Fragen zu Zarathustra

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Bei Ästhetizismus ist etwas unklar, was gemeint ist. Wenn an schaffende/schöpferische Menschen gedacht ist, handelt es sich um ein Thema, das auch Bestandteil des Themas Übermenschwerdung ist. Es gibt auch eine Rede über die „große Vernunft“ des Leibes, was als ästhetischer Begriff gedeutet werden kann (besonders mit dem Hintergrund von griechisch αἴσθησις = Sinneswahrnehmung).

Auch Gedanken wie die Diagnose vom Tod Gottes (was eng mit dem Thema Nihilismus zusammenhängt) und die Umwertung aller Werte kommen vor.

Eine wichtige und grundlegend Aussage fehlt in der Aufzählung: die Lehre vom Willen zur Macht

Eine abgeänderte Auflistung großer Themen ist dann:

1) Übermensch

2) Wille zur Macht

3) ewige Wiederkunft des Gleichen

Neben der eigenen Lektüre können auch Darstellungen in Hinsicht auf wichtige Themen verglichen werden.

Marco Brusetti, Friedrich Nietzsche. In: Großes Werklexikon der Philosophie. Herausgegeben von Franco Volpi. Band 2: L - Z, Anonyma und Sammlungen. Stuttgart : Kröner, 1999, S. 1079:

„Der Übermensch, der Wille zur Macht und die ewige Wiederkunft des Gleichen sind die wichtigsten Gedanken der Schrift.“

Vgl. auch:

Marco Brusetti, Vom Zarathustra bis zu Ecce homo. In: Nietzsche-Handbuch : Leben - Werk - Wirkung. Herausgegeben von Henning Ottmann. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, S. 120 – 122

Christian Niemeyer, Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra". Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft , 2007 (Werkinterpretationen), S. 7 – 8:

„Za ist Nietzsches Hauptwerk, die Diagnose vom Tod Gottes sowie die Lehren vom Übermenschen, von der ewigen Wiederkunft sowie vom Willen zur macht kann man hier gleichsam in ihrer ersten, unverhüllten Gestalt in die Welt treten sehen.“

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra : ein Buch für Alle und Keinen. Erster Theil. Zarathustra’s Vorrede. 3.: „Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde!“

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra : ein Buch für Alle und Keinen. Erster Theil. Die Reden Zarathustra’s. Von der schenkenden Tugend 3.

„Und das ist der grosse Mittag, da der Mensch auf der Mitte seiner Bahn steht zwischen Thier und Übermensch und seinen Weg zum Abende als seine höchste Hoffnung feiert: denn es ist der Weg zu einem neuen Morgen.
Alsda wird sich der Untergehende selber segnen, dass er ein Hinübergehender sei; und die Sonne seiner Erkenntniss wird ihm im Mittage stehn.
„Todt sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.“ — diess sei einst am grossen Mittage unser letzter Wille! —

Also sprach Zarathustra.“

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra : ein Buch für Alle und Keinen. Zweiter Theil. Von der Selbst-Ueberwindung.

„Nicht der Fluss ist eure Gefahr und das Ende eures Guten und Bösen, ihr Weisesten: sondern jener Wille selber, der Wille zur Macht, — der unerschöpfte zeugende Lebens-Wille.
[…].
Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht; und noch im Willen des Dienenden fand ich den Willen, Herr zu sein.
Dass dem Stärkeren diene das Schwächere, dazu überredet es sein Wille, der über noch Schwächeres Herr sein will: dieser Lust allein mag es nicht entrathen. Und wie das Kleinere sich dem Grösseren hingiebt, dass es Lust und Macht am Kleinsten habe: also giebt sich auch das Grösste noch hin und setzt um der Macht willen — das Leben dran.
Das ist die Hingebung des Grössten, dass es Wagniss ist und Gefahr und um den Tod ein Würfelspielen.
Und wo Opferung und Dienste und Liebesblicke sind: auch da ist Wille, Herr zu sein. Auf Schleichwegen schleicht sich da der Schwächere in die Burg und bis in’s Herz dem Mächtigeren — und stiehlt da Macht.
Und diess Geheimniss redete das Leben selber zu mir. „Siehe, sprach es, ich bin das, was sich immer selber überwinden muss.
„Freilich, ihr heisst es Wille zur Zeugung oder Trieb zum Zwecke, zum Höheren, Ferneren, Vielfacheren: aber all diess ist Eins und Ein Geheimniss.
„Lieber noch gehe ich unter, als dass ich diesem Einen absagte; und wahrlich, wo es Untergang giebt und Blätterfallen, siehe, da opfert sich Leben — um Macht!
„Dass ich Kampf sein muss und Werden und Zweck und der Zwecke Widerspruch: ach, wer meinen Willen erräth, erräth wohl auch, auf welchen krummen Wegen er gehen muss!
„Was ich auch schaffe und wie ich’s auch liebe, — bald muss ich Gegner ihm sein und meiner Liebe: so will es mein Wille.
„Und auch du, Erkennender, bist nur ein Pfad und Fusstapfen meines Willens: wahrlich, mein Wille zur Macht wandelt auch auf den Füssen deines Willens zur Wahrheit!
„Der traf freilich die Wahrheit nicht, der das Wort nach ihr schoss vom „Willen zum Dasein“: diesen Willen — giebt es nicht!
„Denn: was nicht ist, das kann nicht wollen; was aber im Dasein ist, wie könnte das noch zum Dasein wollen!
„Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern — so lehre ich’s dich — Wille zur Macht!
„Vieles ist dem Lebenden höher geschätzt, als Leben selber; doch aus dem Schätzen selber heraus redet — der Wille zur Macht!“ —
Also lehrte mich einst das Leben: und daraus löse ich euch, ihr Weisesten, noch das Räthsel eures Herzens.“

