Folgen von verpasster Trauerarbeit?

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7 Antworten

Hallo qpqaquqlqaq,

es tut mir sehr leid, dass Du gerade so Schlimmes durchmachen musst! Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass die Trauer um Deinen Stiefvater mit Macht wiederkommt. Offensichtlich hast Du seinen Tod noch nicht wirklich verarbeitet.

Ich selbst habe vor wenigen Jahren meinen Vater, meine Mutter und eine meiner Schwestern relativ kurz hintereinander durch den Tod verloren. Ich weiß daher, dass der Schmerz nach dem Verlust eines geliebten Menschen sehr groß sein kann und man braucht unter Umständen sehr viel Zeit, um diesen Schmerz verarbeiten zu können. Mir hat jemand einmal erklärt, dass jeder auf eine andere Weise trauert und es auch kein Zeitmaß für die Trauer gibt. Das hat mir schon sehr geholfen. Ich finde es auch immer sehr hilfreich, wenn man mit jemandem über meine Gefühle sprechen kann, der vielleicht Ähnliches erlebt hat und sich am besten in meine Lage hineinversetzen kann. Für den Trauernden ist es nämlich schon eine große Erleichterung, jemanden zu haben, der verständnisvoll zuhört.

Was ebenfalls Erleichterung bringen kann ist, wie ich finde, zu weinen. Ja das Vergießen von Tränen der Trauer ist ein wichtiger und notwendiger Bestandteil des Heilungsprozesses. Hinterher fühlt man sich immer ein wenig erleichtert. Ich glaube, es ist gar nicht gut, wenn man irgendwie versucht, vor anderen seine Gefühle zu verbergen und stark sein zu wollen. Seinen Tränen freien Lauf zu lassen, hilft am besten bei der Trauer.

Am meisten aber hilft mir die Hoffnung, die die Bibel im Hinblick auf die Verstorbenen gibt. Da ich mich viel mit der Bibel beschäftige, hat es mich sehr getröstet, das zu lesen, was Jesus einmal über die Toten sagte: "Denn so, wie der Vater die Toten auferweckt und sie lebendig macht, so macht auch der Sohn die lebendig, welche er will. Wundert euch nicht darüber, denn die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, seine Stimme hören   und herauskommen werden... zu einer Auferstehung" (Johannes5:21, 28 u. 29a). Diese Verheißung beschreibt, dass Millionen von Verstorbenen wieder auf der Erde leben werden, und zwar unter besseren Verhältnissen als heute. Wir werden sie so sehen, wie wir sie gekannt haben und können sie dann endlich wieder in unsere Arme schließen! Ist das nicht großartig?

Die Bibel lässt auch erkennen, dass wir dann unter friedlichen, paradiesischen Verhältnissen leben werden. Dazu heißt es in den Psalmen: " Die Gerechten selbst werden die Erde besitzen, und sie werden immerdar darauf wohnen" (Psalm 37:29). Diese wundervollen Aussichten, die die Bibel gibt, hat schon Millionen Trauernden geholfen, besser über den Verlust eines lieben Menschen hinwegzukommen. Ja, die Hoffnung auf die Auferstehung kann den großen Schmerz, den ein Trauernder empfindet enorm lindern!

Ich kann von mir jedenfalls sagen, dass mir diese Hoffnung sehr hilft, besonders dann, wenn alles um mich herum grau und trüb aussieht. Ich danke Gott oft dafür, dass er uns diese schönen Verheißungen gegeben hat und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er sie auch erfüllen wird.
Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft bei der Trauerbewältigung!

LG Philipp

Hey!

Es gibt die verrücktesten Situationen, in denen Leute eigentlich zutiefst trauern müssen, aber sich oft gar nichts in ihnen rührt, oft sind sie sogar selbst irritiert davon und fühlen sich schlecht.

Die Psyche wählt sich, wie du jetzt wohl merkst, den Zeitpunkt der Verarbeitung aus - und wenn es erst viel später passiert, hat das vermutlich auch einen guten Grund.

Ich würde es also nicht so sehen, dass du die Trauerarbeit verpasst hast und jetzt die Folgen erlebst, sondern eher vermute ich, dass du es erst jetzt wirklich zulassen konntest - und wahrscheinlich hatte das auch genau so seine Richtigkeit.

Was du erlebt hast - und auch jetzt grade neu erlebst, klingt sehr furchtbar und ich verstehe sehr gut, wieso du erstmal Zeit brauchtest, um klar zu kommen und nun erst so intensiv trauerst. Was du durchmachen musst, klingt wirklich maximal belastend :( Deswegen würde ich es mir auch absolut zugestehen, dass du auch mal Nächte durchweinst...

Ich finde, mit der Therapie hast du schon einen ganz wichtigen Schritt gemacht, um einen Umgang mit der extremen Situation zu schaffen - auch, wenn das nicht so mal eben nebenbei funktioniert. Ich denke, das solltest du weiter verfolgen. Was bei mir in Extremsituationen gut funktioniert hat: Der Wechsel zwischen ehrlicher Hingabe zu den Emotionen (also z.B. das intensive Weinen) und ein wenig Normalität, um nicht ganz abzustürzen.

