frage an die reiter...anlehnung, vorwärts abwärts

2 Antworten

Und jetzt beantworten wir mal die Anlehnung ... das ist relativ einfach zu beschreiben aber schwer, wirklich zu durchdringen: Eine gleichmäßige Verbindung des Reiters zum Einwirkungspunkt am Pferdekopf (Unterkiefer bzw. Maulspalte bei der Trense, Nasenrücken bei einigen gebisslosen Zäumungen, ...). Wichtig ist, für das Herstellen einer Anlehnung, dass der Reiter passiv anbietet und das Pferd den Zug aufbaut. Kein Zug im Sinn von es zieht dagegen, sondern eben mit dem Spannungsboden der beim v/a schon diskutiert wurde und der auch in der Arbeitshaltung erhalten bleiben muss. Es handelt sich nur um ein paar wenige Gramm, die man in der Hand haben muss, keinesfalls um ein Kilo oder mehr, bei sehr fein gerittenen Pferden reicht das Eigengewicht des Zügels bei durchhängendem Zügel. Das ist aber nichts, was man einfach nachahmen sollte, sondern was man sich über Jahre gutes Anlehnung reiten vielleicht erarbeiten kann. Probiert man es einfach so aus, wird man die Fragezeichen überm Kopf seines Pferdes kreisen sehen, weil es keine Ahnung hat, was man da jetzt will. Wichtig beim Anbieten einer Anlehnung ist auch das Nachgeben, das "durch lassen" der Bewegung, dass im Schritt das Pferd nicken kann, es sich im Trab nicht durch einen festgehaltenen Zügel selber riegelt oder im Galopp gar jeden Sprung gegen eine "Wand" an seinem Kopf rennt. Also nicht verzweifeln, wenn das nicht gleich alles verständlich klingt, reiten lernt man leider nicht an einem Tag und entsprechend muss man über Jahre sowohl die Theorie als auch die praktische Umsetzung erfassen.

Insgesamt freuen mich solche Fragen von unerfahrenen Reitern sehr, denn hier sieht man Interesse am Erfasssen, was man warum macht. DIE Grundlage des Reitens überhaupt, die leider nur noch sehr selten gelehrt wird.

Ooops, vor lauter "huch, das mit dem v/a ist aber nicht ganz korrekt" habe ich übersehen, dass die Anlehnung auch beschrieben war.

Also erstmal zum vorwärts-abwärts-reiten:

Beim vorwärtsabwärts reiten reitest du dein Pferd entspannt am relativ langen Zügel. Das Pferd geht fleißig und fußt weit unter. Im Idealfall kaut es leicht und knickt im Atlas (Zwischem Kopf und 1. Halswirbel) ab. Das merkt man an der Hand auch richtig, weil das Pferd dann sehr nachgiebig ist, sich gut stellen lässt und weich ist. Hals, Rücken und Schweif schwingen entspannt hin- und her, der schweif pendelt. Die Meisten Pferde schnauben in dieser Zeit. Es ist quasi die Vorbereitung auf das Reiten in Anlehnung. Das Pferd dehnt seine Muskeln, v.a. die Rückenmuskeln was notwendig ist um das Reitergewicht zu tragen und auch gut für den Muskelaufbau ist. Das mach ich gerade mit meiner RB nachdem sie eine OP hatte und sich auch etwas weigert am Zügel zu gehen.

Anlehnung: Eine Anlehnung ist dadurch definiert, dass du eine leichte Anlehnung zwischen Pferdemaul und Hand hast, das Pferd lehnt sich sanft übr den Zügel an deinem Ringfinger an. Es knickt wieder im Atlas ab und der NAsenrücken steht in etwa in der Senkrechten zum Boden. Oder der Nasenriemen ist parallel zum Boden. Das Pferd wölbt Rücken und Hals, nickt bei jedem Schritt sanft und lässt sich mit feinen Hilfen reiten. Natürlich müssen die Zügel dazu anstehen und dürfen nicht durchhängen, auch in der Kurve nicht. Ein Test, ob das Pferd auch wirklich in Anlehnung geht, ist das Überstreichen. Dazu streichst du mit den Händen von vorne nach hinten über den Hals und nimmst also den Zügel weg. Ein korrekt gerittenes Pferd wird trotzdem in seiner Haltung bleiben und den Kopf nicht hochnehmen. Natürlich geht das Pferd in dieser Zeit fleißig und untertretend vorwärts :)

Ich hoffe ich konnte dir helfen :) Ich reite mein Pferd am Anfang und am Ende vorwärts-abwärts

Du hast das v/a nicht richtig erklärt. Es hat weder was mit Entspannung noch mit einem langen Zügel zu tun. V/a ist eine Dehnungshaltung der Oberlinie. Ein Pferd das seinen Kopf weit unten hat (am langen Zügel) hat keinen Spannungsbogen mehr und geht somit kein v/a. Im ordentlichen v/a geht das Pferd mit aufgewölbtem Rücken, Taktrein und mit aktiver Hinterhand. Das abknicken des oberen Halswirbel ist nicht Bestandteil des v/a.

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@friesennarr

Klar wölbt sich der Rücken wenn der Kopf weit unten ist, der Rückenmuskel beginnt ja im NAcken des Pferdes und endet an der schweifwurzel, ist also zwangsweise so. Taktrein sollte es immer sein, die Hinterhand muss auch immer aktiv mitarbeit, das ist ja selbst verständlich, kommt in der Hierarchie der Ausbildung auch vor der Anlehnung. Also ich hab das so gelernt dass das abknicken des Atlas zum v/a reiten gehört

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@MissDeathMetal

Falsch, MissDeathMetal, wenn der Kopf zu tief kommt, fällt der Widerrist zwischen die Schulterblätter und die Spannung geht verloren. Sieht man sehr oft, wenn man weiß, worauf man zu schauen hat. Der Widerrist soll im Vergleich zu den Schulterblättern eher höher kommen als tierer als in Arbeitshaltung oder im freien Gehen - und das geht nur, wenn die Nase etwa auf Höhe Buggelenk ist, die Ganasche offen und der Hals nach oben gewölbt. Kommt der Kopf tiefer oder wird die Ganasche geschlossen (wie beim Gebrauch von Ausbindern bzw. wenn man ein "Abknicken des Atlas" verlangt), ist all das v/a umsonst, dann kann man sie gleich Giraffe spielen oder im Sand nach Leckerlis suchen lassen.

Und: Die "aktive Hinterhand" soll schon nach vorne durchschwingen und nicht nach oben ziehen ... wie es passiert, wenn der Widerrist absinkt. Aktivität ist da schon, aber der Bogen, den der Huf beschreibt ist überhöht.

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