Fragen zum Ehebruch bei den Germanen!

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7 Antworten

Die Quellen dazu sind hauptsächlich Rechtsquellen, das heißt Texte, die rechtliche Regeln angeben.

Bei vielen Fragen zu Einzelheiten ist daher nicht bekannt, wie es in der Praxis genau abgelaufen ist.

Tacitus, Germania 19, 2 schreibt, es habe bei den Germanen äußerst wenige Fälle von Ehebruch gegeben.

ein Kommentar zur Tacitus-Stelle, auch mit Hinweisen, wo die Schilderung germanischen Verhältnis gezielt im Kontrast mit den römischen der Gegenwart des Autors geschieht):

P. Cornelius Tacitus, Germania. Interpretiert, herausgegeben, übertragen, kommentiert und mit einer Bibliographie versehen von Allan A. Lund. Heidelberg : Winter, 1988 (Wissenschaftliche Kommentare zu griechischen und lateinischen Schriftstellern), S. 164 - 167

Strafe nur für ehebrecherische Frau oder auch für ehebrecherischen Mann?

Auch der andere Mann konnte bestraft werden.

Außereheliche geschlechtliche Beziehungen waren bei den Germanen nur für die Ehefrau rechtlich verboten. Beim Ehemann war es nicht strafbar, solange die andere Frau nicht die Ehefrau eines anderen Mannes war. Die andere Frau wurde, wenn sie nicht Ehefrau eines anderen Mannes war, nach dem Recht der meisten germanischen Völker nicht rechtlich belangt. Sie konnte beispielsweise in der Zeit der Merowinger als Kebse (Nebenfrau) des Herrschers rechtlich unangefochten sogar eine bedeutende Stellung erreichen. Nur das Recht einiger Völker (Westgoten; schwedische Svearrechte) wich davon ab: Danach soll die Frau, die mit einem Ehemann in außerehelicher Beziehung steht, der Rache der Ehefrau überantwortet werden. Diese Vorschriften beruhen möglicherweise schon auf Verbindung germanischer Rechtsanschauungen mit kirchlichen Eheauffassungen.

Die Strafgewalt des Ehemannes war im Fall von Ehebruch (geschlechtlicher Verkehr seiner Ehefrau mit einem andren Mann) groß. Wenn er seine Ehefrau und einen anderen Mann erwischte, während sie Ehebruch betrieben, sie somit «auf handhafter Tat» antraf, konnte er sie beide bußlos erschlagen (töten, ohne dafür ein Buße entrichten zu müssen). Der Ehemann konnte seine Ehefrau bußlos töten oder verstümmeln (nach angelsächsischen oder nordischen Quellen durch Abschneiden von Nase oder Ohren), konnte sie veräußern oder erniedrigen. Schimpfliche Verstoßung war vermutlich die häufigste Art der Bestrafung.

Was der Ehemann mit dem anderen Mann außer Tötung bei einem Ertappen auf der Tat machen konnte, hing von dem geltenden Recht ab, das je nach germanischem Volk und Zeit darin nicht völlig gleich war. Beispielsweise konnte er von dem anderen Mann ein Bußgeld bekommen.

Abscheren der Haare

Der ehebrecherischen Frau wurden die Haare abgeschoren, um ihre Ehrlosigkeit sichtbar zu machen. Sie war damit öffentlich gekennzeichnet, mit einem Zeichen der Schande. Die Frau wurde bei etwas, das zum schönen Aussehen gehört, zeitweilig entstellt, was eine Herabsetzung und Demütigung ist. Bei den Germanen waren lange Haare ein Rechts- und Statussymbol, das Tragen langer Haare ein Zeichen der rechtlich voll freien Personen.

Nacktheit

Die Nacktheit gehörte dazu, die Ehrlosigkeit sichtbar zu machen und die Frau als schutzlos zu zeigen. Dies war das Vollziehen einer schimpflichen Verstoßung. Der Ehemann schnitt seiner ehebrecherischen Ehefrau die Haare ab, riß ihr das Gewand vom Leib oder schnitt ihr vor der Schwelle des Hauses von hinten den Rock ab, vertrieb sie dann mit Rutenschlägen (überliefert aus dem 8. Jahrhundert für die Sachsen sowie später noch für die Dänen und Schweden; vgl. auch Tacitus, Germania 19). Verwandte und Nachbarn waren bei den Handlungen anwesend. Die Verstoßung war damit öffentlich.

