Fragen an "Flugzeugexperten"

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7 Antworten

1) Emirates hat ein äußerst rasantes Wachstum, das ist auch Ihr Problem, sie müssen den Markt mittlerweile leerkaufen und oftmals entweder sehr unerfahrene oder sehr alte Piloten ins Cockpit stecken, s.u. 2) Emirates hat auf Grund Ihrer strategisch guten Lage sicherlich eine gute Marktposition. Allerdings ist eine Allianz dennoch vorteilhaft. Dazu müsste sie aber erst von einer zertifizierten Audit-Abteilung überprüft werden. Hierbei gibt es neben einem riesigen Anforderungskatalog einige K.O.-Kriterien und ich fürchte, dass einige auf die Emirates zutreffen könnten, z.B. ein non-punitives Reporting System. 3.) T/O-Performance wird für jeden Start individuell berechnet, siehe Vorredner. 4.) Leise s. andere Antworten. 5.) Nur weil die Emirates teilweise von LH gewartet werden, bedeutet dies nicht notwendigerweise, das der technische Zustand das Non-Plus-Ultra ist: erstens wird ein Flugzeug wie bei Autos in einer Basic-Version angeboten, dazu gibt's dann tausende Extras, dabei auch viele sicherheitsrelevante und redundante Systeme. Des Weiteren sind die Wartungszyklen & Umfang von den lokalen Behörden vorgeschrieben, sprich in diesem Falle der Scheich, dem auch die Airline gehört. Dabei werden sicherlich die Empfehlungen der Hersteller berücksichtigt. Aber von den Herstellern kommen auch verschiedene Level's an Empfehlungen, von "must do" bis hin zu "nice to do". Im Maintenance-Vertrag ist klar geregelt, welche Arbeiten verrichtet werden müssen und welche Beanstandungen im technischen Logbuch wie lange offen bleiben können. Die Arbeiten, die von Lufthansa-Technik übernommen werden, sind sicherlich einwandfrei. Die Techiniker haben mit Lehrgängen oftmals mehr als 5 Jahre Schulung auf dem Buckel. (Zum Vergleich: in USA darf ein Mechaniker nach kurzer Einarbeitung einen Treibwerkwechsel vornehmen, dann 10 Jahre bei McDonalds arbeiten und am ersten Tag nach seiner Rückkehr wieder Triebwerke wechseln). Zum Ausrüstungsstand der Emirates-Flotte ist und Details des Maintenance-Vertrags kann ich hier keine Auskunft geben.

6.) wie bereits erwähnt, bildet Emirates nicht selbst aus, sondern holt sich weltweit Piloten vom Markt. Früher war dies finanziell auch für westliche Piloten, die auf Grund mangelnder Qualifikation nicht bei einer größeren Airline untergekommen sind, attraktiv, wofür Einbußen in der Lebensqualitäthingenommen wurden. Auch konnte man vereinzelt ehemalige Piloten renommierter Airlines beobachten, die in USA & Europa bereits aus dem fliegerischen Dienst ausgeschieden waren. Die letzten Jahre hat die Attraktivität nachgelassen und es wurden vermehrt Piloten aus dem Ostblock und Asien eingestellt. Dies ist nun eines der großen Probleme: Cockpitsprache ist Englisch, für die wenigsten die Muttersprache, ein großes Handicap insbesonder in abnormalen Situationen. Ein ehemaliger Aerolloyd-Pilot, der nach dem Konkurs dorthin gewechselt ist, berichtete mir von einer rieseigen Bandbreite in fliegerischer Qualifikation, zwischenmenschlicher Kompetenz, Sprachbegabung usw. Außerdem war er mit den dort geflogenen Verfahren nicht zufrieden, hatte sich schon eigene Verfahren gestrickt (!!!) und bat mich, ihm eine Kopie unserer Handbücher anzufertigen, was ich natürlich ablehnen musste. dies alles sind Punkte, die mich an einem positivem ausgangs eines Audits zweifeln lassen. 7.) s.o.

