Frage zur Giralgeldschöpfung und Mindestreserve?

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3 Antworten

Hallo,

Du hast versucht ein großes Thema in eine Frage zu quetschen. Ich versuche es knapp zu erklären.

Grundsätzlich gilt: Die Zentralbank versucht die Geldmenge und damit _auch_ die Giralgeldschöpfung zu steuern. Jedes Instrument wirkt für sich genommen nach oben begrenzend. Im Zweifel gilt für das Kreditinstitut die niedrigere Grenze.

Eines der Instrumente ist die Mindestreserve. Diese Funktioniert genau wie oben beschrieben. (also bei 1000 Euro Kundeneinlagen 2% bei Zentralbank hinterlegen und die Bank kann 980 Euro davon wieder als Kredit heraus geben) wenn das Geld dann wieder woanders eingezahlt wird sind es noch 961,40 Euro usw.

Ein weiteres Instrument ist das vorgeschriebene Eigenkapital. Dieses war früher einmal pauschal 8% der ausgegebenen mit Risiko behafteten Kredite. D. h. ein Kreditinstitut muss 1000 Euro Kredit den es ausgibt mit 80 Euro Eigenkapital hinterlegen. Wenn eine Bank nur 80 Euro Eigenkapital hat, dann kann sie, obwohl die Mindestreservevorschriften mehr zuließen auch nur 1000 Euro Kredit vergeben. (Kredite werden heutzutage nicht mehr alle mit 8% EK hinterlegt, manche mit weniger und manche mit 100%, aber das würde die Antwort unnötig verkomplizieren).

Ein Kreditinstitut kann aber grundsätzlich nur Kredite vergeben, wenn entsprechend Einlagen vorhanden sind. Diese Einlagen können kommen von Sparern, Firmen, anderen Banken, vom Kapitalmarkt oder gegen das Hinterlegen von Sicherheiten (manche Kredite werden hier anerkannt) auch von der Zentralbank.

Die Frage mit dem "Sie kann den Kredit vergeben, obwohl sie das Geld nicht besitzt" muss demnach verneint werden.

Schöne Grüße und viel Erfolg

Die wichtigste GRößenordnung für das Vergeben von Krediten ist das Kernkapital der Bank. Daneben aber das Risikomanagement.

Nimm an eine Bank hat ein Kernkapital von 10.000.000,- (10 Mio.). 

Sie schöpft nun Geld durch Kreditvergabe (nach den Theoretikern, die denken Banken würden machen was sie wollen) und vergibt 20.000 Kredite von je 10.000,- Euro, also 200.000.000.00,-.

Somit sind 200.000.000,- Millionen Geld geschöpft. Natürlich hat sich die Gesamtgeldmenge um diesen Betrag erhöht.

Aber die bank hat damit nicht nur die Möglichkeit Geld zu verdienen (Zinsmarge lockere 6 %). sondern auch die Chance Geld zu verlieren, denn wenn die Kunden nicht zahlen (5 % Kreditausfall reichen, um das Eigenkapital zu verlieren).

Daher sind die Bedingungen auch entweder restriktiv, oder eben bei Teilzahlungsbanken so schlecht.

Schön zum auswendig lernen das mit der Mindestreserve und dem Geldschöpfungsmultiplikator, praktisch aber irrelevant.

Die Zentralbank hat schon eh und jeh immer genug Zentralbankgeld zur Verfügung gestellt. Aus der Mindestreserve ergab sich also praktisch noch nie praktische Beschränkung für die Geldschöpfung.

Die bereits erwähnten Eigenkapitalanforderungen stellen, gerade seit man mit immer neuen Daumenschrauben die Banken maltretiert, eine wirkliche Beschränkung für die Geldschöpfung dar, die noch nicht einmal von der Zentralbank gesteuert werden kann.

Richtig ist, Banken sind für die Kreditgewährung nicht!! ex ante auf Spareinlagen angewiesen, es kann aber niemals einen Kredit geben, dem nicht ex post irgendeine Passivposition gegenübersteht.

Also nicht auf diese Milchmädchenrechnungen reinfallen, wo dann rechts 1000 GE Einlagen und links zig Tausend GE Kredit stehen....das gibt es nicht.

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