Wie soll ich mich einem Flüchtling in der Firma gegenüber verhalten?

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19 Antworten

Hallo jaccoxd,

seit ca. 2-3 Monaten haben wir auch einen (ehemaligen) Flüchtling aus Syrien bei uns im Betrieb, ca. 40 Jahre alt, seit eineinhalb Jahren mit Frau und 3 Kindern in Deutschland, hat vor seiner Flucht als IT-Spezialist gearbeitet. Wir sind eine Firma, die Infrarotheizungen herstellt. Unser Kollege liefert sie dann immer bei den Kunden ab (er arbeitet nicht jeden Tag, sondern nur wenn eine größere Lieferung anfällt oder viele Kunden bedient werden müssen). Eineinhalb Jahre sind (natürlich) ein längerer Zeitraum deswegen spricht er relativ gut deutsch, Verständigungsprobleme gibt es also so gut wie gar nicht. Zu unserem Team/Personal muss ich sagen, dass wir uns untereinander gut verstehen und uns gegenseitig fast freundschaftlich behandeln, deswegen haben wir ein gutes zwischenmenschliches Verhältnis in welches wir unseren Kollegen einbezogen haben. Man merkt deutlich, dass er sich wohl fühlt und durch die (fast schon familiäre und harmonische) Umgebung auch bei der Arbeit motiviert ist. Aus meiner Sicht legt er einen Tatendrang an den Tag von dem sich andere eine Scheibe abschneiden könnten. Wir haben ihm (so gut wie möglich) das Gefühl gegeben, dass er nicht außen vor ist, sondern ein Teil unseres Betriebs der dazugehört und gute Arbeit leistet. Ich traue mich das zwar nicht, aber ich würde ihn gerne fragen, wie sein früheres Leben in Syrien war und was ihn zur Flucht bewogen hat, andererseits denke ich mir, dass es selbst nach eineinhalb Jahren noch "alte Wunden" bei ihm aufreissen würde und deswegen frage ich lieber nicht.

Wenn dein Kollege noch nicht so gut deutsch redet, ist das nicht schlimm. Der wird das mit der Zeit schon noch lernen. Was er jetzt braucht, ist ein gewisser (auch emotionaler) Halt, Menschen die zu ihm halten und ihm das Gefühl geben, dass er gebraucht wird und sinnvolle Arbeit leistet. Gleichzeitig solltet ihr auch "Anlaufstelle" für ihn sein, wenn er was nicht versteht, z.B. Arbeitsabläufe usw. Seit einfach für ihn da, das hilft schon viel.

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du solltest dich ganz normal mit ihm unterhalten und ihn behandeln wie einen deiner Kollegen. er soll das Gefühl haben willkommen zu sein. fang einfach an mit ihm zu reden, über ganz altägliche Dinge

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Hallo,

in meiner alten Firma hatten wir auch einen Mitarbeiter der kaum Deutsch konnte. Wir ihm Büro haben mit ihm Englisch gesprochen...die Jungs auf der Baustelle konnten aber nicht alle Englisch und haben dann angefangen sich gegenseitig die Sprachen beizubringen. Sie haben zum Beispiel die Farben auf Deutsch gesagt und der Kollege dann auf seiner Sprache...

Die Jungs haben sich gut verstanden und sich so gegenseitig gezeigt, dass sie den anderen akzeptieren. Wie heißt das bei euch wird er ja vielleicht verstehen und dann sagst du wie es bei uns heißt...vielleicht machen mit der Zeit ja noch mehr Leute mit...so helft ihr ihm gleich mit der Sprache und von Zeit zu Zeit kann man sich immer besser unterhalten

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Ist der Kollege der dessen Muttersprache spricht denn in der Pause nicht dabei? Da wäre eine perfekte Möglichkeit. Er übersetzt ein bisschen, vielleicht stellt der neue Kollege ein paar Fragen. Aber vielleicht ist er auch eher der weniger kommunikative Kerl, der nicht so gerne spricht. Ich studiere mit einigen zusammen und es ist sehr unterschiedlich. Meistens haben sie eine viel offenere Art die uns hier vielleicht ein wenig aufdringlich vorkommt, aber die meisten haben sehr viel Interesse an unserer Sprache und auch an der Kultur oder dem "komischen" Essen. Manche sagen aber halt auch gar nichts.

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"und wollte fragen wie ich mich gegen über verhalten soll ?"

ganz normal so wie bei jedem anderen auch;

Wenn du in so einer Situation wärst - würdest du wollen das die anderen dich anders behandeln?

Und das man jemanden freundlich und respektvoll behandelt und jemand der neu im Betrieb ist entsprechend aufgeschlossen empfängt sollte (zumindest meinem Verständnis nach) selbstverständlich sein.

Wenn du dich daher ohnehin schon so benimmst machst du ja alles richtig.

Du musst da in jedem Falle aufpassen: Wie du schon geschrieben hast hast du da ja vielleicht ein etwas mulmiges Gefühl und fühlst dich schlecht. Das ist durchaus nachvollziehbar aber etwas mit dem du selber klar kommen musst.