1) Ich glaube Emirates hat da im Vergleich zu anderen eher höhere Standards. Das Personal ist gut bezahlt, sie können sich leisten, keine Piloten auszubilden, sondern die Besten einfach "einzukaufen". Was die technische Sicherheit angeht, spielen sie nach der Statistik auch ganz vorne mit.

2) Sie haben es nicht nötig. :-) Oder besser: sie sehen keinen Vorteil darin. Die haben auf ihrer Internetseite ein PDF mit einem Statement dazu

3) Ich denke, du beziehst dich auf die Startstrecke, nicht auf die Zeit. Das kommt darauf an. Die Strecke wird länger, wenn

  • es heiß ist,
  • wenig Gegenwind oder gar Rückenwind herrscht
  • wenn geringer Luftdruck herrscht (oder man höher ist)
  • wenn die Bahn nass ist
  • wenn den Triebwerken Zapfluft für die Enteisung der Triebwerkseinläufe und/oder der Flügekvorderkanten entnommen wird
  • Die Bahn eine Steigung hat

All dieses wird vor dem Start bestimmt und so die Startstrecke ausgerechnet. Da diese dann meistens kürzer als die vorhandene Bahn ist, kann man mit einem verminderten Schub starten. Damit schont man vor allem die Triebwerke, spart aber auch Sprit und vermeidet Lärm. Man reduziert den Schub dann soweit, dass es (mit einem Sicherheitspuffer) noch geht. Deswegen könnten die meisten Flugzeuge früher abheben, tun sie aber nicht, wenn sie genug Bahn haben.

4) Die B777 ist das leiseste Flugzeug (außer nem Segelflieger ;-) in dem ich je geflogen bin. Dagegen ist ein A340 oder gar eine 747-400 ziemlich laut.

5) Für alle Verkehrsflugzeuge gibt es festgelegte Prüfintervalle. Die Prüfungen sind bis ins kleinste Detail festgelegt und die Prüfer unterschreiben persönlich für jeden einzelnen Punkt. Das Alter sagt demnach nicht viel über die Zuverlässigkeit aus. Nur bei relativ neuen Mustern, wie A380 oder B787 kann es auch mal zu Fehlern kommen, die es so noch nicht gab (sprich Kinderkrankheiten). Sicherheitsrelevant sind diese aber in den seltendsten Fällen. Die B777 wird schon lange gebaut und ist ziemlich ausgereift.

6)Ich habe nichts dazu gefunden, das Emirates eigene Piloten ausbildet. Weiterqualifiert natürlich schon. Daher sind vermutlich alle Piloten "eingekauft".

7) Dazu hab ich leider nichts gefunden

Der Vorfall in Frankfurt war wahrscheinlich ein Vogelschlag in Verbindung mit einem Kompressor-Stall. Wenn die Strömung innerhalb der Tubine gestört ist, kann es zum durchzünden der Luft gegen die Flugrichtung oder zum Pumpen des Verdichters kommen. Das ist dann als ein/mehrere lauter Knall(s) zu hören. Wie sowas hervorragend professionell (und unspektakulär) abgewickelt wird, wenn man bereits in der Luft ist kann man inklusive Funk bei youtube bewundern:

Generell sind alle Verkehrsflugzeuge dafür ausgelegt, auch mit einem Triebwerk weniger noch sicher zu fliegen, was auch für die Zulassung überprüft wird. Auch die Besatzung trainiert sowas regelmäßig im Simulator.

Würde mir die aktuelle Ausgabe der AeroInternational kaufen. Dort sind die sichersten 60 Airlines weltweit aufgelistet. Emirates ist auf Platz 7. Nur eine europäische Gesellschaft ist "besser". Das ist immerhin ein beruhigendes Gefühl. Ich selbst würde aber mit jeder Gesellschaft fliegen, die Landerechte in der EU hat.

Alternativ kannst Du auch mit Qatar Airlines über Doha auf die Malediven fliegen. Mit denen bin ich vor genau 2 Jahren mit dem ersten A-350 nach Doha und dann mit einer 777 weiter nach Thailand geflogen. Da kann man als Spotter schöne Fotos machen!

Qatar Airways steht in der Sicherheitsliste übrigens an 4. Stelle!

