Fragen zur Industriellen Revolution : 1.Warum ist die deutsche Revolution anders als die in England?

2 Antworten

Das Ursprungsland der industriellen Revolution war England. Der Grund ist ziemlich einfach, wenn auch nicht unbedingt schnell erklärt. ;) Ich gebe mein Bestes.

England war von jeher recht reich mit Wolle ausgestattet. Manufakturwaren der Spinner und Weber waren damit das Kernprodukt von Englands Wirtschaft.

Nun waren die Engländer ein recht aggressives Völkchen, damals. Mit den Holländern lieferten sie sich einen Wettstreit um die Vormachstellung in den östlichen Kolonien (v.a. Indien). Diese Vormachtstellung manifestierte man durch die Gründung von Monopolgesellschaften (Stichwort Ost-Indien-Kompanie), eine Vereinigung von Händlern, die ebenso machthungig wie skrupellos waren und mit zahlreichen Sonderrechten ausgestattet waren.

Diese Art von Politik war für die Krone damals üblich. Wir vergeben Priviligien (für die wir reichlich Geld nehmen) und lassen dann die anderen für uns die Drecksarbeit machen. Spart einem ne eigene Flotte und jede Menge Soldaten. ;)

Die Ost-Indien-Kompanie fasste in Indien schnell Fuß, gründete dort einen eigenen (englischen) Staat, wozu sie berechtigt war und setzte sich gegen die Holländer durch. Info am Rande - die Ost-Indien-Kompanie war damals Hauptkreditgeber der englischen Krone und gründete die "Bank of England", deren einziger Zweck war, die Staatsschulden zu verwalten.

Jedenfalls war die indische Spezialität Baumwolltuch. Baumwolle war in England zunächst ein Luxusprodukt, war aber weitaus leichter und angenehmer zu tragen als die heimische, schwere Wolle. Daher breitflächig sehr begehrt. Nur die Technik, die recht spröde und kurze, planzliche Faser zu einem reißfesten Kettgarn zu verarbeiten war den Engländern unbekannt. Das konnten nur die Inder.

Und die fertigten noch dazu so billig, dass trotz der Transportkosten Baumwolltuch in England bald erschwinglich wurde. Das aber gefährdete die heimische Manufaktur in England und das merkantilistische England sah sich gezwungen, den heimischen Markt zu schützen. Dazu gab es damals ein paar gängige Methoden. Je nach Problem verhängte man Einfuhrverbote, Ausfuhrverbote oder verhängte enorme Zölle, die die Produkte verteuerten.

Im Falle Baumwolle verhängte man ein Einfuhrverbot für Baumwolltuch aus Indien. Punkt.

Damit durften die Monopolisten nur noch Rohbaumwolle aus Indien nach England ausführen. Eine absurde Situation die auch Mahatma Ghandi in seinem späteren Unabhängigkeitskrieg angeprangert hat. Billig produzierte indische Baumwolle wurde auf einem langen kostspieligen Seeweg nach England ausgeführt, dort an großen Industriestandorten zu Textilien verarbeitet und dann zurück per Schiff in die Kolonien transportiert und dort an reiche Großgrundbesitzer und Könige verkauft, die sich als einzige die teure Ware leisten konnten. Die indische Bevölkerung, die ursprünglich mal von der Baumwolle lebte und sich mit ihr einkleiden konnten ging leer aus.

Zu Hause in England hatte man sich an die leichten Stoffe gewöhnt und wollte sich weiterhin damit bekleiden.

Die heimische Manufaktur konnte die Stoffe aber zunächst gar nicht fertigen und dann nicht zu dem Preis wie die Inder. England war damals ein Hochhochland und Tuchherstellung ist ziemlich personalaufwendig. Die Rohbaumwolle musste von Schmutz befreit, gekämmt und kardiert werden, wodurch ein Flies entstand. Das wiederum musste man spinnen, dann weben, dann kam die Appretur (die Feinarbeit, wie etwa Walken, Scheren), Färben etc etc. Auf einen einzigen Webstuhl kamen damit 18 Hilfskräfte!

Man suchte also einen Weg finden, die Personalkosten zu senken. Es wurden Preise ausgeschrieben für Erfindungen. Die Spinning Jenny brachte dann den Durchbruch! Das war die erste Spinnmaschine. Zuvor mussten einem Weber etwa acht Spinner zuarbeiten, um ihn mit Garn zu versorgen. Die Jenny schuf ein Verhältnis von 1:1, was die Spinner nicht allzu glücklich machte. :) Es kam zu Hungeraufständen der Spinner und dem Erfinder der Jenny, James Hargreaves, fackelte man dabei Haus und Hof ab.

Hargreaves versuchte einen Neuanfang in Nottinham und war dort nicht mit dem bösen Sherrif, dafür aber mit Richard Arkwright benachbart. Und wie der Zufall es so will tüftelte der ebenfalls kräftig an einer Lösung für eine Spinnmaschine. Gemeinsam erfanden sie die "Waterframe", eine mit Wasserkraft betriebene Spinnnmaschine. Das war der Grundstein für die industrielle Revolution.

Wo zuvor Garnknappheit herrschte gab es nun einen Garnüberhang und England exportierte Garne nach Europa. Um den Garnüberhang in den Griff zu bekommen erfand man in einem nächsten Schritt den mechanischen Webstuhl. Anschließend wurde die Wasserkraft durch die Dampfmaschine abgelöst und diese verschaffte der Industrialisierung dann Dynamik.

Die Erfindungen verbreiteten sich natürlich Zug um Zug auch im Rest Europas, durch Wettbewerb und teils auch Betriebsspionage und förderten den Wohlstand in den Ländern auf dem Kontinent.

Es ging bei der Industrialisierung (wie stets) vor allem auch um die Frage der Vormachtstellung in Europa. England hatte verglichen mit dem Kontinent eine ganz andere Ausgangsbasis. Die Insel war von den Problemen, Streiterein und Erbfolgekriegen des Kontinents weitestgehend unberührt und erfreute sich langer Friedenszeiten und eines Bevölkerungswachstums. Bei uns hingegen gab es viele kleine und teils zerstrittene Fürstentümer.

Daher kam die Industrialisierung bei uns sehr viel langsamer voran.

Hoffe, ich konnte dir etwas helfen.

Diese Frage gibt es bei GF immer wieder, und sicher findest du hier noch andere zutreffende Antworten.

Ein wesentlicher Unterschied war der Umstand, dass England ein Königreich war, was einheitlich strukturiert war. Es besaß zudem große Kolonialgebiete in Übersee, und konnte von dort seinen Rohstoffbedarf decken. Mit den Kohlevorkommen im Norden des Landes war auch genügend Energie vorhanden um die sich schnell entwickelnde Industrie zu versorgen. So konnte in England die Mechanisierung und die Industrialisierung sehr schnell voranschreiten. Die Kolonien waren darüber hinaus gleichzeitig auch Absatzmarkt für die hergestellte Waren.

Deutschland dagegen war ein Sammelsurium von Kleinstaaten und Fürstentümer und es gab noch nicht mal eine Zollunion. Kolonien hatte es auch keine. Dennoch hat Deutschland zu der Zeit viele wesentliche Erfinder, Wissenschaftler und Chemiker hervorgebracht. Nur verkauften sie ihre Patente in der Regel nach Frankreich oder England, da sie im Inland damit kein Geld verdienen konnten. 

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