Frage zu Faust: Szene am Brunnen mit Gretchen

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Es gibt keine Szene, in "der sich Gretchen am Brunnen gegenüber anderen Mädchen am Brunnen als grausam hervortut und Mitleid verhindert" Nach dem Klatsch des Lieschens über das geschwängerte und verlassene Bärbelchenam Brunnen erinnert sie sich nur daran:

Gretchen, nach Hause gehend:

Wie konnt’ ich sonst so tapfer schmählen, /

Sah ich ein armes Mägdlein fehlen! /

Wie konnt’ ich über andrer Sünden /

Nicht Worte g’nug der Zunge finden! /

Wie schien mir’s schwarz, und schwärzt’s noch gar, /

Mir’s immer doch nicht schwarz g’nug war, /

Und segnet’ mich und that so groß,/

Und bin nun selbst der Sünde bloß! /

Damals war also sie eine der Sittenwächterinnen.

Genau das habe ich zum Verständnis gebraucht! Vielen Dank.

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@kgj6k

Fein, dass ich nützlich sein konnte. Danke dir für Kompliment und Sternchn!

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Übrigens, zu Goethes Zeit als (ich glaube) Minister beim Herzog, hat es tatsächlich ein Gretchen gegeben, eine junge Bedienstete in Weimar, die ein
uneheliches Kind zur Welt gebracht hat. Das Kind war tot,oder ist wohl bei der
Geburt gestorben. Es wurde sogar eine Hebamme verständigt, die eine
Kindestötung nicht bestätigte.

Da auf Kindestötung die Todesstrafe verhängt werden konnte, wurde diese insgesamt schwierige Situation, bei der manche Leute eine Tötung des Kindes
vermuteten. Im Zweifelsfall hätte da der Herzog entscheiden müssen, der Kein
Befürworter der Todesstrafe war, in einem solchen Fall.
Goethe selbst handelte als Stellvertreter. Es soll ihn (belegbar) gedrängt haben, das Todesurteil für die junge Frau zu unterzeichnen. Goethe wusste, dass der gerade n icht anwesende Herzog bald zurück sein würde. Er wusste auch, dass der Herzog mit grosser Wahrscheinlichkeit in diesem Fall kein Todesurteil verhängt hätte. Daher "erledigte" er den angeblichen Kriminalfall im Eilverfahren selber durch seine Unterschrift.

Dieses Gretchen wurde als Mörderin bestraft, obwohl sie nach der Geburt sehr schwach war. Der anwesenden Hebamme und anderen Frauen, die bei der
schwierigen Geburt dem noch sehr jungen Gretchen beistanden, glaubte man nicht, obwohl sie die einzigen Zeugen waren.

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Mein vorliegender Text scheint sich wohl doch auf diese Stelle zu beziehen, da es nichts ähnliches zu geben scheint. Aber Gretchen wird an dieser Stelle als grausam, Mitleid verhindernd und Schadenfreude verursachend beschrieben. Dies macht meiner Meinung absolut keinen Sinn, da sie sich sehr zurückhaltend äußert! Außerdem ist die Sprache von "kleinbürgerlichen Sittenrichterinnen" - in der Brunnenszene sind es doch aber nur zwei Personen?!