Verhalten der Leute, der Frauen, ihr zukünftiges Leben

Hierzu gibt es nicht viel Wissen.

So eine Verstoßung war ein schwerwiegender Schritt. Wenn die Leute davon überzeugt waren, die Ehefrau habe tatsächlich Ehebruch begangen, sind Versuche, den Ehemann bei der Bestrafung zu stoppen, ziemlich unwahrscheinlich.

Ohne einen Beistand anderer gab es für die Frauen kaum eine aussichtsreiche Chance, sich zu wehren.

Die Frau verlor ihre Rechte im Verhältnis zu ihren Mann (meistens auch in vermögensrechtlicher Hinsicht) und den Schutz ihrer Sippe. Bewegliche Habe, die zum Haushalt gehörte, büßte sie zumeist ein. Wenn ihr selbst Land und Gebäude gehörten, blieben diese ihr Besitz.

Tacitus, Germania 19, 2 schreibt nur, die Frauen würden mit Schlägen durch das ganze Dorf getrieben. Ein Verjagen aus dem Dorf steht nicht ausdrücklich da.

Eine Frage ist, inwieweit eine Frau, die so abgestempelt wurde und dadurch einen schlechten Ruf, hatte, in der Dorfgemeinschaft geduldet wurde. Ohne ausreichende Quellenberichte ist diese allgemeine Frage nicht gut beantwortbar.

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Kommentar von Albrecht
08.02.2015, 01:54

Wenn nicht Verwandte oder Freunde/Bekannte die Frau trotzdem aufnahmen, war ihre Lage schwierig. Der Ehemann konnte sie später wieder aufnehmen, wenn er wollte aber die Verstoßung zeigt ja gerade seinen Willen, sich von ihr für immer zu trennen. Ein Meinungswandel einige Zeit später ist höchstens in seltenen Ausnahmefällen denkbar. Eventuell versuchte die Frau, anderswohin zu ziehen und eine neue Existenz aufzubauen.

Tacitus meint, für Preisgabe der Keuschheit habe es bei den Germanen keine Nachsicht gefunden, die ehebrecherische Frau werde weder durch Schönheit noch Jugend noch Reichtum eine Ehemann finden. Tacitus kennt kannte das Leben der Germanen höchstens geringfügig aus eigener Anschauung und auf die Praxis bezogen wirkt die Aussage in ihrer Pauschalität etwas übertrieben.

Informationen zum Thema:

Reiner Schult, Ehebruch. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. Band 6: Donar-pórr - Einbaum. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Berlin ; New York : de Gruyter, 1986, S. 479 - 480

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Die Germanen lebten in einer genauso patriarchalischen Gesellschaft wie alle indoeuropäischen Völker, wie die Kelten, Römer, Griechen oder Perser: Die germanische Frau stand unter der Vormundschaft ihres Vaters, später ihres Ehemannes, und nach dessen Tod womöglich der Vormundschaft ihrer eigenen Söhne.

Beging eine Frau Ehebruch, konnte ihr Mann sie allerdings töten oder verstoßen, ohne dafür die Rache ihrer Herkunftssippe fürchten zu müssen - im Gegenteil, oft verlangten ihre Verwandten ausdrücklich eine harte Bestrafung, weil ihnen der 'Vertragsbruch' peinlich war.

Ich denke nachfolgender Link könnte hilfreich für deine Fragen sein = http://www.germanen-und-roemer.de/lex027d.htm

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Wurde nur die ehebrecherische Frau bestraft oder auch der Mann?

Der Mann war der persönlichen Rache des Ehemanns ausgeliefert, konnte sich aber freikaufen.

Warum schor man der Frau die Haare ab?