Zu jeder deiner Fragen könnte man einen eigenen Roman - wenn nicht gar ne Doktorarbeit - schreiben, soviel Platz lässt diese Plattform gar nicht zu. Deswegen mach ichs mal kurz:

a) Emirates ist sicher

b) Mitgliedschaften in Allianzen sagen nichts über die Sicherheit aus. Allianzen sind hauptsächlich wirtschaftliche Zusammenschlüsse. Man beachte wieviele Maschinen von Air France (ONE WORLD Mitglied) im letzten Jahrzehnt gecrasht sind. Man beachte das Spanair-Unglück (Star Alliance Mitglied) 2008 in Madrid. Fazit: Allianzen sind kein Sicherheitsgarant. Jedenfalls kein größerer als irgendwelche anderen Dinge auch.

c) Emirates bildet seine Piloten nach internationalen Standards aus. Woher die Piloten ursprünglich stammen spielt keine Rolle.

d) zu Punkt 5 würde dir aber jeder Flugzeugtechniker was husten :D Es gibt feste Prozeduren für ALLE Maschinen, egal ob neu oder alt. Neue werden nicht weniger gründlich gecheckt als alte.

e) die B 777 ist innen nicht lauter als andere zeitgenössische Muster

Bei den ganzen "grundsätzlichen" Zweifeln die du in Technik/Mensch zu haben scheinst, weiß ich nicht ob es hier wirklich jemand schafft dich davon zu überzeugen dass sowohl Emirates im Speziellen als auch Fliegen im Ganzen SICHER ist... ich hoffe es aber.

Kein anderes Verkehrsmittel wird so gründlich gecheckt wie ein Flugzeug. Wie oft werden die Schrauben des Busses / Taxi kontrolliert das dich zum Flughafen bringt? Sicher nicht so oft und gründlich wie die der B 777 die dich in den Urlaub fliegt. Wie gründlich wird die Gesundheit des Fahrers gecheckt? Wie gründlich wird er ausgebildet / kontrolliert, im Vergleich zu Piloten? In diesem Sinne...

guten Flug ;)

und Emirates ist wirklich ne Top-Airline. Von Sicherheitsstandards / Pilotenausbildung wahrsch. teilweise auf höherem Niveau als manch europäische Airline... aber das ist jetzt gemutmaßt :D

1.) Definitiv nein, ich fliege seit jahren nach Emirates mehrmals pro Jahr. Ich habe dort noch nie Sparmaßnamen benötigt. 2.) Weil es sich einfach nicht für Emirates lohnt, man hat den Hub in Dubai und das reicht um die flüge voll zu kriegen.

Wenn dann arbeitet man gezielt mit Codesharing mit anderen airlines zusammen. zu 3 und 4 kann ich nichts sagen, da ich kein Pilot oder ähnliches bin. 5. Nein, Emirates lässt die Flugzeuge u.a von Lufthansa Technik in Hamburg warten, ich denke das spricht für Emirates. 6. Ich hatte bisher viele ehemalige Lufthansa, Air France usw. Piloten, die bei Emirates einfach mehr verdienen. So weit ich weiß bildet emirates gar nicht selber aus. 7. Der Vorfall ist mir nicht bekannt, ist aber in der Regel nicht dramatisch.

Emirates ist momentan eine der besten Fluggesellschaften und ist Mitglied der Arab Air Carriers Organization.

Der Lautstärkepegel sollte dem anderer Flugzeuge entsprechen.

Bei Emirates wird immer nach vorschrift gewartet, eine solche Fluggesellschaft kann sich keinen Fauxpas erlauben.

Bin selber noch nicht mit Emirates geflogen habe aber schon von einigen gehört (Flug von DE nach Australien über Dubai und zurück) das diese Fluggesellschaft sehr gut ist, freundliches Personal an Bord usw.

Zur lautstärke: hängt von der klasse ab in der du fliegst... First und buisnessclass sind zusätzlich lärmgedämmt aber auch die economy class ist sehr ruhig normalerweise. Und die zeit die die maschine zum abheben braucht kann man so nicht beantworten. Kommt auf wetterbedingung, startbahn und abfluggewicht an

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