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra : ein Buch für Alle und Keinen. Dritter Theil. Der Genesende. 2

„Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.“

„Denn deine Thiere wissen es wohl, oh Zarathustra, wer du bist und werden musst: siehe, du bist der Lehrer der ewigen Wiederkunft —, das ist nun dein Schicksal!“

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@Albrecht

boah danke viel mal für diese ausführliche Zusammenstellung.Ästethizismus meint, das Nietzsche/Zarathustra sehr viel wert auf die Ästhetik legt. (Nietzsche hat ja so etwas wie ein "Tanzfetisch" ;) oder er lobt die Tiere (seine Tiere) zum Teil auch für ihr Schönheit.

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@centrinotm

Ist die "ewige Wiederkunft des Gleichen" nur als Gedankenspiel zu verstehen. Oder sieht Nietzsche den Menschen wirklich in einem "Rad der Zeit"?

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@centrinotm

In seinem Lebensrückblick hat Nietzsche immerhin den Gedanken hervorgehoben.

Friedrich Nietzsche, Ecce homo - wie man wird, was man ist. Also sprach Zarathustra : ein Buch für Alle und Keinen. 1.

„Ich erzähle nunmehr die Geschichte des Zarathustra. Die Grundconception des Werks, der Ewige-Wiederkunfts-Gedanke, diese höchste Formel der Bejahung, die überhaupt erreicht werden kann —, gehört in den August des Jahres 1881:“

Nietzsche hat den Gedanken danach nicht mehr oft in Werken vertreten. Ein Stück weit kann er wohl in voller Radikalität genommen als Durchspielen betrachtet werden. Das Jasagen zum Leben ist aber ein Standpunkt, der als Kern für Nietzsche bestehen bliebt.

ein Buch, das auch darauf eingeht:

Volker Gerhardt, Friedrich Nietzsche. Original-Ausgabe 4., aktualisierte Auflage. München : Beck, 2006 (Beck'sche Reihe : Denker ; 522), S. 193 – 204 (IV. Experimentalphilosophische Visionen 6. Die ewige Wiederkehr)

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Hausaufgabe? ;-)

Für mein Empfinden ist eine der wichtigsten Aussagen: Gott ist tot!

Nietzsche verweist in dieser Matapher darauf, dass das was Mensch sucht, nur in seinem Innersten gefunden werden kann, dass es seine eigene Essenz, sein Geist ist, den er sucht und der nur in der Stille und im Rückzug von Äußerem erkannt wird.

Gleichzeitig verweist er darauf, dass zur Entstehung des Übermenschen beide Aspekte gehören: die Erkenntnis und Verwirklichung des Geistes, sowie die Anerkenntnis der Materie, der eigenen Natur.

Danke, "Gott ist tot" war mir zwar bewusst aber habe ich vergessen zu erwähnen.

Interessante Apsekte: könnte man auch sagen, dass der Mensch ein schaffendes Wesen sein soll?

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@centrinotm

Wenn das Schaffende erkannt wird, als das, was sich durch ihn ausdrückt und nicht als verstandesgesteuerte Aktion, ja.

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