Die Haare waren ein Zeichen der Ehre. Man nahm damit der Frau jegliche Ehre.

Warum wurde sie nackt aus dem Haus gejagd. Wurde sie so aus dem Haus gejgd wie sie beim Ehebruch erwischt wurde oder musste sie sich extra ausziehen? Wurde sie völlig nackt durchs Dorf geprügelt oder durfte sie wenigstens das nötigste" anbehalten?

Der Frau wurde damit jeglicher Schutz genommen. Meist wurden ihr die Kleider heruntergerissen. In der germanischen Kleidung gab es nichts 'nötigstes' - keine Unterhose und auch keinen BH.

Wie verhielten sich die Leute die mitbekamen als sie nackt durchs Dorf geprügelt wurde? Haben sie versucht zu helfen oder haben sie es als gerechte Strafe empfunden?

Natürlich wurde das als gerechte Strafe empfunden.

Wie verhielten sich die Frauen selbst als man sie durchs Dorf trieb? Haben sie versucht sich zu wehren oder sind sie einfach gerannt? Haben sie geweint?

Wahrscheinlich versuchten sie die Sache so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.

Was geschah danach mit der Frau? Durfte sie weiterhin in dem Dorf wohnen oder sie sich ein neues Heim suchen?

Es gab da mehrere Möglichkeiten, die erstmals vom Mann abhingen: Er konnte sie wieder als Frau annehmen oder sie auch davonjagen. In einem solchen Fall konnte die Frau Selbstmord begehen oder in das Haus ihres Vaters zurückkehren (wenn das möglich war).

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Die Haare waren wohl ein sehr markantes Zeichen der Ehre. Man nahm ihnen damit jegliche Schutzzone(Kleidung) und brandmarkte sie als Aussätzige. Wie werden sich diese Frauen wohl gefühlt haben, wie das Letzte nehm ich mal an, was sie für die Gesellschaft von da an auch darstellten... Für mich besteht die Frage, womit man das Haar schor?

Ich denke, dies galt allein der treulosen Ehefrau, wobei ich über die Gepflogenheiten der Germanen vor der Zwangschristianisierung nichts weiß. Diese Praktik erinnert mich allerdings sehr an Französinnen, die sich während des 2. Weltkrieges mit Deutschen eingelassen hatten.

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die Frage ist kaum zu beantworten, denn es gibt da kaum schriftliche Überlieferungen. Wie auch, Papier zerfällt sehr schnell und spezielle Vorkommnisse extra in Stein zu hauen, in Schiefer zuritzen, oder extra an die Wand zu pinseln, dafür waren derlei Geschehnisse damals nicht wichtig genug. Ich vermute mal, dass man die Ehebrecherin aus dem Dorf vertrieb.

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Nur die Frauen bestraft wurden, weil nur Frauen Kinder auf die Welt bringen koennen; keiner wollte, 'Vater' eines anderen Mannes Kind warden.

Lange Haare sind lange ein Schoenheitszeichen; auch am Ende des 2. Weltkrieg, ueberhaupt in Frankreich, schor man die Haare von Frauen, die sich in deutschen Soldaten verliebt haben, um sie zu schaemen

Offentlich nackt ist auch ihnen zu schaemen, also voellig nackt

Keine Sympathie, nur Steine, verrottete Gemuese, und Mist nach ihnen geworfen.

Wie verhielten sich die Frauen? Wie sollen sie sich verhalten? Denk daran! Und wie kann man sich gegen die Bevoelkerung eines ganzen Dorf wehren?

Haengt bei dem mann, wollte er seine Frau zuruecknehen, dann blieb sie mit ihm, aber wenn sie aus dem Dorf ausgeschmissen wurde, ist es moeglich, dass sie vor Hunger und Kaelte starb, oder vielleicht Woelfenfutter wurde

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Frag die Germanen. Woher soll jemand ernsthaft wissen, ob sie geweint haben?

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Kommentar von bataver
07.02.2015, 01:22

Vielleicht beschrieben ja irgendwelche Zeitzeugen in Büchern derartige Vorfälle und was genau dabei geschah.

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