Frage zum Studium :soziale Arbeit

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Hallo, Engelskind18,

ob es zurzeit noch einen NC gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Viel wichtiger ist, welche Grundlage die Entscheidung, dieses Berufsfeld studieren zu wollen, hat. Mit dem Studium, das weißt Du sicherlich auch schon, kannst Du als Sozialpädagoge oder staatl. anerkannter Sozialarbeiter arbeiten. Da gibt es schon mal während des Studiums verschiedene Möglichkeiten, sich zu spezialisieren.Generell solltest Du aber bereit sein, in mehreren sozialen Bereichen später auch eine Beschäftigung zu suchen. Das ist u.a. auch ein Vorteil. Der "Job" ist ziemlich anstrengend und um nicht irgendwann unmotiviert und ausgebrannt zu sein, ist es schon sinnvoll auch mal die verschiedenen Arbeitsfelder zu wechseln. Warum, werde ich Dir sagen. Du kannst einfach nur dann wirklich hilfreich und unterstützend sein, wenn Du offen und zugewandt denjenigen begegnen kannst, die Du unterstützen sollst. Das bedeutet, das eine der Vorraussetzungen ist, dass Du menschliche Problemlagen nachvollziehen kannst und das Einfühlungsvermögen besitzt, dass es gute Gründe gibt, warum Menschen Deine Dienstleistung brauchen. Du solltest möglichst keine Vorbehalte für die sozialen Probleme anderer haben. Du solltest gewillt sein, wissenschaftlich zu arbeiten.... so flexibel sein, dass Du auch später noch Methoden der Sozialarbeit dazulernen willst. Du solltest nicht erwarten, dass Du später ein "Vermögen " verdienst. Du wirst angelehnt oder nach den Tarifen des öffentlichen Dienstes bezahlt. Davon kann man leben, aber reich wirst Du nicht. Es ist eines der niedrigsten entlohnten akademischen Berufsfelder.

Eine weitere Vorraussetzung sollte sein, das Du selbst nicht deshalb dieses Studium machst, weil Du glaubst, damit alle Deine Probleme zu lösen. Es ist kein Handlungsplan, wie man selbst sorgenfrei durchs Leben gehen kann, vielmehr wirst Du nur längerfristig Sozialarbeit leisten können, wenn Du selbst ganz gesettelt bist, wenn Du einen geregelten Lebenswandel hast und möglichst nicht selbst soziale und psychische Probleme hast. Ich kenne viele, die deshalb sehr schnell gescheitert sind, krank wurden und nicht in der Lage waren, den Beruf längerfristig auszuüben. Du solltest die Bereitschaft zur Teamfähigkeit haben, Dich selbst und Deine eigene Situation reflektieren wollen und können.

Ich arbeite seit ca. 30 Jahren in diesem Beruf und er ist wirklich nie langweilig, aber ich habe oft die Flexibilität gebraucht, mich auf neue Menschen mit den unterschiedlichsten Problemlagen einstellen zu müssen. Das bedeutet, Menschen ohne Vorurteile, offen entgegen zu treten. Wer in diesem Beruf arbeiten will, muss sich darauf einstellen, dass er vielleicht mit Suchterkrankten, Obdachlosen, psychisch Kranken und Menschen mit Migrationshintergrund, mit sozial benachteidigten Personen zu tun hat und nur helfen kann, wenn er zwar sehr, sehr viel Verständnis für diese Personenkreise braucht, sich aber auch gegenüber den sozialen Problemen abgrenzen kann.

Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es viele, es gibt sowohl weiterführende Studiengänge, als auch die Möglichkeit therapeutische Ausbildungen und ergänzende Qualifizierungen zu wählen. Ja, Du wirst Dich sogar dafür entscheiden müssen. Wenn Du zum Beispiel im Jugendamt arbeiten willst mußt Du eine Qualifizierung zur KInderschutz-Fachkraft absolvieren, ähnlich in der Drogenberatung oder bei den Arbeitsfeldern der Obdachlosenhilfe. Willst du therapeutisch arbeiten, so kannst Du mehrere psychotherapeutische Zusatzausbildungen wählen.

Du solltest gut und schnell Berichte erfassen und verfassen können, das heißt gut in Orthografie und Grammatik sein. Du wirst möglicherweise mit gutachterlichen Stellungnahmen befasst sein und mußt lernen, juristische Urteile zu lesen und zu verstehen. Du wirst viel Bürokratie ertragen müssen und gut mit PC- Programmen arbeiten können und auch wollen. Du mußt bereit sein, Menschen dort aufzusuchen, wo sie Deine HIlfe brauchen, z..B. als Straßensozialarbeiter, bei Hausbesuchen oder ähnlichem. Das sind jetzt vielleicht nicht die Herausforderungen, die Du zum Studium abgefragt hast, aber die wichtigsten, um später erfolgreich und auch zufrieden jahrelang arbeitsfähig zu sein.

LG

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Das hat mir sehr geholfen!

Ich konnte alles sehr gut nachvollziehen und fühle mich bestätigt. Ich denke, dass ich in dieses Feld gut hineinpasse! Vielen Dank nochmal :)

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@Engelskind18

Na, dnnn danke ich für das Sternchen und wünsche Dir viel Erfolg, bis irgendwann vielleicht als Kollegin. LG

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Mit dem Studium kannst Du Streetworker werden, beim Jugendamt arbeiten oder bei der Sozial- oder Justizbehörde, neuerdings auch an manchen Schulen.

Aber was bitte verstehst Du unter einer "kreativen Weiterbildungsmöglichkeit"?

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