Fragen zum Imperalismus?

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2 Antworten

Mit den "innenpolitischen Spannungen" sind z. B. Auseinandersetzungen um das allgemeine Wahlrecht (wie in Preußen) oder etwa Streiks für Lohnerhöhungen oder den 8-Std.-Tag gemeint.

Ob  es in den einzelnen Ländern gelungen ist, diese Konflikte
durch imperiale Politik zu entschärfen und stattdessen so etwas wie einen nationalen Zusammenschluss hinter der auswärtigen Politik der eigenen Regierung zu erreichen, kann man diskutieren.

Atzef bezweifelt das ja stark. Er engt allerdings in seinem Statement imperiale Politik auf den "Erwerb von Kolonien" ein. Meiner Meinung nach sollte dieser Begriff aber auch die Festlandsbestrebungen Deutschlands, Österreich-U. und Russlands in Europa (bzw. in Europa und Asien im Falle Russlands) sowie den Kampf um Zugang zu den Weltmärkten (auch ohne den formellen Erwerb von Kolonien) umfassen.

So ein Verein wie der Deutsche Flottenverein hatte immerhin über eine Million Mitglieder, und es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass sich auch einfache Bürger über die anderen Mächte entrüstet haben, wenn ihr jeweiliges Land bei internationalen Konflikten "benachteiligt" wurde.

Dass bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges praktisch alle Völker nahezu geschlossen hinter ihrer eigenen Regierung standen, erlaubt den Rückschluss, dass das mental vorbereitet gewesen sein müsste und dass das Auf-Eis-legen der inneren Spannungen im Rahmen eines nationalen "Burgfriedens" vorübergehend durchaus gelungen ist.

Das wäre dann die "Ableitung" der inneren Spannungen nach außen.

Für den historischen Imperialismus bis 1914 halte ichdiese These für abwegig. Da gab es nirgendwo "soziale Spannungen", die man mit dem Erwerb der Kolonien hätte "ableiten" können.

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