Frage an die Organspende-Gegner?

17 Antworten

  • Organspende ist für die Angehörigen sehr oft eine große Belastung. Der Angehörige wird noch künstlich am Leben gehalten und wirkt keineswegs tot. Die Haut ist rosig und warm, der Patient wird beatmet, der Bart wächst noch, da fällt der Abschied und das innere Abschließen oftmals schwer, denn es fehlt die Offensichtlichkeit des Todes, des finalen Endes. Auch die Freigabe zum Ausweiden ist für viele eine enorme emotionale Belastung, die in diesem Moment des Schocks und der Trauer das Fassen und Verarbeiten dieser schrecklichen Wendung erschwert.
  • Interessante Artikel dazu, wie schrecklich es ist, Angehöriger eines Organspenders zu sein: https://initiative-kao.de/thema/angehoerige-berichten/organspende-die-verschwieg...

  • Organspender sind lebende, schwer verletzte Menschen, deren Gehirn irreversibel so stark geschädigt ist, dass sie nie wieder ein bewusstes Leben haben werden. Die Medizin hat den Begriff "hirntot" eingeführt, damit dieser Zustand irgendwie das Prädikat "tot" erhalten kann, obwohl der Körper und seine Organe noch leben und auch die Zellen des Hirnes sind keineswegs tot. In Wirklichkeit ist der Mensch mitten im Sterbeprozess, nur noch durch Maschinen und modernste Medizintechnik künstlich am Leben gehalten. Die Definition von Hirntod ist daher umstritten und schlichtweg willkürlich. Wir reden hier also von einer formalen Definition und nicht von naturwissenschaftlichen Fakten. Der Hirntod ist nur ein Schritt des Sterbeprozesses.

  • Organspende als Pflicht verstößt gegen alles, was Menschenwürde ausmacht. Jeder sollte über seinen eigenen Körper verfügen dürfen, sowohl zu Lebzeiten als auch posthum. Ich persönlich möchte definitiv nicht ausgeweidet werden, sondern in Würde sterben und begraben werden. Mit allem, was dazu gehört.

  • Konkret zu dem Punkt "Organe nur für Organspender": Ja, wäre für mich prinzipiell vom Grundgedanken her in Ordnung, aber wie viele Jahre vorher muss man sich entschieden haben? Das ist rein praktisch schwer zu lösen, da sich viele Krankheiten wie Nierenschäden ja ganz allmählich abzeichnen und viele dann halt noch Jahre vorher rechtzeitig ja sagen könnten. 

  • Ich sehe durchaus den Punkt, anderen helfen zu wollen, aber ich sehe eben auch den Punkt der Menschenwürde, nicht ausgeweidet werden zu wollen, sondern den natürlichen Sterbeprozess durchlaufen zu wollen und den eigenen Angehörigen einen Abschied zu ermöglich am Totenbett. Ich finde das persönlich sehr wichtig. 

Ethisch ist die Frage noch gar nicht beantwortet, ob der Tod mit Herz- oder Hirnversagen eintritt.

Aber bitte, wenn entscheide ich selbst und nicht Dritte, was mit meinem Körper, wozu die Organe gehören, geschieht.

Schon geschehen, mit einer Patientenverfügung, notariell beurkend.
Keine Organspende, keine OP's, keine Klinik, ausschließlich ambulante Behandlung zur Schmerzlinderung.
Zwei Bevollmächtigte sind eingetragen, meinen Willen gegenüber Dritten durchzusetzen.

Ich will meine Angehörigen nicht einer Gewissensentscheidung aussetzen, sondern meinen Willen rechtlich bindend dokumentieren.

Wenden wir uns anderen Fragen zu:

- würde ein Nichtraucher die Organe eines Rauchers akzeptieren?
- warum sollte ein Hartz IV Opfer Reichen seine Organe spenden?
- was wäre wenn der Staat auf den Trip verfällt einem HartzIV Opfer
  ein gespendetes Organ als Vermögen anzurechnen, da er vermeintlich
  länger lebt?

