Freiheit laut Immanuel Kant und Sartre?

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2 Antworten

dandy100 hat das schon sehr gut dargestellt. Der größte Unterschied zwischen Kant und Sartre ist: Kant ist letztlich Idealist, glaubt an einen Gott und ein Leben nach dem Tod und sagt, nachdem er witzigerweise alle vor ihm dargelegten Gottesbeweise widerlegt hat, wenn es Gott nicht gäbe, müsste man ihn erfinden. Den platonischen und descartchen Dualismus von Materie und Geist übersetzt er in einen eigenen Dualismus von "Welt an sich" und "Welt unserer Wahnehmung". Die "Welt unserer Wahrnehmung" (Schopenhauer: Welt als Vorstellung) ist ziemlich deterministisch geprägt von der von uns selbst konstruierten Kausalität. Da ist eigentlich kein Platz für Freiheit. Aber wie bei Platon - Welt der Ideen = perfekte Welt und unsere real wahrgenommene Welt ist mindere, nur schlecht wahrgenommene Welt der Ideen - so ähnlich verhält es sich bei Kant mit der "Welt an sich", das ist die "wahre Realität mit Geist und Vernunft und den Dingen und Verhältnissen, wie sie wirklich sind" und der "Welt unserer Wahrnehmung", die eine "verunreinigte Widergabe" der "Welt an sich" ist. Zur Welt des Geistes und der Vernunft, Teil der "Welt an sich" und Hort der Freiheit, haben wir nur dann Anbindung, wenn wir mit richtigen Begriffen und richtigem Denken Anschluss an die Vernunft als Ausdruck der geistig richtig erfassten Zusammenhänge finden. Nur wenn wir bedürfnisbestimmte, emotionale Urteile durch Vernunft bereinigen, kommen wir zu wirklich freiem Handeln. Wow, ich hoffe, ich habe das ausreichend verständlich runtergebrochen.

Sartre ist Materialist. Für ihn ist die Welt eine Sache der Evolution und der Mensch dessen Produkt. Die Überhöhung, dass es da in einer "Welt an sich"  wahrheitsgarantierenden Geist und Vernunft auf "höherer Ebene" gibt, lehnt er strikt ab. Wir sind alle Teil einer großen Welt und in die wechselseitigen Beziehungen eingebunden. Diese sind - zumindest nicht auf die Zukunft des Handelns - nicht streng determiniert. Unsere Freiheit ist keine absolute sondern eher ein relativer Zwang, mit unserem welt-mit-gestaltenden Handeln immer wieder entscheiden, wählen zu müssen. Leben heißt zuerst handeln. Ob wir dabei denken, ist zweitrangig. Alle Aktivitäten, mit denen wir unser Überleben sichern, sind an handeln geknüpft (das wusste schon Aristoteles) - da unterscheiden wir uns nur graduell von den Tieren. Wir haben aber die Fähigkeit, Erkenntnisse zu sammeln, abstrakt in Theorien zu bündeln und als Wissen weiterzugeben. Vernunft ist für Sartre eher die aussortierten bewährten Theorien in Anwendung bringen, wenn wir vor der Wahl des Handelns stehen. Vernunft ist der Ausdruck gesammelten, bewährten Wissens einer Kultur. Jede Wahl hat immer auch die Möglichkeit des Scheiterns in sich, sodass die Freiheit zur Wahl mit keiner Überhöhung verbunden ist. Dass wir "in die Welt Geworfene" sind (Heidegger) begründet unser zielloses Sein. Es ist nur die Basis der Chance, aus den sich dann ergebenden Möglichkeiten eine Personlichkeit zu formen. Das ist die positive Seite der Freiheit.

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Die Frage ist aber nicht ernst gemeint, oder..

Glaubst Du wirklich, dass könnte man mal eben in ein paar Sätzen erklären?

Dazu ist vor allem Kant zu kompliziert, da musst Du Dich schon selber durchwühlen -  und viel nachdenken

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Kommentar von kevserbasar
27.06.2016, 00:05

Danke trotzdem. Ich erwarte ja keine Doktorarbeit... Nur kurz die Unterschiede oder ob es Unterschiede gibt!

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Kommentar von kevserbasar
27.06.2016, 04:09

Dankeschön und es tut mir leid für die dumme Frage 🤔

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