Fragen an Enztugspatienten?

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2 Antworten

Versuche einfach, dich in die Leute reinzuversetzen: Drogen sind letztlich Psychopharmaka, nur leichter zugänglich... Die wenigsten Abhängigen wollten einfach nur "mehr Spaß" haben, sie haben viel eher Probleme zu lösen versucht, die ihnen sonst über den Kopf gewachsen wären. Traumatische Erlebnisse, Angst, Trauer, Depressionen, mangelndes Selbstbewusstsein, Ausgrenzung usw.

Die Abhängigkeit wird zum Vollzeitjob, Beschaffen, Finanzieren, Vertuschen, sich-selbst-belügen usw. Die Angst vor dem Entzug (der ohne Medikamente tödlich enden kann, zumindest aber extrem beängstigend ist, mit Halluzinationen, Krampfanfällen, Depressionen usw.) verhindert, dass man etwas ändert. Genauso wie das Wissen, dass die "alten Probleme" noch schlimmer zurückkommen, sobald der "Schutz" des Suchtmittels verschwindet. Und die Persepektivlosigkeit.

Frag mal nach, warum so viele rückfällig werden - du wirst erstaunt sein, wenn man dir ehrlich antwortet: das "wirkliche Leben" sieht oft noch viel schlimmer aus als die Sucht... Solange das "Überleben" von der nächsten Dosis abhängt, ist man nicht nur "beschäftigt", man hat auch tägliche Erfolgserlebnisse. Die nach dem Entzug meist völlig wegfallen - man findet weder einen (sicheren) Job, noch eine neue Wohnung, noch ein neues Umfeld. Und für "Alternativen" wie Sport, Musik, Hobbies oder "Luftveränderung" fehlt nicht nur das Geld sondern auch das nötige Selbstvertrauen...

Wovor sie flüchten wollten und ob sie jetzt immer noch das Verlangen haben. Was sie bewogen hat, den Entzug zu machen. Was sie (jungen) Menschen mit Problemen raten würden.

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