Spenden kann wer auch immer, von mir gibt es nichts, nicht für Geld und nicht für Worte.

Jens Spahn (CDU) wurde gefragt "ob er im Alter seine Mutter pflegen würde?"
Er antwortete: "nein, das werde er nicht tun".
Warum will er dann per Ideologie etwas von Dritten fordern?

Ethisch ist die Frage noch gar nicht beantwortet, ob der Tod mit Herz- oder Hirnversagen eintritt.

Dass der Tod nicht mit Herzversagen eintritt ist eigentlich schon ziemlich entschieden, es laufen jede Menge Leute herum, die ein Herzversagen überlebt haben. Mir ist allerdings kein Fall bekannt, in dem jemand nach dem Hirntod noch einmal aufgewacht ist.

Schon geschehen, mit einer Patientenverfügung, notariell beurkend.
Keine Organspende,

Geht er hier darum, eine Spende zu empfangen oder zu geben?

würde ein Nichtraucher die Organe eines Rauchers akzeptieren?

In der Situation, in der man Organe braucht, würde wohl jeder das Organ jedes anderen akzeptieren.

warum sollte ein Hartz IV Opfer Reichen seine Organe spenden?

Weil auch Hartz IV-Empfänger der Meinung sein können, das Reichtum kein Verbrechen ist, das mit dem Tod (durch Unterlassen) bestraft werden sollte

was wäre wenn der Staat auf den Trip verfällt einem HartzIV Opfer  ein gespendetes Organ als Vermögen anzurechnen, da er vermeintlich länger lebt?

"Was wäre wenn"-Argumente mit Horrorszenarien sind natürlich unschlagbare Argumente. Aber solange der Staat HartzIV-Emfpänger nicht zur Lebendspende einer Niere verpflichtet, würde ich die Gefahr Deines Szenarios auch eher gering einschätzen...

Jens Spahn (CDU) wurde gefragt "ob er im Alter seine Mutter pflegen würde?"Er antwortete: "nein, das werde er nicht tun".Warum will er dann per Ideologie etwas von Dritten fordern?

Es geht hier um eine Regelung, die das Leben Tausender beeinflussen wird. So eine Regelung an der Interviewaussage eines Politikers festzumachen ist etwas kurzsichtig...

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@oelbart

Habe ich bechrieben: "keine Organspenden, keine OP's", ergo das eine nicht, sowenig wie das andere.

Meine Organe hat gehören nicht in die Verfügungsgewalt von Gesellschaft und Staat.
Leichenfedderei ist höchst a-moralisch.

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Wäre der Lohn der Krankenpfleger etwas höher, dann wäre es eine gerechtfertigte Aussage, denn er schafft Arbeit damit.

Und du hast ja auch noch die freie Wahl und nutzt diese ja auch also ist doch alles okay.
Wer keine Organe entgegen nimmt, braucht auch keine spenden. Mir geht es hauptsächlich um diese „geben und nehmen“ Ideologie. Wer nur nimmt und nicht gibt der ist ein Egoist in meinen Augen, deswegen auch die Aussage in meiner Frage.
Zu den anderen Fragen am Ende:
-man erfährt keine Informationen über den Spender (sei es Raucher, arm oder reich)
Und selbst als Spender interessiert es einen relativ wenig, ob man seine Organe NACH dem Tod einem Reichen spendet, solange der reiche auch seine eigenen Organe spendet (eventuell sogar an einen Armen)

Ich glaube wohl kaum, dass der Staat den Harz 4 Empfängern (Opfer wie du es nennst) die Kosten der Organe berechnet. Die OP-Kosten der „opfer“ werden ja auch bei anderen OPs auch nicht angerechnet...

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@chillfactor123

Es braucht kein Gesetz, dafür gibt es bereits die Patientenverffügung.

Bei Hirntod kann mich niemand mehr Fragen und meine Angehörigen müssen keine Gewissenfrage beantworten, oder sich sonstig einer Ideologie aussetzen.

