Frage an Vielflieger: kontaminierte Kabinenluft, eure Erfahrung?

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2 Antworten

Nein, ich habe nie etwas bemerkt und bemerke auch nichts. Ein paar Fakten: 

1. Es kann sein, dass viele Leute empfindlicher reagieren, warum auch auch immer. Aber das ist vom Flugzeug unabhängig, denn die Zahl der Allergiker nimmt zu (s. Infos AeDA e. V. und Robert-Koch-Institut), und die fliegen nicht unbedingt alle. 

2. Vielleicht handelt es sich ja um eine "selbsterfüllende Prophezeiung". Einer empfindet etwas Unangenehmes, erzählt es weiter und bei den Hörern setzt sich das im Kopf fest. 

Sollte es dann einmal wirklich zu Gerüchen kommen, erinnert man sich an die Erzählungen und dies wiederum verstärkt das eigene Gefühl einer Gefährdung. Dagegen ist auch die Crew machtlos. 

3. Spätestens seit Beginn der Jetfliegerei müsste man die Toten und Vergifteten in Größenordnungen aus dem Flieger tragen; das ist nicht passiert und passiert auch heute nicht. 

4. Unsere Nase ist grundsätzlich sehr empfindlich und kann schon kleinste Spuren von Kraftstoff oder Öl riechen und dann kommt es zu dem Effekt unter Punkt 2. 

5. Seltsam ist für mich, dass die Zahl der Beschwerden zunimmt, obwohl die Triebwerke immer besser und sauberer geworden sind. Nur die Zapfluft alleine kann es nicht sein, denn früher, also ganz früher, z. B. in den Siebziger Jahren, waren die Systeme bei weitem nicht so zuverlässig und die Leitungen nicht so "dicht", wie sie heute durch modernere Werkstoffe (für die Leitungen und Dichtungen) sind. 

6. Warten wir mal ab, was die Untersuchungen ergeben. Zwei Jahre Test, dann eine Auswertung - vor 2020 werden wir also nichts Neues erfahren, es sei denn, jemand stirbt an Vergiftungen, Ablagerungen im Blut, in den Zellen oder durch was auch immer. 

Ich genieße weiterhin meine Flüge. 

Ich fliege relativ viel, pro Jahr zwischen 5 und 20 Flügen, je nach Dienst- und Privatreiseanteil und Privatreise-Art (Etappen mit Flieger oder doch am Boden). Bemerkt habe ich bislang noch garnichts. Die Maschinen waren dabei ein heiterer Mix aus A320-Familie, A330, A340, A350XWB, A380, 737, 777, 787 Dreamliner (außer Konkurrenz weil elektronische Klimaanlage ohne Zapfluft), ATR72 und zu meinen Kindheitstagen noch häufig Lockheed L1011 Tristar, die Fluggesellschaften ein ähnlich munterer Mix aus TUIfly, Airberlin/LTU, Lufthansa, Germanwings/Eurowings, Ryanair, British Airways, Qatar Airways, Emirates, Iberia, Tigerair, Thai Air Asia, Indonesia Air Asia, Wings Air (Lionair), Malaysia Airlines und Cebu Pacific.

Meine Schwester war jahrelang Flugbegleiterin, auch auf der als besonders anfällig für verschmutzte Zapfluft geltenden BAE146, auch ihr geht es hervorragend.

Was man manchmal erschnuppern kann, das Rolls Royce Trent XWB Triebwerk aus dem A350 ist da ein besonders dankbarer Kandidat für, ist ein leichter Kerosingeruch beim Starten. Das ist aber ungefährlich. Das aerotoxische Syndrom kommt von ausgetretenen Schmierstoffen die verbrennen und in die Zapfluft geraten. Dafür muss aber erst mal Schmierstoff austreten, was äußerst selten passiert.

Piloten kriegen übrigens ausschließlich Frischluft direkt aus der Klimaanlage (also verdichtete, erhitzte Zapfluft aus dem Triebwerk), während in der Kabine ein Mix aus zirkulierender Gebrauchtluft und zugeführter Frischluft unterwegs ist. Würden die Probleme mit kontaminierter Zapfluft regelmäßig auftreten, würde vermutlich kein Pilot das Rentenalter erleben (problematisch für die Piloten ist allenfalls die hohe kosmische Strahlung der sie stärker und regelmäßig ausgesetzt sind)

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