Das sollte dann nicht dazu führen, dass du die andere Person anders oder übertrieben "freundlich" behandelst.

"Meint ihr ich soll ihn mal eine Kaffee in Pause anbieten oder was zum trinken"

kannst du sicherlich machen solange es nicht "erzwungen" wirkt.

"wie könnte ich ihn mit integrieren ?"

Mit ein paar Brocken Deutsch und ein bisschen Englisch; meist reichen da auch weniger Worte als man denkt.

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Kommentar von TrudiMeier
24.02.2016, 12:49

Das geht mit Deutsch, Englisch und Händen und Füßen....und es klappt :-))

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Ja ich würde ihm gelegentlich etwas anbieten und ihn auch privat mal mitnehmen zum Sport oder so. Zeigt ihm die neue Welt, so lernt er auch schnell Deutsch und findet sich bald gut zurecht.

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Ich würde es gut finden, wenn du dich mal zu ihn gesellst und es mal versuchst mit ihm zu kommunizieren. Ihr könnt euch ja auch mit Händen und einem Mix aus Englisch und Deutsch verständigen! :)

Ich bin mir sicher, dass er bald etwas mehr Deutsch kann. 

Wenn du willst, kannst du ihm ja auch anbieten ihm beim Deutsch lernen etwas zu helfen, denn Deutsch ist ne echt schwierige Sprache besonders für Menschen, die sie neu lernen.

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Wenn du dich sparchlich mit dem neuen Kollegen nicht verständigen kannst, gäbe es doch die Möglichkeit über den "Dolmetscher" ihn zu einem Kaffee einzuladen. Da könnte ja auch der "Dolmetscher" dabei sein und übersetzen, was du dem dem neuen Kollegen sagen möchtest.Dann weiss er, dass er sich angenommen fühlen kann. Du hast vielleicht schon erlebt wie es ist, wenn man ins Ausland fährt und die dortige Sprache nicht beherrscht, wie abseits man sich da vorkommt. Nicht überall kommt man mit der englischen Sprache weiter. So in etwa fühlt sich der neue Kollege bei uns. Er würde sicher gerne erzählen, was ihm alles widerfahren ist, ihm vielleicht Erleichterung bringen würde, aber er kann es eben - noch -nicht sagen.

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Ja, aber dein Chef macht das auch nicht ganz uneigennützig, was dann wohl auch sein darf.

Flüchtlinge haben ihre Herausforderungen und wir Deutsche haben hier unsere, so ist das ja mal nicht.
Du musst dich nicht gleich so reinsteigern, und wenn der Flüchtling nicht besser deutsch lernen will, so vielleicht, weil er gar kein Interesse daran hat, warum dann auch immer, ich mein, wenn er wollte, könnte er ja besser sprechen, Deutsch noch genauer lernen......

Er wird schon integriert und ist ja auch zum Teil bei euch schon integriert - vieles liegt dann ja auch an diesem Menschen selbst.
Er hat nun viele Möglichkeiten, alles zu gestalten, aber vielleicht ist er anderer Meinung als du?, vielleicht hat er andere Vorstellungen ..... ?
Ich glaube nicht dass es notwendig oder förderlich ist, dass Deutsche übertreiben und/oder zu viel dafür tun.

Mute ihm das ruhig auch zu und glaube an seine Fähigkeiten.

Weiter könntest du dich mal fragen, warum dich das gleich so arg berührt und trifft. Vielleicht weil es dich irgendwie betrifft?  ;-)))  Solltest du dir selbst auch öfter mal ein guter Kumpel sein?  :-))))

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Kommentar von Tjula1
06.03.2016, 10:36

"Flüchtlinge haben ihre Herausforderungen und wir Deutsche haben hier unsere, so ist das ja mal nicht."

Ja echt mal!!! Ich denk mir auch so: was stellen sich die halb verhungerten Kinder in Afrika immer so an, ich hab gerade auch meine Lieblingsschokolade nicht im Haus und müsste dafür extra zu dem Laden 200 Meter weiter gehen, der zwar alles, was es so an Lebensmitteln gibt, hat, aber der will ja echt Geld dafür! (Mein Geld, was durch Hartz4, Bafög, Kindergeld, Rente whatever bezuschusst wird.)

Merkste was? ;)

"und wenn der Flüchtling nicht besser deutsch lernen will, so vielleicht, weil er gar kein Interesse daran hat, warum dann auch immer, ich mein, wenn er wollte, könnte er ja besser sprechen, Deutsch noch genauer lernen....."

*Kotz* solche Spekulationen sind einfach sch**ße

Ich könnte deinen ganzen Kommentar auseinander nehmen, dafür fehlt mir gerade aber Zeit und Geduld. Zudem glaube ich nicht, dass das irgendwas an deinem Denken ändern wird. 

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Ja, es scheint als hast du da schon ein gutes Maß an Emphathie, um mit dem Flüchtling auf eine vertrauenssteigernde Art und Weise in Kontakt zu treten. Das mit dem Kaffee ausgeben finde ich sehr gut als Start.

