Frage zur beschränkten Haftung des gezeichnetes Kapitals.

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3 Antworten

der Begriff des Gezeichneten Kapitals findet im Handelsgesetzbuch (HGB) Anwendung. Er beschreibt das Grundkapital einer Kapitalsgesellschaft. Gegenüber ihren Gläubigern ist die Haftung der Gesellschaft auf die Höhe des Gezeichneten Kapitals beschränkt.

Während man im Rahmen einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) von Stammkapital spricht, handelt es sich bei Aktiengesellschaften um das sogenannte Grundkapital. Beide Kapitalarten gehören jedoch zum Gezeichneten Kapital. Juristische Personen wie GmbHs sind eigenständig und können ohne Weiteres auch Gesellschafter von anderen GmbHs, offenen Handelsgesellschaften (OHG) und KGs sein. Obwohl bei den Letztgenannten mindestens ein Teil der Gesellschafter persönlich mit seinem gesamten Vermögen haftet, beschränkt sich dies bei der GmbH als Gesellschafter auf die GmbH selbst. Die Gesellschafter der Gesellschafter-GmbH haften also nicht.

Amyrilla 09.03.2014, 13:45

Danke für deine Antwort.

Also ist es sozusagen nur eine indirekte Haftung der Gesellschafter? Sie bringen das Grundkapital in die Gesellschaft mit ein, haften aber nicht unmittelbar dafür, sondern nur die AG.

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Hi Amy,

keine Begriffsverwirrung: Gezeichnetes Kapital und festgelegtes Kapital

Eine GmbH wird durch eine Urkunde gegründet. Darin wird festgelegt wie hoch das gezeichnete Kapital ist. Gezeichnet kommt von der Unterzeichnung, also der Unterschrift. Mit der Zeichnung (Unterschrift) verpflichtet sich der Gesellschafter bis zu welcher Höhe er bereit ist Kapital zur Verfügung zu stellen.

Daraus ergeben sich Rechte für die GmbH. Die ist ein sogenanntes Rechtssubjekt. Subjekte sind Personen, wie Du und ich, aber auch jede GmbH. Jede Person ist Trägerin von Rechten und Pflichten.

Also der Gesellschafter verpflichtet sich zur Erbringung der Einlage. Bekommt aber das Recht auf einen Gewinnanteil. Er hat Anspruch auf die Abhaltung von Gesellschafter-Versammlungen und hat in der Versammlung ein Stimmrecht. Das richtet sich nach der Höhe seines Anteils am gesamten gezeichneten Kapital.

Es geht hierbei auch nicht um das eingebrachte Kapital. Übernimmt jemand einen Anteil muss er den erst bringen, also der GmbH zur Verfügung stellen, wenn dieses Kapital eingefordert wird.

Unter festgelegtes Kapital versteht man wohl eher umgangssprachlich Geldanlagen mit einer langen Laufzeit und oder langen Kündigungsfristen. Hat hiermit nichts zu tun.

Die GmbH bekommt das Kapital auch nicht für irgend etwas. Also es kommt nicht als Sicherheit auf ein Konto. Sie kann davon im Rahmen des festgelegten Geschäftszweckes alle Ausgaben tätigen. Das Geld wird also für Betriebsausgaben verwendet.

Hat also eine GmbH ein zuzeichnendes Kapital von 600.000 Euro kann sie davon Waren kaufen, die Belegschaft und Mieten bezahlen. Unterstellen wir doch mal sie tut das ohne eine Einnahme zu erzielen und hat dann noch eine Bestellung über Büromaterial von 200 Euro getätigt. Die 600.000 sind ausgegeben. Das Büromaterial war auf Rechnung bestellt. Zahlungsziel in 6 Wochen. Dann wird der Lieferant für die Büromittel vermutlich nie sehen. Weil die GmbH hat ja nichts. Gut die unverkäuflichen Waren, aber davon hat der Büromittellieferant nichts.

Kein Gesellschafter muss jetzt noch die 200 Euro an den Lieferanten abdrücken, denn die Einlagen waren eingebracht und sind aufgebraucht.

Was jetzt die Insolvenz für Folgen hat mal weg gelassen, da wird es noch richtig kompliziert und wer wann was zu tun und zu erledigen hat. Oder auch wenn ein Gesellschafter jetzt 50.000 Euro nachschießt oder als Geschäftsführer einfach weiter macht. Was übrigens häufig passiert, weil die Produkte vielleicht nicht so leicht zu verkaufen sind und es lang dauert bis erste Zahlungen eingehen. Alles das habe ich in der Betrachtung weg gelassen.

Die GmbH hat ihre Haftung erfüllt. Nur bis zur Höhe der Einlagen, dass war es.

Es gibt den Unterschied zwischen dem gezeichneten Kapital und dem tatsächlich eingezahlten Kapital. Wenn z.B. eine Aktiengesellschaft gegründet wird, übernehmen der oder die Gründer (Anteilseigner) Aktien eines bestimmten Nennbetrages, brauchen aber nur mindestens ein Viertel des Nennbetrages einzuzahlen (sowie bei Ausgabe zu einem Kurs von über 100 % den Mehrbetrag). Den Rest fordert die Aktiengesellschaft bei Bedarf an. Das Verhältnis zwischen den Anteilseignern und der Gesellschaft ist etwas anderes als das Verhältnis zwischen den Gläubigern und der Gesellschaft.

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