Das mit Egoismus nichts zu tun, Sterben ist ein höchst privater Prozess.
Die Privatsphäre haben weder Staat, noch Ärzte zu stören.
Meine Organe stehen für kein Geschäftsmodell zur Verügung.

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Ist ja auch vollkommen akzeptabel

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  • Zumindest medizinisch ist hier eigentlich alles klar und auch ethisch sollte das nicht diskutiert werden:
  • Der Tod tritt NICHT mit dem Herzversagen ein, denn Reanimation ist ja nun alltägliche Praxis. Das ist doch wohl zweifelsfrei.
  • Dass der sogenannte Hirntod kein echter Tod ist, sondern nur ein Schritt im Sterbeprozess ist eigentlich auch rein naturwissenschaftlich unstrittig. Weder die Hirnzellen selbst noch der restliche Körper ist da bereits tot. Der Sterbeprozess hat bloß unwiderruflich begonnen und ein selbstbestimmtes Leben ist für immer ausgeschlossen.
  • Sichere Todeszeichen sind unstrittig Leichenstarre, Totenflecken, Verwesung. 
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Für viele ist der Tod eine Glaubensfrage, ebenso die Organspende bzw. die Annahme einer solchen Spende.

Zudem ist Deutschland ein freies Land und niemand kann zu einer Organspende zwingen, es sollte auch keine Änderung am bestehendem System stattfinden in dem ohne Widerspruch eine Organspende möglich ist. Ich erachte es als falsch die Hinterbliebenden um eine Organspende des Verstorbenen zu bitten, das ist eine Entscheidung die der Verstorbene selbst treffen muss. Ich würde z.B. niemals die Organe eines meiner Familienmitglieder zur Spende freigeben, nicht weil ich egoistisch bin und niemanden ein neues Leben mit diesen Organen gönne, sondern weil ich die Totenruhe respektiere und niemals diese Entscheidung für jemand anderen treffen möchte noch könnte.

Es ist der falsche Weg die Menschen mit Umwegen zu einer solchen Spende zu zwingen, es braucht andere Wege. Natürlich ist er Mangel an Spenderorganen ein Problem und führt dazu das Menschen sterben die gerettet hätten werden können. Niemand sollte dazu gezwungen werden seine Organe spenden zu müssen nur weil er zu Lebzeiten nicht gewusst hat das er einen Widerspruch einlegen muss um dies zu verhindern.

Wenn man diese Problematik angreifen möchte ist der erste Weg die Aufklärung, nicht der Zwang zur Spende. Die Krankenkassen müssten mit dem Staat zusammenarbeiten und Kampagnen entwickeln die dieses Thema näher ans Volk bringen, ebenso die Dringlichkeit hervorheben.

Jedem ist es selbst überlassen wie er mit seinem Körper umgeht, das gilt zu Lebzeiten wie auch im Tod. Jemanden deshalb zu verurteilen keine Organe spenden zu wollen erachte ich als falsch.

Aktuell muss man als Organspender einen Pass besorgen und diesen dann immer bei sich führen. Dieser Pass besteht aus Papier und ist also immer nach 2 Jahren kaputt. Also muss man alle 2 Jahre sich solch einen Pass besorgen, nur weil man anderen Menschen helfen möchte. Da ist es einfacher, wenn sich die Nicht-Spender kostenlos in ein System eintragen lassen. (Ist übrigens nahezu überall in der EU die Regel - aus dem Grund soll es auch in Deutschland eingeführt werden).

Die Totenruhe berücksichtige ich natürlich auch. Ich könnte niemals die Organe meiner Mutter spenden, auch wenn sie es gewollt hätte, sowas gehört sich nicht. Und wer aus religiösen Gründen nicht spendet, der darf aus religiösen Gründen auch keine Spende bekommen das akzeptiere ich ja auch.

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@chillfactor123

Worüber wir uns einig sein können ist das es ein System benötigt in welchem die Daten dauerhaft gespeichert sind. (Auf Wunsch dann natürlich nicht mehr).

