteiligen sich daran nicht): § 257 SGB V und § 106 SGB VI

Ähnlich ist es mit dem Steuerrecht. Wenn man niedrigere Beiträge zahlt, kann man steuerlich weniger absetzen. Das Finanzamt spart mit.

Die Gesundheitsfragen im PKV-Antrag sind immer 100% korrekt anzugeben: Gab es in den letzten Jahren in der Familie irgendwann Rückenbeschwerden? Gab es Knieeinschränkungen? Oder Kopfschmerzen? Oder eine Erkältung mit Husten? Nicht angegebene Erkrankungen können auch nach Jahren zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

.test.de/Formulare-der-Privaten-Krankenversicherer-Diagnose-unklar-166...

Die Kosten einer Versicherung bestehen immer aus den gezahlten Beiträgen und den nicht versicherten Leistungen.

Die Entscheidung hat vermutlich lebenslange Auswirkungen und sollte daher genauso gründlich wie z.B. ein Hauskauf angegangen werden.

Viel Erfolg bei der Entscheidung!

Gruß

RHW

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hallo,

ja, die zeit ist geringer altersrückstellungen zu bilden, du bekommst jedoch aus der krankenversicherung der rentner einen zuschuß in höhe von rund 8% von deiner altersrente. aufgrund deines einkommens wird der nicht gering sein. aber die gespräche mit deinem vermittler und deiner fragestellung zeigen mit, das grundsätzlich der unterschied zwischen beiden sytemen, kostenentwicklung usw. dargestellt wurden, bevor eine tarifauswahl und rechnerei getätigt wird. auch die gkv hat weitaus höhere kostenexplosioenen zu verzeichnen als die pkv, da immer wieder vergessen wird, was in den letzten 30 jahren gestrichen worden ist, oder zuzahlungen erfolgen. also so kann mann das nicht erklären. wichtig ist es aber, das du mindetens einen tarif in der pkv vorgeschlagen bekommst, welcher mindestens die leistungen des sgb 5 (leistungen der gkv) enthält mit einer mässigen selbstbeteiligung im jahr (400-650€ sationär und ambulant zusammen) dann wirst du bei dem beitrag entscheiden können, ob bei einer steigerung von 3% jaährlich, neben inflation, gesetzliche steigerung der altersrente und dynamisierung deiner eigenen altersvorsorge in der lage bist, die beiträge zu entrichten.

ups, kompliziert nicht wahr? also unabhängige beratung, ein ausführliches beratungsprotokoll, mindesten 5 pkv versicherer im leistungsvergleich und klarstellung des unterschiedes gkv zu pkv.

beste grüsse

dickie59

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Also zunächst einmal: Ich selber habe mich für die GKV entschieden. Allerdings bin ich verheiratet, da sieht die Sache schon ganz anders aus, wenn die Frau kostenfrei mitversichert ist. Aber das wäre sicher schon mal ein Punkt: Bist Du sicher, dass Dein Single-Status so bleibt ?

Als nächstes würde ich für die Entscheidung zwei Dinge unterscheiden: Die Leistungen und die Kosten. Obwohl es auch in der PKV unterschiedliche Varianten gibt (Einbett/Zweibett-Zimmer etc.) kannst Du in der Rgel davon ausgehen, dass Du als Privat-Patient eine bessere Behandlung bekommst. Und sei es nur bei der Terminvergabe für Untersuchungen. Manche Ärzte nehmen überhaupt NUR Privat-Patienten. Mich hat kürzlich ein Hautarzt mit einer akuten Entzündung am Auge auf einen Termin in 3-4 Wochen vertröstet. Da wäre man lieber Privat-Patient. Oder sucht sich einen anderen Arzt.

Bei den Kosten habe ich grosse Bedenken (und Beispiele aus dem Bekanntenkreis), dass die Kosten einer PKV im Alter kaum noch zu bezahlen sind. Und das fängt auch sicher schon mit 50 Jahren an ! Hast Du schon ein Angebot ?

Ich habe mit 56 Jahren aufgehört zu arbeiten und bin jetzt "Privatier" (näheres in meinem Profil). Ich muss also meine KV komplett selber bezahlen. Als PKV Versicherter müsste ich sicher irgendwas zwischen 500-700 Euro monatlich bezahlen. Als GKV Versicherter zahle ich als "Erwerbsloser" derzeit ca. 150 Euro. Und da ist meine Frau auch noch mit versichert.

Es ist wohl nötig, sich zunächst einmal über die eigene mögliche Zukunft Gedanken zu machen (Evtl. Heirat ?, vorzeitiger Ruhestand ?, Entwicklung der Gesundheit ?).

Meine Entscheidung habe ich ja schon im ersten Satz mitgeteilt. Aber jeder muss letztlich für sich entscheiden. Und deine "Berater" wollen nur ihre Provision verdienen., Sonst nichts.

Gruß, Peter Ranning (Der-Privatier)

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gesund48 02.04.2013, 10:14

Hallo,

ich möchte alle Antworten auf meine Frage kommentieren:

bisherige Nachforschungen übers Internet + Bekanntenkreis lassen den Entschluß nahe kommen, dass ich die Finger von einer PKV lassen soll. Keiner empfiehlt eine PKV und leider ist ein negatives Beispiel auch dabei. Diese Frau - jetzt im Rentenalter - würde sich nicht mehr privat versichern.

Ich solle freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben, da ich sowie schon eine Zusatzversicherung habe. Meine Krankenkasse - die TK - bietet ebenfalls ein sogenanntes Bonusprogramm an, d.h. 200, 400 oder 600 Euro-Erstattung pro Jahr bei Nicht-Anspruchnahme von Leistungen. Das wäre immerhin bei der 600er Variante eine Entlastung von 50 Euro netto im Monat.

Wichtigster Punkt: Die Kosten im Alter. Das wird der Knackpunkt sein. Rückstellungen reichen bei keinem Versicherten aus und wenn ich mit 48 oder 49 in eine PKV wechseln sollte, dann bei mir erst recht nicht. Und sollte das Rentenalter erreicht werden, bleibt mein monatl. Beitrag in der PKV wohl bei ca. 400 - 600 Euro oder bis dahin mehr und in der gesetzlichen Krankenversicherung würde mein Beitrag dann ordentlich fallen, da der Krankenversicherungsbetrag sich an das wenigerere Rentengehalt halten würde und das wären dann nur ca. 150 - 200 Euro. Das heißt in der gesetzlichen ist der spätere Monatsbeitrag um das 3-fache geringer !!! Da hast du absolut recht Peter.

Die Kosten für eine PKV sind in den letzen Jahren durchschnitlich mit 4.9% gestiegen. Die gesetzliche wird wohl auch in den letzten Jahren gestiegen sein, aber hier soll es "nur" die Hälfte sein - bei geringeren Leistungen, aber dafür habe ich ja meine Zusatzversicherung.

Dies mal als Kurzinfos.

Angebote und Termine mit 3 Versicherungsberatern folgen in den kommenden Wochen. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Sollte jemand noch einen heißen Tipp oder Ratschlag haben, dieser ist herzlich willkommen.

Sollte ich gänzlich falsch liegen oder ich interpretiere die gesammelten Infos nicht richtig, auch bitte hier antworten.

Viele Grüße

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