Fortschritt : Rückschritt (?)

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Ein weiteres Beispiel: Nach dem 1.WK hatte die USA Probleme damit, genug Agrikultur für die Bevölkerung zu betreiben. Bei der schwachen Wirtschaftslage, blieb ihnen nichts übrig als das "Farmland" nach Westen auszubreiten. Es wurde angenommen, dies geschehe im Willen der Bevölkerung und könne keine bedeutenden negativen Konsequenzen nach sich ziehen. Doch durch die starke Bearbeitung der Felder entstand sandiges Brachland mit kaum Vegetation, was in den 30er Jahren zur Bildung von gigantischen Sandstürmen -den sog. "Dustbowls"- führte. Dadurch entstanden Schäden in Millionenhöhe und viele Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Ich hoffe, dass dir das hilft.

Wie in der biologischen Evolution gibt es auch auf kultureller Ebene keine zielstrebige "Höherentwicklung", sondern nur ein unstetes Auf und Ab. Erfindungen werden gemacht, Wissen wird entdeckt, irgendwann wird es verschüttet und eine unbestimmbare Zeitspanne drauf wird es wiederentdeckt. Und dann für eine revolutionäre Innovation gehalten, weil die Erinnerung verblasst ist.

Jede Zivilisation kommt irgendwann an einen Scheideweg, wo sich die Kehrseite der Medaille zeigt und ihr die Folgen der Erfindungen über den Kopf wachsen. Auch unser Untergang ist nur eine Frage der Zeit. Und dann steht die nächste Zivilisation in den Startlöchern und macht sich forschend über die Scherben unserer Existenz her; So, wie wir es heute mit den Ägyptern und Mayas machen. Und die hätten sich das bestimmt auch nie träumen lassen.

  • Die Gefährlichkeit des DDT wurde schnell erkannt, weshalb es weltweit geächet wurde. Es hat in der Nahrungskette nichts verloren, darf nicht in unsere Lebensmittel gelangen. Die Ächtung hat aber aber auch dazu geführt, dass es nicht mehr zur Bekämpfung der Malariamücke eingesetzt werden könnte. Das hat zu Millionen von Toten geführt. Erst in jüngerer Zeit wird es - zum Glück - wieder benutzt und rettet Leben.

  • Der wirtschaftliche Erfolg der Sumerer machte die Einführung eines Schriftsystems notwendig. Wir profitieren noch heute ganz gewaltig von deren damaliger Entwicklung der Bewässerung.

  • Durch die industrielle Revolution kam es in hier und überall, wo sie stattfand, zu einer Bevölkerungsexplosion. Ein benachteiligte Klasse entstand also nicht aus einer anderen, sondern tatsächlich neu. Wenn eine Bevölkerung sich mal eben verdoppeln konnte, ist der Schluss, sie sei nachteilig für die Bevölkerung, widersinnig, das kann einfach nicht sein. Leute, denen es schlecht geht, vermehren sich nicht. Marx und Engels haben ihre Zeit schon richtig verstanden, aber die Vorteile nicht weiter behandelt.

Und noch etwas zu deinen Stichworten. Wer definiert, wann eine Überbevölkerung vorliegt und wie. Die Zuwachsraten sind seit nun 40 Jahren rückläufig. Noch in diesem Jahrhundert wird die Weltbevölkerung einen Hochpunkt erreichen. Was dann?

Es ist eine Frage der Sichtweise. Sicher hatten die Leute auch recht, die seinerseits laut 'Halt. Das bringt Unheil!' gerufen haben, als der erste Mensch selbst ein Feuer angelegt hatte. Wir hätten hier in Mitteleuropa eine schöne intakte und menschenfreie Natur.

Zum Googlen: Matt Ridley - the rational optimist.

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