Ich würde versuchen Interesse zu zeigen, ohne vielleicht zu direkte Fragen zu stellen, weil er bestimmt viel Scharm und Schmerz mit sich trägt, die er nicht direkt einem noch fast Fremden offenbaren möchte. Auf der anderen Seite solltest du dir aber auch nicht zu viele Gedanken machen, sonst findest du am Ende gar keine Möglichkeit etwas zu sagen außer dass das Wetter schön ist. ;-)

Es gibt ja diese Schwelle die man spürt, ob der andere eher aufgeschlossen oder offen für ein Gespräch ist. 

Was mir noch einfällt nutz doch die Möglichkeit dein Englisch etwas aufzufrischen. Ich habe auch selbst längere Zeit mit Ausländern zusammen gearbeitet und gemerkt, dass es immer mega sympathisch und vertrauenswürdig rüberkommt, wenn du dich für die Kultur oder die Sprache der anderen interessierst. Wenn du also zu ihm hingehst und auf Englisch sagst. "Hey my English is not the best but I try to learn a little bit to be able to talk to you" oder Ähnliches.

Oder bleib in der Beobachterrolle und vielleicht fällt dir ja noch das ein oder andere Interesse der Person auf, wie Essgewohnheiten, Musikgeschmack, Kleidungsstil, ... wo du vllt. Schnittstellen findest über die du mit ihm sprechen könntest.

Viel Erfolg und aller Ehren wert, dass dir die Integration von dem Menschen am Herzen liegt! Daumen hoch für dich! ;-)

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Rede doch mal mit dem einen Kollegen, wie Du Dich am besten verhalten solltest, gibt ja auch Dinge, wo man richtig ins Fettnäpfchen treten könnte.

Seit ich recht viel Kontakt zu Asylbewerbern habe, ist mein etwas eingerostetes Englisch auch wieder besser geworden. Mit einem Kumpel, der aus Tunesien stammt, versuche ich immer wieder mal, französisch zu sprechen, damit das auch wieder aufpoliert wird. Der spricht aber schon sehr gut deutsch. Also er verbessert mich, ich ihn - und so profitieren wir beide.

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Kommentar von LadyDenial
24.02.2016, 21:44

Richtig! Mag sein, dass man zuerst Vorbehalte gegen etwas/jemanden hat der fremd ist, aber durch das aufeinander Zugehen lernt man voneinander und wird besser in dem was man tut.

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Kommentar von tanztrainer1
24.02.2016, 22:24

Wo ist dieser Kollege denn her? Also wenn es ein Muslimer ist, kommt es garntiert schlecht, dem ein Bierchen (Alkohol) anzubieten, aber nen Kaffee oder Tee ist doch in Ordnung.

Was aber auch nicht gut wirkt: ausfragen, was er so alles auf der Flucht erlebt hat. Wenn er so weit ist, dass er das erzählen kann, dann macht er das von sich aus.

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Ich finde es gut, dass Du Dir solche Gedanken machst. Ich würde ihm anbieten, mal zusammen einen Kaffee trinken zu gehen und vielleicht könnt ihr euch ja auch mal außerhalb des Betriebs treffen, damit Du ihm auch mal die Stadt zeigst oder Dinge erklärst, die er vielleicht noch nicht versteht. Flüchtlinge haben oft viele Fragen, z. B. zur deutschen Kultur oder zu Dingen, die für uns selbstverständlich sind (Straßenverkehr, öffentliche Verkehrsmittel usw.). Lass Dir von dem Dolmetscher helfen, falls es sprachliche Barrieren gibt :)

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Lobenswert.  So viel Gedanken machen sich wenige.

Wichtig ist für Flüchtlinge, daß sie Anerkennung bekommen und sich hier wohl fühlen. Sie bekommen ja eher das Gegenteil meist.

Du schreibst ein Kollege spricht seine Muttersprache. Ich würde ihn ansprechen. Er kann dann übersetzen. Und helfen. Und man kann dann gucken wie es weiter gehen soll.

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sei ganz einfach unvoreingenommen

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Ich finde, Du könntest ihm Kontakt (Rauchen, Kaffee ...) anbieten, wenn er Dir so wie so sympathisch ist. Mir scheint, das ist so. Ihr werdet dann schon Methoden erfinden, um Euch zu unterhalten; vielleicht erfährst Du auch mal mehr von ihm, wenn sein Landsmann übersetzen kann.

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Na wie schon- ganz normal so wie Du allen anderen auch begegnest. Es ist ebenfalls ein Mensch, kein Ausserirdischer!

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Von deiner Sorte sollte es mehr geben👍 Versuch das mal mit dem Kaffee

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Sei einfach weiter freundlich zu ihm. Es spricht auch nichts gegen die Idee, ihm mal einen Kaffee oder ähnliches anzubieten.

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ich finde es toll dass du so denkst! ja, geh mal auf ihn zu und schau wie er reagiert....je nachdem kannst du ja dann eine "freundschaft" mit ihm anfangen oder eben nicht. aber immer schön nett sein ;D

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