Gibt es Menschen oder irgendwelche Aktivitäten, die dir in den Zwischenmomenten Halt geben? Vielleicht fällt dir ein Weg ein, um dich dem noch intensiver zu widmen? Bei welchen Menschen kannst du ehrlich mit deinen Gefühlen sein, so dass sie dich etwas stützen können und dir auf der anderen Seite auch ein wenig in den Alltag hineinhelfen?

Ich glaube, vor dir liegt noch eine harte Zeit mit ganz vielen Bergen, die du überwinden musst - aber so, wie ich dich lesen konnte, hast du auch wirklich viele Werkzeuge an Bord, mit denen du dir selbst helfen kannst oder Hilfe suchen kannst.

Ich wünsche dir und deiner Mutter alles Gute!

Ich denke es ist normal. Da kommt einfach alles wieder hoch, alte Aengste werden geweckt die plötzlich aktuell sind. 

Es tut mir sehr leid, dass dir das passiert. 

Sieh dich unbedingt nach guten Freunden, Verwandten UND  professioneller Hilfe um, die dich auffangen kann.

Mein Beileid. Ja, das ist normal. Jeder geht anders mit Trauer um. Du scheinst es all die Jahre nicht wirklich an dich heran gelassen zu haben, aber jetzt holt es dich ein. Es ist aber gut, um den Tod verarbeiten zu können.

Ja, ist normal, alles was nicht aufgearbeitet wurde, kann zu irgendeinem späteren Zeitpunkt wieder an die Oberfläche blubbern, auch 40 Jahre später. Zumeist ausgelöst durch einen Trigger, z.b. ein ähnliches Ereignis. 

Als eine kleine Hilfestellung, um mit deiner Trauer irgendwie umzugehen, kann ich dir folgendes anbieten: Schreibe einen Brief an deinen Stiefvater, ruhig lange und ausführlich, wo drin steht: 

  • Was dich in eurer gemeinsamen Zeit wütend/ärgerlich macht/gemacht hat
  • Was traurig
  • was nachdenklich
  • was dankbar
  • was glücklich 
  • was du von ihm gelernt hast 
  • welche Schlüsse du gezogen und Entscheidungen du getroffen hast, die auf dem basieren, was du von ihm gelernt hast
  • Was dir leid tut, wofür du dich bei ihm entschuldigen willst
  • wie du deinen Weg jetzt weitergehen willst, was dein nächster Schritt ist
  • was deine Hoffnungen, Pläne und Träume für die Zukunft sind 

Das wird unangenehm werden und auch einige Zeit in Anspruch nehmen, vl sogar mehrere Wochen, aber geh es durch. Halte auch nach Möglichkeit die Reihenfolge der Themen ein (negativ zu positiv), aber wenn dir selbst noch was anderes einfällt, das du hinzufügen möchtest, dann kannst du das natürlich tun. 

Wenn es dir weiterhilft, kannst du den Brief in einem kleinen Ritual auch "abschicken", z.B. in einer Flaschenpost einen Fluss runterschicken oder mittels Heliumballon in den Himmel steigen lassen o.Ä., aber auch im Feuer verbrennen, was immer dir gut tut. 

Du kannst aber auch - und das ist die zweite Phase - den Brief ein Weilchen liegen lassen, wenn er fertig ist, um ihn dann zu öffnen und ihn aus der Perspektive deines Stiefvaters zu lesen. Als wärst du er. Und dann schreibst du in seiner Rolle - also von seiner Perspektive aus - einen Antwortbrief an dich, in dem du auf alle Punkte eingehst. Den "schickst" du dann an dich selbst ab, wartest ein wenig, und liest ihn dann  - als du selbst (dritte Phase).

Für dein Hirn ist es in dem Moment, wo du das liest, als würde wirklich er selbst dir antworten, und in deinem Unterbewusstsein werden die vorhandenen Blockaden gelöst. Besorg dir ausreichend Taschentücher, das wird ziemlich heftig, aber äußerst heilsam. 

Viel Glück!

Hallo,

Trauer ist bei Menschen verschieden. Du kannst mit einem Menschen reden.
Es gibt im Internet und über das Telefon kostenlose Seelsorge. Falls Du
noch zur Schule gehst: Gibt es an Eurer Schule vielleicht einen
Vertrauenslehrer? Dann kannst Du auch mit diesem reden.

Ich bin Christ. Der Glaube hilft vielen Menschen. Gott liebt Dich. Wenn Du einiges wissen möchtest, was mich überzeugt, dass es Gott gibt, dann kannst Du mich z.b. fragen oder auf mein Profil gehen.

Alles Gute

Du hast einen Grund, traurig zu sein und darfst es auch sein. Das ist keine Depression. Da ist man ohne Grund traurig.

Naja nein.... Die Depression wurde von Psychologen diagnostiziert und ja das höngt mehr mit anderen Sachen zusammen... 

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