Ganz einfach gesagt legt man einfach eine Datenbank an und trägt dort die Personen ein, alle notwendigen Informationen mit hinterlegt.

Jetzt meine Frage:

Wieso sollte man diejenigen in ein System eintragen die NICHT spenden wollen und die Spender nicht? Ist es nicht einfacher eine Datenbank zu pflegen in welcher weniger Einträge vorhanden sind, nicht zu vergessen die enormen Datenmengen die auf großen Servern hinterlegt werden müssen die zusätzliche Kosten verursachen je größer sie werden?

Diejenigen die bereit sind ihre Organe zu spenden in eine solche Datenbank zu hinterlegen ist logistisch wie auch wirtschaftlich deutlich effizienter. Zudem kann in eine solche Datenbank hinterlegt werden welche Eigenschaften der Spender mit bringt.

Dreht man das ganze um muss eine riesige Datenbank gepflegt werden in welcher jeder Eingetragen wird der nicht spenden möchte, das ergibt in meinen Augen einfach keinen Sinn. Da ist es deutlich einfacher die Spender in diese Datenbank einzutragen und das System darauf umzustellen das man z.B. auf dem Personalausweis einen Hinweis aufgedruckt bekommt welcher auf die Spende hinweist, damit wissen z.B. Ärzte schneller bescheid und haben alle Infos direkt vor Ort.

Also nochmal kurz gesagt:

Eine Datenbank zu erstellen in welcher alle Spender eingetragen sind = Sinnvoll.

Eine Datenbank zu erstellen in welcher alle Nicht-Spender eingetragen sind = Unsinnig.

Ich respektiere jeden der bereit ist nach seinem Ableben seine Organe zu spenden, gleichzeitig muss ich aber auch sagen das ich es nicht akzeptiere wenn der Staat eine art Zwang daraus macht. Ich finde es gut das sich der Staat dafür einsetzt und sich Gedanken darüber macht, gleichzeitig kann ich es aber nicht für gut heißen das alle, die nicht spenden wollen, gezwungen sind sich in ein System eintragen zu lassen welches eine "Nicht-Spende" bestätigt.

Denken wir einfach einen Schritt weiter:

Was ist wenn jemand in diesem System als Nicht-Spender eingetragen ist, irgendjemand aber auf die dumme Idee kommt das ganze einfach zu ändern und ihm zum Spender zu machen? Dann werden dem verstorbenen die Organe entnommen obwohl er es nicht wollte.

Klar, das ist jetzt etwas 'krass' gedacht, man darf aber nicht vergessen das dass schwächste Glied in jedem noch so sicheren System nachwievor der Mensch ist.

Das lässt sich vermeiden in dem einfach nur diejenigen in ein System eingetragen werden die auch bereit sind zu spenden, alle anderen die nicht spenden möchten brauchen sich um nichts weiter kümmern und können sich sicher sein das die Organe da bleiben wo sie es möchten.

Soweit ich es herauslesen kann bist du selbst Spender und setzt dich für die Spenden und das System ein. Das respektiere ich, aber...

Beim Beispiel deiner Mutter, du sagst du könntest die Organe deiner Mutter nicht zur Spende freigeben, obwohl sie es gewollt hätte, aus dem Grund weil es sich nicht gehört.

Nun, hier scheiden sich wohl die Geister. Was ist richtig, was ist falsch. In deiner ursprünglichen Frage schreibst du, warum nach dem Leben noch ein Egoist sein (wenn man die Organe dann ja eh nicht mehr braucht), wenn man schon im Leben ein Egoist war.

Was ist egoistisch gedacht? Die Spende deiner Mutter zurückzuhalten obwohl sie es gewollt hätte oder von Anfang an zu sagen das man nicht spenden möchte? Wo zieht man eine Grenze beim Spenden und wie weit ist man bereit zu gehen.

Ich möchte dich damit nicht angreifen, aber jede Münze hat nunmal zwei Seiten.

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